www.crowdfunding.de https://www.crowdfunding.de Crowdfunding Informationsportal Thu, 17 Jan 2019 18:41:21 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.8.8 Crowdinvesting 2018 – Ein Rück- und Ausblick aus rechtlicher Sicht https://www.crowdfunding.de/crowdinvesting-2018-ein-rueck-und-ausblick-aus-rechtlicher-sicht/ https://www.crowdfunding.de/crowdinvesting-2018-ein-rueck-und-ausblick-aus-rechtlicher-sicht/#respond Sun, 30 Dec 2018 09:09:35 +0000 https://www.crowdfunding.de/?p=1586200 Im Bereich des Crowdinvestings hat sich im letzten Jahr in rechtlicher Hinsicht […]

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Im Bereich des Crowdinvestings hat sich im letzten Jahr in rechtlicher Hinsicht einiges getan. Der Rechtsanwalt Jasper Schedensack gibt im Gastbeitrag einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen. 

Autor: Dr. Jasper Schedensack

Von Anfang an war Crowdinvesting ein Phänomen, bei dem die tatsächliche Praxis eng mit der Entwicklung des rechtlichen Rahmens verwoben war. Die ersten Formen des Crowdinvestings entwickelten sich gerade in bestehenden Regulierungslücken. Dann verankerte der Gesetzgeber in enger Abstimmung mit den beteiligten Stakeholdern und unter Auswertung wissenschaftlicher Erkenntnisse 2015 mit Erlass des Kleinanlegerschutzgesetzes die „Schwarmfinanzierung“ in § 2a des Vermögensanlagengesetzes.

Mit kürzerer Ankündigungsfrist und daher von weniger stark wahrnehmbaren Diskussionen begleitet gab es auch dieses Jahr wieder zwei Gesetzgebungsvorhaben, die durchaus nachhaltige Anstöße für neue Entwicklungen im Bereich des Crowdinvestings geben könnten. Die Rede ist vom bereits in Kraft getretenen Gesetz zur Ausübung von Optionen der EU-Prospektverordnung und dem auf europäischer Ebene derzeit mitten im Gesetzgebungsverfahren befindlichen Entwurf einer Verordnung über Europäische Crowdfunding-Dienstleister für Unternehmen.

 

Endlich – Crowdinvesting mit Wertpapieren

Im Juli diesen Jahres fügte der deutsche Gesetzgeber die §§ 3a bis 3c in das Wertpapierprospektgesetz ein. Dabei handelte es sich zwar um eine rein nationale Maßnahme. Der Hintergrund war freilich europäisch: Der Gesetzgeber musste nämlich das Wertpapierprospektrecht, welches im Gegensatz zum seit jeher rein national geregelten Vermögensanlagenrecht europäisch seit Langem weitgehend harmonisiert ist, an die neue europäische Prospektverordnung anpassen. Ab Sommer 2019 wird die Prospektverordnung vollumfänglich gelten und das Recht der Wertpapierprospekte in der gesamten EU auf eine neue Basis stellen. Weil einige ihrer Regelungen, die den Mitgliedsstaaten nationalen Spielraum bei der Gestaltung von Ausnahmen von der Prospektpflicht einräumen, schon seit Juli diesen Jahres gelten, war es am deutschen Gesetzgeber, den insoweit bestehenden Umsetzungsspielraum gesetzlich auszufüllen.

Mit dem „Gesetz zur Ausübung von Optionen der EU-Prospektverordnung und zur Anpassung weiterer Finanzmarktgesetze“ hat der Gesetzgeber die europarechtlich bestehenden Spielräume weitgehend ausgeschöpft und insbesondere – im Vergleich zur bisherigen Rechtslage: großzügige – Ausnahmen von der Prospektpflicht vorgesehen. Während bisher öffentliche Angebote von Wertpapieren ab einem Volumen von über 100.000 Euro regulär prospektpflichtig waren, gelten Ausnahmen von der Prospektpflicht nunmehr bis zum Emissionsvolumen von 8 Mio. Euro. Unterhalb dieser Grenze besteht ein dreifach abgestuftes Pflichtensystem:

