Der vom The Economist veranstaltete Innovation Summit fand – nach Stationen in Chicago und HongKong – Ende Juni erstmals in Europa in statt. Führungskräfte von Unternehmen wie Airbus, Amazon, Airbnb, Allianz oder Workplace by Facebook teilten auf der Veranstaltung in Berlin ihre Insights zum Thema Innovation.

„Innovation is fresh thinking that creates value“ mit dieser Definition eröffnete Vijay Vaitheeswaran (The Economist) die Konferenz. Inhaltlich ging es um Themen wie künstliche Intelligenz (AI), Blockchain, Drohnen, Zukunft der Arbeit, Grundeinkommen, die Macht der Daten und die Licht- und Schattenseiten der Digitalisierung.

Learnings

Der Verbraucher im Mittelpunkt
Viele der Panel-Teilnehmer betonten, dass der Konsument im Mittelpunkt der Innovationsprozesse steht. Dass das Verständnis der Verbraucherbedürfnisse die Grundlage für unternehmerischen Erfolg ist, ist grundsätzlich nichts Neues. Neu sind jedoch die sich durch die Digitalisierung ergebenden Möglichkeiten. Die Generierung und Analyse von unzähligen Datenpunkten ermöglicht es Unternehmen, die Verbraucher auf eine völlig neue Art zu verstehen und zu beeinflussen.

Messbarmachung von Emotionen
Auf einem Panel wurden die Möglichkeiten diskutiert, Emotionen messbar zu machen. So können z.B. über Kameras Emotionen im Gesicht erfasst und analysiert werden. Dadurch ensteht nach Ansicht der Panelisten die nächste Generation der Verbraucherforschung entstehen. Die Erkenntnisse seien aussagekräftiger als die der klassischen Marktforschung. In der Folge würden Shopping-Erlebnisse nach Gefühlszuständen ermöglicht werden und nicht wie aktuell nach anlassbezogenen Produktkategorien.

Der ideale „Entrepreneur“ im digitalen Zeitalter
Nach Meinung von Dörte Hirschberg (Rocket Internet) vereint der ideale Gründer Fähigkeiten des konzeptuellen Denkens mit unternehmerischen Führungsqualitäten und technischer Expertise. In der Diskussion wurde aber auch zu bedenken gegeben, dass es sich bei den Führungskräften Berliner Startups aktuell vorwiegend eher um „Managertypen“ als um „Unternehmertypen“ handelt.

Die Zukunft der Arbeit
Im Panel zur Zukunft der Arbeit wurden mehrere Trends diskutiert, wie der Rückgang klassischer Hierarchien, die Gig-Economy, in der man mehrere Jobs parallel hat und die Möglichkeiten von künstlicher Intelligenz beim Aufspüren talentierter Arbeitskräfte.

Teil dieser neuen Arbeitswelt will auch facebook mit seinem Angebot „Workplace“ werden. Die speziell auf Unternehmen zugeschnittene Version des sozialen Netzwerkes soll die interne Vernetzung verbessern. Als Vorteil sehen die Macher die Tatsache, dass ein großer Teil der Menschen den Umgang mit facebook gewohnt ist.

Learnings von Amazon
Paul Misener, Vice President Global Innovation Policy and Communications bei Amazon.com, berichtete, wie das Unternehmen seine Innovationsprozesse gestaltet:

  • Ausprobieren und Scheitern wird bei Amazon erwartet. Eine Reihe einzelner Misserfolge kann durch einen großen Erfolg kompensiert werden.
  • Zu Beginn eines Innovationsprozesses wird eine Pressemitteilung geschrieben, die die Idee vorstellt. Diese Mitteilung wird zunächst nicht verschickt, sondern dient dem Projektteam als Ziel und Leitbild bei der Umsetzung der Vision.
  • Das Verbraucherbedürfnis steht immer im Zentrum des Handelns.
  • Die Gruppe der Menschen, die an einer neuen Idee arbeitet, ist idealerweise so groß, dass sie von zwei Pizzen satt wird (2 Pizza Teams).

Licht und Schatten der Digitalisierung

Den Abschluss der Veranstaltung bildeten zwei Vorträge von Tom Standage (Journalist bei The Economist) und Gerd Leonhard (Zukunftsforscher und Buchautor).

Von der Geschichte lernen
Tom Standage zeigte Beispiele historischer Innovationen und erklärte, was man heute davon lernen kann. So zeigt der Blick auf die Geschichte, dass Expeditionen meist erfolgreicher sind, wenn sie privat und nicht durch öffentliche Mittel finanziert werden. Dies erklärt Standage damit, dass an der Spitze öffentlich finanzierter Unternehmungen oftmals diejenigen stehen, die politisch am besten vernetzt sind, nicht aber diejenigen, die am besten geeignet sind. In Bezug auf die Gegenwart bzw. Zukunft stellt sich dann die Frage, ob es eine private Initiative á la Elon Musk oder eine staatliche Initiative sein wird, die den ersten Menschen auf den Mars schickt.

Der Rückblick zeigt nach Ansicht von Tom Standage deutlich, dass das Aufkommen neuer Medientypen grundsätzlich mit panischen Aufschreien verbunden ist, die einen moralischen Verfall befürchten. Als Beispiele nennt er die Einführung des Telegramms, des Radios oder der Kodak Kompaktkamera. Dies kann als Argument für einen enspannteren Umgang mit den neuen Formen digitaler Kommunikation und Vernetzung gelten.

Digitale Geschäftsethik
Zukunftsforscher Gerd Leonhard zeichnete ein eher düsteres Bild von der Zukunft. Nach seiner Ansicht wird sich die Menschheit („Humanity“) in den nächsten 20 Jahren stärker verändern, als in den letzten 300 Jahren. Er beklagt, dass Unternehmen digitale Angebote schaffen, die das Ziel haben, die Nutzer „abhängig“ zu machen. Nach seiner Befürchtung werden sich die Märkte nicht selbst regulieren. Sie werden es auch nicht von alleine schaffen, Ungleichheit zu besiegen.

Die größte Gefahr liegt seiner seiner Meinung nach darin, dass sich Menschen den Maschinen angleichen. Er skizziert einen Gegenentwurf. Dazu müssten sich die Menschen u.a. zu ihren menschlichen Werten bekennen und für diese einstehen, verantwortlich handeln und den Wohlstand gerecht verteilen. Dass dies kein einfacher Weg sein wird, ist auch Gerd Leonard bewusst, denn „It is easy to sell software. It is hard to sell humanity“.

Fotos

 

Fotos: TheEconomistEvents

Webseite der Veranstaltung: https://events.economist.com/events-conferences/emea/innovation-summit-europe