In der September Ausgabe des Wirtschaftsmagazin „Capital“ ist ein kritischer Artikel zum Thema Crowdfunding für Startups erschienen. Uli W. Fricke – Geschäftsführerin der Crowdinvesting Plattform FunderNation GmbH – nimmt im Gastartikel Stellung zu den angeführten Thesen.

Autorin: Uli W. Fricke

„Schwärme gelten gemeinhin als intelligent. Bei der Finanzierung gilt das Naturgesetz nicht unbedingt.“ – lautet die Ausgangshypothese des Artikels zum Thema Crowdfunding auf Seite 130 in der aktuellen Ausgabe 9/2015 der „Capital“. In dem Artikel werden dabei einige Thesen aufgestellt, die ich gerne kommentieren möchte. Grundlage für die folgenden Überlegungen sind meine persönlichen Erfahrungen aus 18 Jahren Venture Capital Investitionstätigkeit.

Crowdinvestoren wurden bei einem frühzeitigen Ausstieg übervorteilt

Nach dem Einstieg renommierter Venture Capital Investoren wird ein Unternehmen große Erfolge erzielen und die weitere Wertsteigerung ist quasi garantiert, argumentiert der Artikel.

Unternehmerischer Erfolg ist bedauerlicherweise nicht vorherbestimmbar und korreliert nur bedingt mit großen Finanzierungsrunden. Ich habe in 18 Jahren sehr viele Unternehmen scheitern sehen, die eine gute Kapitalausstattung hatten, aber ihr Business Modell noch nicht ausreichend gut verstanden haben. Erfolge sind – auch wenn große renommierte Venture Capital Investoren einsteigen – nicht planbar oder vorhersehbar, insbesondere nicht für Start-ups. Daher kann es sehr sinnvoll sein ein Angebot zum Ausstieg anzunehmen – insbesondere wenn es zu einer Verzinsung von fast 50% führt. Ein realisierter Gewinn kann sich nicht mehr in Luft auflösen, ein unrealisierter Gewinn hingegen schon.

Hier schließt sich die Frage an, was eine angemessene Bewertung für einen frühzeitigen Ausstieg ist. Gerade bei jungen Unternehmen lässt sich in der Regel für die Bewertung eine große Spanne rechtfertigen. Am besten eignet sich in einem solchen Fall die Perspektive eines externen Dritten. Idealerweise werden die Crowdinvestoren also zu der Bewertung abgelöst, die der Venture Capital Investor als Basis für seinen Einstieg verwendet. Da auch nach Einstieg eines Venture Capital Investors der weitere Erfolg nicht garantiert ist, stellt die frühzeitige Realisierung eines tatsächlichen positiven Rückflusses in vielen Fällen für die Investoren die bessere Alternative dar. Wäre es in dem konkret beschriebenen Fall meine Wahl gewesen, hätte ich den Gewinn realisiert.

Vorliegende Verträge schützen die Crowdinvestoren nicht ausreichend

Das ist eine wichtige Frage, der sich übrigens auch jeder professionelle Frühphasen Venture Capital Investor immer wieder gegenüber sieht: Was ist eine angemessene Behandlung der Investoren der ersten Stunde? Und wie können die frühen Investoren dafür Sorge tragen, dass sie in späteren Finanzierungsrunden angemessen behandelt werden?

Die Crowdinvesting Verträge sollten so gestaltet sein, dass sie kompatibel sind mit späteren Venture Capital oder Business Angel Finanzierungen. Dazu gehören unter anderem eine sinnvolle Form des Investoren Poolings (da Venture Capital Investoren nicht mit 732 einzelnen Geldgebern verhandeln werden, wenn es um die weitere Entwicklung des Unternehmens geht) sowie geeignete Regelungen für Anteilsverwässerung, Exit und Mitsprache-Rechte. Dabei sind die unterschiedlichen Bedürfnisse einzelner Investorengruppen angemessen zu berücksichtigen. Technisch ist das alles machbar, für die richtige Umsetzung ist es jedoch wichtig zu wissen, welche Bauchschmerzen Venture Capital Investoren in der Praxis tatsächlich haben. Sind die Verträge nicht kompatibel, dann bleibt für ein Unternehmen das Crowdinvestoren hat und eine Venture Capital Runde plant nur die Alternative die Crowdinvestoren abzulösen. Sind die Verträge mit dem notwendigen Know-how professionell aufgesetzt, haben die Crowdinvestoren eine gute Ausgangsbasis für eine angemessene Behandlung.

Crowdinvestoren haben eine sehr hohe Ausfallquote – zu hoch, um Geld zu verdienen

Im Venture Capital Geschäft und insgesamt bei Investments in Start-ups ist traditionell zu beobachten, dass die negativen Nachrichten früher kommen als die guten Nachrichten. Es dauert in der Regel mehrere Jahre bis sich ein Start-up erfolgreich entwickelt hat und solide Umsätze sowie positive Cashflows generiert. Die meisten Ausfälle finden früher statt. Sodass die Investoren in den ersten drei Jahren zunächst mehr negative als gute Nachrichten verdauen müssen. Das erfordert eine gewisse Professionalität im Umgang mit den Informationen. Und vor allen Dingen erfordert es den Aufbau eines möglichst breit diversifizierten Investment Portfolios.

Bedeutung der Risikostreuung – Aufbau eines Investmentportfolios

Der Artikel beleuchtet nur einen Aspekt des Crowdinvestings – und zwar die Finanzierung von Start-ups. Nicht weiter beachtet sind die Investitionsmöglichkeiten in Wachstums- und etablierte innovative Unternehmen. Daher bezieht sich das Magazin „Capital“ ausschließlich auf den Aufbau eines Portfolios an Start-ups. Das ist in jedem Fall besser als nur in ein oder zwei Start-ups zu investieren. Viel erfolgreicher ist es jedoch, ein Portfolio von Unternehmen in unterschiedlichen Entwicklungsphasen und unterschiedlichen Industrien aufzubauen. Die Ausfallrisiken beim einem entsprechend breit diversifizierten Portfolio sind deutlich kleiner, als bei einem reinen Start-up Portfolio.

Mein Fazit. Demokratisierung von Investments erfordert Transparenz

Crowdinvesting bietet große Chancen – sowohl für Investoren, als auch für kapitalsuchende Unternehmen. Für Anleger ist es möglich mit kleinen Beträgen ein eigenes Investmentportfolio aufzubauen. Dies war bislang ausschließlich professionellen Investoren vorbehalten. Selbstverständlich ist bei jeder einzelnen Investitionsentscheidung eine individuelle Risikoeinschätzung vorzunehmen und eine unabhängige Entscheidung zu treffen. An dieser Stelle sind die kapitalsuchenden Unternehmen und die Crowdinvesting Plattformen gleichermaßen gefordert, eine hohe Transparenz über Chancen und Risiken jeder einzelnen Investitionsmöglichkeit herzustellen.

Zur Autorin

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Uli W. Fricke, Geschäftsführerin FunderNation GmbH
FunderNation ist eine Crowdinvesting-Plattform, die durch ein Venture Capital Team gegründet und geleitet wird. Der Investitionsschwerpunkt des Portals liegt in den Bereichen Digitale Medien und IT, Nachhaltigkeit, Frauen in Führungspositionen, Raumfahrttechnologie sowie innovativer deutscher Mittelstand. www.fundernation.eu