  • Emissionen bis zum Gesamtvolumen von 100.000 Euro (zu berechnen über einen Zeitraum von zwölf Monaten) sind wie bisher vollständig von der Emissionsregulierung ausgenommen. Das ist auch sinnvoll. Bei solchen Kleinstemissionen wären schon kleinste Anforderungen unverhältnismäßig. Die praktische Bedeutung solcher Emissionen ist jedenfalls im Wertpapierbereich ohnehin gering, schon allein weil die Abwicklungskosten in der Regel so hoch sind, dass sich derartig kleine Emissionen nicht lohnen.
  • Bei Emissionen mit einem Volumen zwischen 100.000 Euro und 1 Mio. Euro muss zwar kein Prospekt, aber ein Wertpapier-Informationsblatt (WIB) angefertigt werden. Die Regelung des WIBs lehnt sich an das bereits aus dem Vermögensanlagenrecht bekannte Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB) an, mit dem Crowdinvestoren bereits vertraut sind. Das WIB soll die Anleger wie das VIB übersichtlich auf bis zu drei Seiten über die wesentlichen Parameter der Emission und die wichtigsten Risiken informieren.
  • Schließlich gilt für Emissionen mit einem Volumen zwischen 1 Mio. Euro und 8 Mio. Euro ein noch strengeres Pflichtenprogramm, wenn der Emittent auf die Erstellung eines Prospekts verzichten will. Neben der Veröffentlichung des WIBs ist hier verpflichtend vorgeschrieben, dass diese Emissionen nicht als Eigenemission vertrieben werden dürfen. Vielmehr müssen sie über ein Wertpapierdienstleistungsunternehmen im Wege der Anlageberatung oder Anlagevermittlung vermittelt werden. Im Unterschied zur Regelung der Schwarmfinanzierung im Vermögensanlagengesetz muss es sich bei dem vermittelnden Unternehmen nicht zwangsläufig um eine Internetplattform handeln. Auch der Offline-Vertrieb von Wertpapieren ist also insofern privilegiert. Trotzdem waren natürlich typische Crowdinvesting-Plattformen Prototypen für das Konzept des Gesetzgebers. Bei Emissionen zwischen 1 und 8 Mio. Euro gelten schließlich für Kleinanleger die Crowdfinanzierern bereits bekannten Zeichnungsgrenzen, nach denen für Kleinanleger spätestens bei einer Beteiligung von 10.000 Euro Schluss ist. Im Unterschied zum Crowdinvesting-Regime im Vermögensanlagenrecht, wo derzeit nur Kapitalgesellschaften von den Zeichnungsgrenzen ausgenommen sind, sind im neuen Wertpapierrecht sogenannte qualifizierte Anleger von den Zeichnungsgrenzen befreit.

Durch diese Maßnahmen hat der Gesetzgeber ein Crowdinvesting-Regime, wie es bisher nur für Vermögensanlagen bestand, auch im Wertpapierrecht verankert. Dieser Schritt war insofern überfällig, als sich die Wissenschaft weitgehend einig ist, dass Wertpapieremissionen aus Sicht des Anlegerschutzes sogar Vorteile bieten können. Bisher hat das Recht hier eine unerwünschte Steuerungswirkung entfaltet. Denn die vorteilhaften Prospektausnahmen im Vermögensanlagenrecht haben selbst diejenigen Projekte, für die sich grundsätzlich auch eine Wertpapieremission eignen würde, ins Vermögensanlagenrecht abgedrängt.

Zu den möglichen Vorteilen von Wertpapieremissionen für Anleger zählt etwa die Möglichkeit, an Aktiengesellschaften echtes Eigenkapital zu erwerben. Zugegeben – wenige Startups nutzen die Rechtsform der Aktiengesellschaft, und auch für die verbreiteten Immobilienfinanzierungen eignet sich diese Rechtsform eher selten. Trotzdem war schon bisher kein Grund ersichtlich, solche Emissionen zu untersagen. Und in der Tat sieht man bspw. an der kürzlich durchgeführten Finanzierung des Start-Ups Ameria auf Companisto, dass sich eine Aktienfinanzierung durchaus einmal eignen kann.

