Mitte Dezember wurde eine neue Crowdfunding Plattform gelauncht: aescuvest. Die Crowdinvesting Seite ist die erste Plattform die sich auf den Gesundheitsmarkt spezialisiert. Im Interview mit crowdfunding.de berichtet Gründer und Geschäftsführer Dr. rer. nat. Patrick Pfeffer von seiner Motivation und wie er mit aescuvest Bewegung in den Gesundheitsmarkt bringen will.

crowdfunding.de: Wie sind Sie darauf gekommen, eine Crowdinvesting Plattform für den Gesundheitsbereich aufzubauen?

Dr. rer. nat. Patrick Pfeffer: Durch den Studiengang der Bioinformatik kam ich mit einem Fach in Berührung, das sehr komplexe Zusammenhänge und Interaktivitäten vermittelt. Das hat mich fasziniert und über Umwege dazu geführt, nach Übertragungen im richtigen Leben zu suchen. Dabei habe ich meine Stärken von Anfang darin erkannt, mich nicht selbst in den Mittelpunkt zu manövrieren, sondern anderen eine möglichst perfekte Bühne zu bieten. Nach dem Studium nutzte ich meine Chancen, um Berufserfahrungen zu sammeln. Wohl recht schnell verstand ich, wie die kleinen und größeren Rädchen ineinandergreifen und wie Kommunikation in den Märkten funktioniert. Für mich selbst rückte in dieser Phase die Entscheidung immer näher, ob ich mich eher im Angestelltendasein oder mit selbständigen Initiativen wohl fühle. Hinzu kamen die glänzenden Kontakte und Gespräche zu Mitstreitern, die auf meine Initiative förmlich nur zu warten schienen. Schließlich den Erfindern, den Anlegern und auch den Kunden nutzbringend zum Erfolg zu verhelfen, das ist doch eine fabelhafte Sache! Das Echo, das zwischenzeitlich durch das Thema ´Schwarmfinanzierung´ entstanden war, mündete in die naheliegende Überlegung: Mach das, was Du am besten kannst auf einem Gebiet, das der Wettbewerb mangels Expertise meidet.

Welchen Vorteil hat ein Erfinder aus dem medizinischen Bereich, wenn er sein Projekt über aescuvest finanziert und nicht über eine der schon etablierten generalistischen Crowdfunding Plattformen?

Der Generalist weiß von allem ein wenig, dafür wissen Spezialisten von Wenigem alles. Anhand unseres fokussierten Wissens sind wir in der Lage, Ideen und Erfindungen so zu beurteilen, dass eine bewilligte Projektierung in jeder Hinsicht vertretbar ist. Außerdem haben wir extra zu diesem Zweck einen Wissenschaftlichen Beirat gegründet, der mit hochkarätigen Fachleuten aus der Medizin, der Wirtschaft und dem Gesundheitsrecht besetzt wurde. Deren fundierte, und vor allem unabhängige, Meinung gewährleistet, dass nicht jeder eingereichte Vorschlag anschließend der Öffentlichkeit präsentiert wird, sondern ausgesprochen strenge Kriterien als erfüllt gelten müssen. Übrigens verbessern hohe Hürden automatisch die Erfolgsquote im System, auch das sehen wir als Vorteil für unsere Unternehmer und Investoren. Es liegt in unserem ureigensten Interesse, jedem Unternehmer beratend zur Seite zu stehen. Vom Zugang zu unseren ausgesuchten Netzwerken und der umfangreichen Unterstützung beim Markteintritt profitiert natürlich ein Neustarter genauso, wie jeder gestandene Mittelständler.

Neben dem Aspekt ´Rendite´ bietet Crowdfunding den Unterstützern ja oftmals Mehrwerte, die auch insbesondere im Gesundheitsbereich relevant sein könnten. Wenn z.B. ein Projekt einer bestimmten Gruppe mit gesundheitlichen Problemen eine Lösung verspricht, wären diese Menschen vermutlich nicht hauptsächlich aus dem Rendite-Motiv daran interessiert, das Vorhaben zu unterstützen. Ebenso die Menschen, die der Gruppe mit dem bis dato unlösbaren gesundheitlichen Problem helfen wollen. Aescuvest – das Invest steckt im Namen – ist klar als Investment-Plattform positioniert. Wollen Sie dennoch die beiden o.g. Zielgruppen adressieren, oder zielen Sie ausschließlich auf den renditeorientierten Investor?

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Dr. rer. nat. Patrick Pfeffer – Gründer und Geschäftsführer aescuvest

In erster Linie wenden wir uns an Investoren, die ihr Kapital bevorzugt dort anlegen, wo innovative Märkte wachsen und deshalb auch oftmals höhere Gewinne zu erzielen sind. ́Healthcare ́ ist ein solcher Sektor und dieser wird nach einhelliger Meinung von Fachleuten langfristig weiter boomen. Stichworte sind z.B. chronische Krankheiten, Überalterung der Gesellschaft, zunehmendes Gesundheitsbewußtsein etc. Wir rechnen auch mit Ingenieuren, Ärzten und Medizinern, die etwas von der Materie und den präsentierten Produkten verstehen und ggf. eben nicht nur Geld, sondern auch eigenes Know-how einfließen lassen. Den altruistischen Gedanken wollen wir aber keineswegs ausschließen, weil betroffene Menschen und thematisch involvierte Gruppen natürlich ein gesteigertes Interesse am Fortschritt im jeweiligen Gebiet haben und ihr fachlich-sachliches Wissen gerne einbringen. Wir erleben hier engagierte, unternehmerisch denkende Investoren, die nicht nur nach der besten Rendite schielen. Alle, die bei aescuvest mitmachen, identifizieren sich deshalb auch mit unserem Slogan: Gesundheit lohnt sich. Für jeden von uns.

