Finanzierung der Expansion

Fallbeispiel: L’Osteria, Beiler & Söhne GmbH

l_osteria_bild_schmalL’Osteria ist ein Restaurant-Konzept das italienische Küche zu moderaten Preisen anbietet. Die Beiler & Söhne GmbH betreibt als Franchise-Nehmer aktuell zwei L’Osteria Restaurants in Berlin und Potsdam. Bis 2018 sollen es insgesamt sechs Restaurants werden. Dafür hat das Berliner Unternehmen bereits zwei Mietverträge unterschrieben und ist in Verhandlung bzgl. weiterer Locations.

Modell: Crowdlending

Um die personelle und strukturelle Vorbereitung für die Expansion auf weitere Restaurants vorzubereiten, hat die Beiler & Söhne GmbH ein Crowdlending durchgeführt. Das Unternehmen hat sich das Geld also direkt von der Crowd geliehen, statt einen Kredit bei der Bank aufzunehmen.

Was die Crowd bekommt: 4,5% Zinsen p.a. 

Beim Crowdlending gibt die Crowd  einen Kredit zu einem fest vereinbarten Zins. In diesem Fall bekommen die Kreditgeber der Beiler & Söhne GmbH eine jährliche Rendite von 4,5%. Das Darlehen hat eine Laufzeit von 3 Jahren und wird quartalsweise getilgt. Für die Kreditgeber ist eine solche Geldanlage mit dem Risiko des Totalausfalls verbunden, wenn der Schuldner zahlungsunfähig werden sollte. Das Darlehen ist aber, im Gegensatz zu den meisten Projekten im Crowdinvesting-Bereich, nicht nachrangig. Damit tritt die Crowd beim Crowdlending im Rang nicht hinter andere Gläubiger zurück. Neben der Verzinsung wurden den Anlegern weitere Vorteile geboten, wie z.B. 10% Rabatt für Besuche in den L’Osteria Restaurants in Berlin und Potsdam.

Ergebnis: 100.000 Euro von der Crowd

Das Crowdlending wurde im Juli 2016 erfolgreich über die Plattform kapilendo finanziert.

Interview mit Silvio Beiler, Geschäftsführer der Beiler & Söhne GmbH

l_osteria_portraitWarum haben Sie sich für ein Crowdlending entschieden und keinen klassischen Finanzierungsweg?

Die Kreditvergabe über die Crowd stellt für mich eine unkomplizierte und neue Art der Finanzierung dar und ist eine super Ergänzung zu bestehenden Finanzierungswegen. Von Anfang an habe ich sehr wertschätzende Gespräche mit kapilendo geführt und ein ernsthaftes Interesse an meinen Geschäftsmodell gespürt. Die Umsetzung war professionell und sehr schnell. Neben dem unbürokratischen Weg des Cowdlendings hat mich bei kapilendo vor allem die gezielte digitale Vermarktung meines Unternehmens überzeugt. Ich habe so tatsächlich nicht nur Anleger sondern auch Kunden und Markenbotschafter gewonnen.

Wie wurde der Zins für den Kredit festgelegt und wie wurde die Risikoklasse ermittelt?

Kapilendo hat sich die Zahlen meines Unternehmens angeschaut und mit mir detailliert über mein Geschäftsmodell und zukünftige Pläne gesprochen. Auf Basis des Ratings wurde dann der Zinssatz berechnet. Das Angebot lag mir innerhalb von 2 Tagen vor und wir konnten loslegen. Das Unkomplizierte war, dass ich einfach meine Geschäftsberichte und Jahresabschlüsse aus dem Buchhaltungssystem bzw. von meinem Steuerberater einreichen konnte – alles Dokumente die mir sowieso ohne zusätzlichen Aufwand vorliegen.

Woher kamen die Leute, die Ihnen das Geld geliehen haben? Kamen die über die Crowdfunding-Plattform oder aus Ihrem Netzwerk?

In meinem Fall war das Projekt in Höhe von 100 TEUR innerhalb von 3,5 Stunden ausfinanziert. Mir blieb gar nicht die Zeit mein eigenes Netzwerk zu aktivieren. Grundsätzlich treibt die Aktivierung des eigenen Netzwerkes eine Kampagne aber natürlich auch mit an. Und bei der aktuellen Zinslage trifft man auf viel Interesse!

Inwieweit mussten Sie Ihre internen Geschäftszahlen öffentlich machen?

Dem Anbieter Kapilendo gegenüber habe ich die Jahresabschlüsse der letzten 3 Jahre sowie eine aktuelle BWA offengelegt. Auf der Plattform selbst wurden dann Gründungsjahr, Mitarbeiterzahl, Umsatz und Gewinn veröffentlicht.

Sie schulden jetzt einer Vielzahl an Kreditgebern Geld. Wie arbeitsaufwändig ist die Betreuung der Kreditgeber und die Abwicklung der Rückzahlungen.

Für mich besteht hier kein Unterschied zum Bankkredit. Ich habe meinen Kreditbetrag in einer Summe ausgezahlt bekommen und zahle meine gleichbleibende Rate quartalsweise zurück. Die Verteilung der einzelnen Zahlungen auf die einzelnen Anleger wird vollständig von der Plattform übernommen.

Ist ein Crowdlending Ihrer Meinung nach für jedes Unternehmen geeignet?

Ich bin davon überzeugt, dass Crowdlending für jedes Unternehmen eine Erweiterung des Finanzierungsmix darstellt. Gerade in Zeiten restriktiverer Bankkreditvergabe ist es notwendig mehrere Finanzierungsquellen zu haben. Aus meiner Sicht ist es somit eine gute Beimischung zur klassischen Varianten wie Eigenmittelfinanzierung, Leasing, etc. Neben der reinen Finanzierung ist auch die digitale Kundengewinnung und Vermarktung für jedes Unternehmen enorm wichtig. Bei kapilendo konnte ich dies wunderbar miteinander verbinden und bin bis heute beeindruckt von der Zeitersparnis der Abläufe im Gegensatz zu den langwierigen Prozessen bei der Bank.