Neben der Möglichkeit, Aktien zu emittieren, bieten die neuen Regelungen im Wertpapierrecht aber noch weitere Vorteile. Mit der nun möglichen Emission von verbrieften Schuldverschreibungen kommt aufgrund einer bankrechtlichen Sonderregelung nämlich auch das Angebot von nichtnachrangigen Papieren in Betracht. Auch hier gilt zwar wieder, dass die typischen Mezzanine-Finanzierungen von Startups und Immobilienprojektgesellschaften, wie sie derzeit am Crowdinvesting-Markt häufig anzutreffen sind, gerade den Rangrücktritt der Investoren voraussetzen. Es gibt aber auch Finanzierungen, bei denen diese Nachrangigkeit nicht zwingend gewünscht ist. Bisher mussten die Ansprüche der Investoren auf Rück- und Zinszahlung jedoch auch in diesen Fällen aufgrund aufsichtsrechtlicher Gegebenheiten nachrangig ausgestaltet werden. Auch hier hat das bisherige Recht also eine unerwünschte Steuerungswirkung entfaltet, die nunmehr jedenfalls für Wertpapieremittenten zugunsten einer Wahlmöglichkeit eliminiert wird.

Interessant ist die Möglichkeit der Emission nichtnachrangiger Wertpapiere erst recht, weil in letzter Zeit einzelne Gerichte – außerhalb von Crowdinvestment-Konstellationen – die Zulässigkeit der Vereinbarung der auch im Vermögensanlagenrecht typischen Nachrangklauseln mit einem sog. „qualifizierten Rangrücktritt“ per AGB in Zweifel zogen. Gegen entsprechende Zweifel gibt es zwar jedenfalls bei Crowdfinanzierungen gute Argumente. Schließlich hat der Gesetzgeber mit dem Kleinanlegerschutzgesetz gerade die Emission von Nachrangdarlehen privilegiert und damit implizit die AGB-mäßige Vereinbarung eines qualifizierten Rangrücktritts auch bei Produkten für Kleinanleger gebilligt (Eine ausführliche Argumentation hierzu findet sich bei Schedensack, Crowdinvesting, Duncker & Humblot 2018, S.  263 ff. ). Ob diese Argumente auch den Bundesgerichtshof überzeugen, ist allerdings einstweilen unklar, so dass für alle Beteiligten gegenwärtig eine gewisse Rechtsunsicherheit besteht, wenn weiterhin Nachrangdarlehen emittiert werden.

 

Verordnung über Europäische Crowdfunding-Dienstleister für Unternehmen

Die zweite hier zu diskutierende Rechtsentwicklung ist genuin europäisch. Im März hat die Europäische Kommission einen Vorschlag für eine eigene europäische Crowdfunding-Regulierung als Teil des FinTech-Aktionsplans vorgelegt. Seit Anfang November sind auch die Änderungsvorschläge des federführenden Ausschusses des Europäischen Parlaments bekannt, welche die Grundlage für die parlamentarische Beratung bilden.

Die „Verordnung über Europäische Crowdfunding-Dienstleister für Unternehmen“ erfasst sowohl das Crowdinvesting als auch Formen der Kreditfinanzierung für Unternehmen, die häufig zum Crowdlending gezählt werden. Regulierungstechnisch setzt der Kommissionsvorschlag bei den Plattformen als Intermediären an. Das ist konsequent, hat sich doch bereits früh die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Plattformen als Gate-Keeper wichtige Schutzfunktionen erfüllen.

Kern der Regulierung ist die Schaffung einer eigenen Zulassung für Plattformen als „European Crowdfunding Service Provider“ (ECSP). Crowdinvesting-Plattformen sollen mit dieser europäischen Zulassung europaweit Crowdfunding-Dienstleistungen erbringen können, ohne der MiFID II bzw. den entsprechenden umsetzenden nationalen Regelungen zu unterliegen. Dabei erfasst der Verordnungsentwurf als zulässige Crowdfunding-Dienstleistungen sowohl die Anlagevermittlung und das Platzierungsgeschäft in Bezug auf übertragbare Wertpapiere als auch die Vermittlung von Krediten. Nach den Änderungsvorschlägen des Ausschusses für Wirtschaft und Währung soll auch die Anlageberatung von der Erlaubnis erfasst sein.