Der Markt für pharmazeutische Innovationen ist höchst komplex. Zum einen hohe Kosten für Forschung und Entwicklung mit oftmals ungewissen Erfolgsaussichten. Zum anderen Herausforderungen in der Vermarktung: Patentschutz, Generika und damit ethische Fragen. Dieser Markt schreit nahezu nach einer Crowdfunding Lösung. Sehen Sie Chancen mit aescuvest den Crowdfunding-Hebel an den Markt für Pharmaprodukte anzulegen?

Wir wollen den Mund nicht gleich zu voll nehmen. Gerade in der Arzneimittelforschung sind die Auflagen hoch, höher, am höchsten. Für Investitionen und daraus resultierende Gewinne braucht es gerade dort einen langen Atem. Sollte aber beispielsweise ein angestellter Forscher oder Entwickler mit seinen Ideen kein Gehör finden, dann kann es durchaus passieren, dass wir geeignete Partner für ihn finden. Selbst globale Netzwerke werden immer engmaschiger, vor allem, wenn es um neue Wege der internationalen Kooperation geht. Oft genug hören wir auch, dass die Industrie blockiert und eben keineswegs immer als Innovationsförderer agiert. An einen Durchbruch zu glauben, das gelingt im Verbund manchmal leichter, als wenn Konzernvorstände einsame Entscheidungen fällen und die Verantwortung dafür allein zu tragen haben. Und vergessen wir nicht, die Zustimmung unserer Investoren sind keine bloßen Lippenbekenntnisse, dahinter stecken handfeste, finanzielle Zusagen!

Für Nicht-Fachleute sind medizinische Projekte vermutlich in Bezug auf Umsetzbarkeit und Marktpotential relativ schwierig einzuschätzen. Anders als beispielsweise ein Start-Up das Online Blumen versenden will, wo man als gewöhnlicher Konsument relativ schnell zu einer intuitiven Einschätzung kommt. Wendet sich aescuvest nur an Gesundheits-Fachleute oder auch an das breite Publikum. Falls ja, wie wollen Sie diese „Low Involvement Investoren“ gewinnen?

In erster Linie ergibt sich die Antwort auf diese Frage aus einer soliden Planung und einer seriösen Präsentation sein. Wir fordern von jedem, der eine Idee mit aescuvest realisieren will, dass er uns in einem Satz und anhand von ein paar Skizzen beschreiben kann, worum es geht. Wir achten darauf, dass das Ganze allgemeinverständlich dargestellt wird, also Hand und Fuß hat. Grundsätzlich gilt es festzuhalten, dass bei aescuvest auf der Basis von medizinischer Evidenz und wirtschaftlichen Zahlen und Fakten gearbeitet wird. Auf dieser Schiene kontrollieren und kommunizieren wir das kontinuierlich den Inventoren, ebenso wie den Investoren. Ein nobler Aspekt für unsere Anleger besteht aber auch darin, dass neben der reinen Renditeerwartung immer der Fortschritt für die Gesundheit des Menschen im Zentrum der Argumentation steht. Sich damit nachhaltig zu identifizieren, fällt vielen leichter, als lustigen Gadgets oder einer kurzlebigen Modeerscheinung hinterherzurennen.

Was sind die konkrete Pläne von aescuvest für das Jahr 2015?

Mit der Freischaltung der Plattform beginnt soeben die Verknüpfung von aescuvest mit dem Rest der Welt. Im Februar wird dann das erste Projekt im Portal präsentiert. Ein pfiffiger Unternehmer hat von Seiten der Patienten Fehlerquellen, Engpässe, Lücken, Widersprüche und Wiederholungen in der Vorphase eines Untersuchungstermines beim Arzt aufgedeckt und bietet eine verblüffende Lösung für diese Thematik an. Wir drehen als nächstes das dazugehörige Video und stellen darin auch den Unternehmer selbst vor. Rechtzeitig zum Start werden noch die erforderlichen Funktionalitäten auf der Webseite eingerichtet, so dass sich die Werbetrommel für das Pilotprojekt quasi von selbst zu drehen vermag. Parallel sind wir schon mit der Begutachtung weiterer Projekte beschäftigt und sehen für 2015 schon ganz unterschiedliche und vielversprechende Konzept- und Produktpräsentationen auf uns und unsere Investoren zukommen. Wir wollen zügig wachsen und gewissenhaft arbeiten, ohne die Dinge zu überstürzen. Wer sich in unserem Newsletter einträgt, wird fortlaufend zum Stand der Dinge informiert.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit aescuvest!

 

Zur Webseite: www.aescuvest.de

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