Der europäische Gesetzgeber will mit der ECSP-Verordnung aber kein zwingendes Rechtskorsett für alle Crowdinvesting-Plattformen vorgeben. Er will vielmehr ein zusätzliches Regime zur Verfügung stellen. Plattformen, welche die Vorteile des ECSP-Regimes nicht nutzen wollen, etwa weil sie ohnehin rein national operieren wollen oder mit Lizenz als Finanzdienstleistungsinstitut bereits als voll MiFID II-reguliertes Unternehmen europaweit tätig werden, können dies weiterhin tun.

Welches Regulierungssystem sich für eine Plattform anbietet, muss sie anhand ihres Businesskonzeptes selbst beurteilen. Vorteilhaft am ECSP-Regime ist natürlich vor allem die Möglichkeit, europaweit Anleger zu akquirieren. Kritisch ist aus Sicht der Plattformen hingegen unter anderem das bürokratische Antragsverfahren zu beurteilen. Im Verhältnis zur Erlangung einer Erlaubnis als Finanzdienstleistungsinstitut nach § 32 KWG ist der Pflichtenkanon zwar abgespeckt. Gegenüber den schlanken Strukturen der in Deutschland gewerberechtlich erlaubten Vermögensanlagenvermittlung nach § 34f GewO müssen die Plattformen im Erlaubnisverfahren jedoch deutlich umfassender die getroffenen organisatorischen Voraussetzungen und Vorkehrungen darlegen.

Durch diese im Erlaubnisverfahren nachzuweisenden organisatorischen Maßnahmen will der Verordnungsgeber ausreichenden Anlegerschutz sicherstellen. Zu den wichtigsten Maßnahmen des Anlegerschutzes im neuen Regime sollen daneben vor allem eine Geeignetheitsprüfung und ein höchstens sechsseitiges Basisinformationsblatt (Änderungsvorschlag des federführenden Ausschusses im EU-Parlament: höchstens dreiseitig) gehören. Anders als das deutsche VIB muss die Veröffentlichung des Basisinformationsblatts ausweislich des Verordnungsentwurfs nicht behördlich gestattet werden. Der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss regte allerdings an, über eine Prüfungs- und Gestattungspflicht nachzudenken.

Einer der größten Kritikpunkte am ursprünglichen Verordnungsentwurf aus Sicht der Crowdinvesting-Plattformen könnte sich bald erledigen. Während die Kommission den ECSP nur gestatten wollte, Emissionen bis zu 1 Mio. Euro zu platzieren, sieht der Entwurf des federführenden Ausschusses im Parlament nun eine Erhöhung dieser Schwelle auf 8 Mio. Euro vor. In der Tat ist die Schwelle von 1 Mio. Euro niedrig gewählt, da unklar ist, ob die Plattformen auf Dauer mit solchen Emissionen genügend Einnahmen erzielen können, um ihre Kosten zu decken. Mit dem Vorschlag zur Erhöhung ist allerdings der völlige Gleichlauf zur EU-Prospektverordnung aufgehoben, nach der prospektfreie Emissionen europaweit nur unterhalb von 1 Mio. Euro möglich sind. Da viele Mitgliedsstaaten jedoch ohnehin im Rahmen der erwähnten, von der europäischen Prospektverordnung offen gelassenen Gestaltungsspielräume weitergehende Ausnahmeregelungen etablieren, dürfte sich faktisch ein weitgehender Gleichlauf einstellen.

Insgesamt wirkt der Verordnungsentwurf nach Berücksichtigung der Änderungsvorschläge des Ausschusses für Wirtschaft und Währung deutlich ausgereifter. Dazu trägt auch bei, dass die ursprünglich unmittelbar der ESMA zugewiesene Aufsicht über die ECSP nunmehr den national zuständigen Aufsichtsbehörden obliegen soll. Der Nachteil uneinheitlicher Rechtsanwendung dürfte durch die größere Erfahrung der nationalen Behörden wieder wett gemacht werden. Glücklicherweise wurde im Parlamentsentwurf auch das – bereits im deutschen vermögensanlagenrechtlichen Regime verfehlte – Verbot der Beteiligung der Plattform an den über sie vermittelten Angeboten eingeschränkt. Wenn sich die Plattform an den von ihr vermittelten Emissionen beteiligt, kann dadurch nämlich unter Umständen gerade ein Interessengleichlauf mit den Anlegern hergestellt werden, was unter Anlegerschutzgesichtspunkten wünschenswert ist. Schließlich wurde die zunächst vom Berichterstatter des Ausschusses vorgeschlagene Einbeziehung von ICOs in den Beratungen des Ausschusses wieder verworfen. In der Tat erscheint es vorzugswürdig, statt vorschneller Partikularregelungen bezüglich ICOs einen ganzheitlichen Regulierungsansatz zu verfolgen.
 

Crowdinvesting 2019

Die weitere Entwicklung 2019 bleibt also spannend. Es wird sich zeigen, inwieweit die ECSP-Verordnung im Laufe des Gesetzgebungsverfahrens noch weiteren Änderungen unterworfen wird. Nicht nur der deutsche Bundesrat kritisierte etwa, dass die Anlegerschutzmaßnahmen im Verordnungsentwurfs nicht ausreichend sind, und forderte, die in vielen Rechtsordnungen anerkannten Zeichnungsgrenzen auch für ECSP einzuführen. Die Plattformen werden jedoch noch einige Zeit haben, sich darauf einzustellen: Mit einem Inkrafttreten der Verordnung ist kaum vor Ende 2019 zu rechnen.

Spannend wird auch sein zu verfolgen, wie die Marktakteure die ihnen im Wertpapierrecht nun offenstehenden neuen rechtlichen Spielräume nutzen werden. Insbesondere die starke Anhebung der Prospektschwelle für Wertpapieremissionen auf 8 Mio. Euro lässt erwarten, dass sich hier neue Finanzierungsmechanismen herausbilden. Zwar sind Wertpapieremissionen aufgrund der Verbriefung regelmäßig teurer als Emissionen von Vermögensanlagen und die Plattformen benötigen die im Vergleich zur Gewerbeerlaubnis teurere KWG-Lizenz oder müssen unter ein kostspieliges Haftungsdach schlüpfen. Mit Emissionsvolumina bis 8 Mio. Euro lassen sich jedoch erhebliche Provisionsumsätze generieren, so dass den höheren Kosten auch höhere Verdienstmöglichkeiten entgegenstehen, wenn sich ausreichend geeignete Emittenten bei den Plattformen bewerben. Jedenfalls das Argument des seit MiFID II erhöhten Pflichtenprogramms für Wertpapiervermittler, das prima facie für die gewerberechtliche Zulassung als Finanzanlagenvermittler spricht, dürfte für die Plattformen in Zukunft an Gewicht verlieren. Denn nach dem kürzlich veröffentlichten Entwurf der Zweiten Verordnung zur Änderung der Finanzanlagen-Vermittlerverordnung wird das Pflichtenprogramm auch für nach der Gewerbeordnung zugelassene Vermittler von Vermögensanlagen demnächst erhöht.

 

Zum Autor Dr. Jasper Schedensack

Der Autor Jasper Schedensack ist Rechtsanwalt bei Lindemann Schwennicke & Partner in Berlin. In seiner Dissertation „Crowdinvesting. Phänomen – Rechtsbeziehungen – Regulierung“, die im September 2018 bei Duncker & Humblot erschienen ist, hat er die rechtlichen Hintergründe des Crowdinvestings umfassend aufgearbeitet und nimmt auch zu den hier erläuterten Gesetzgebungsakten Stellung. Lindemann Schwennicke & Partner ist eine auf Bank- und Kapitalmarktrecht spezialisierte Kanzlei und berät zahlreiche Crowdinvesting-Plattformen im In- und Ausland.

Weitere Informationen
> Crowdinvesting Buch, Duncker & Humblot
> www.lspartner.de

 

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„15 Prozent Rendite mit Startups-Crowdinvestments“ – Seedmatch Fundingindex 2018 https://www.crowdfunding.de/15-prozent-rendite-mit-startups-crowdinvestments-seedmatch-fundingindex-2018/ https://www.crowdfunding.de/15-prozent-rendite-mit-startups-crowdinvestments-seedmatch-fundingindex-2018/#comments Thu, 06 Dec 2018 10:10:02 +0000 https://www.crowdfunding.de/?p=1575648 „Crowdinvesting – das nächste große Ding“, so titelte Die Zeit im Jahr […]

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Crowdinvesting – das nächste große Ding“, so titelte Die Zeit im Jahr 2013. Vier Jahre später hieß es dann beim Online-Magazin GründerszeneAus der Traum – Crowdinvesting in der Krise“. Jetzt hat die Plattform Seedmatch ein Studienergebnis mit der Überschrift „15 Prozent Rendite mit Startups-Crowdinvestments“ veröffentlicht.

Was ist los im Markt für Startup-Crowdinvesting? Resterampe für Pleitekandidaten oder Renditebringer in Niedrigzinszeiten? Eine kurze Einordung.

 

Marktentwicklung

Nachdem sich der Markt für Startup-Crowdinvesting in den Jahren 2011 bis 2013 rasant entwickelt hat, bewegt sich das jährliche Marktvolumen seitdem recht konstant bei 15 Millionen Euro. Das Nicht-Wachstum und eine Häufung von Startup-Pleiten im Jahr 2017 führten zu einer Welle negativer Medienberichte. In dem Artikel „Ist der Startup am Ende?“ haben wir damals unsere Sicht auf die Dinge dargelegt.

 

Seedmatch mit neuer Performance-Analyse

Jetzt, Ende 2018, hat Seedmatch eine neue Untersuchung veröffentlicht, die zu dem Ergebnis kommt, dass mit Crowdinvesting in Startups eine Rendite von 15 Prozent p. a. nach CAGR (Compound Annual Growth Rate) erreicht werden kann.

In den letzten Jahren gab es schon verschiedene Performance-Analysen zum Startup-Crowdinvesting:

Die neue Seedmatch-Studie basiert auf einem wissenschaftlichen Forschungsprojekt der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Dafür wurde die Entwicklung der zwischen 2011 und 2014 auf Seedmatch finanzierten Startups untersucht, insgesamt 57 Unternehmen in 68 Finanzierungsrunden. Stichtag für die Renditeberechnung ist der 31. Dezember 2017.

Seedmatch-Geschäftsführer Johannes Ranscht erklärt zur Studie: „Crowdinvesting in junge Unternehmen stand schon häufig in der Kritik – insbesondere, wenn ein schwarmfinanziertes Startup Insolvenz anmelden musste. Da es häufig die negativen Beispiele sind, die in Erinnerung bleiben, wollten wir herausfinden, wie sich Crowdinvestments in Startups tatsächlich schlagen.”

 – PDF- Download der Studie „Seedmatch – Fundingindex 2018“ – 

 

Was uns bei der Seedmatch-Studie auffällt

Die Methodik der Untersuchung wird in dem 52 Seiten starken Report ausführlich erklärt. Es wird deutlich, dass die Studienautoren viel Wert daraufgelegt haben, die „15%-Rendite-Aussage“ auf ein möglichst belastbares Fundament zu stellen. Falls mehrere Möglichkeiten zur Bewertung und Berechnung einzelner Faktoren möglich waren, wurde oftmals ein konservativer Ansatz gewählt. Auch dass der Report auf einem wissenschaftlichen Forschungsprojekt aufgebaut wurde und eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft die Ergebnisse untersucht hat, spricht für die Analyse.

Dennoch sind uns beim Lesen des Reports ein paar Punkte aufgefallen, die wir für die Einordnung der Ergebnisse und der „15%-Rendite-Aussage“ für nicht ganz unwichtig halten.

Realisierung der Renditen
Die Renditeberechnung basiert unter anderem auf den Leistungsdaten der finanzierten Startups zum Stichtag 31. Dezember 2017. Das heißt, dass in die Berechnung auch hypothetische Renditen eingeflossen sind. Inwieweit diese Renditen tatsächlich realisiert werden, hängt also von der weiteren Entwicklung der noch aktiven Startups ab und davon, ob diese, bei Kündigung der Investmentverträge, tatsächlich in der Lage sind, die Crowdinvestoren auszubezahlen.

Transparenz?
„Ohne Schönrechnerei, ergebnisoffen und transparent nachvollziehbar“, so sind die Studienautoren nach eigenen Angaben angetreten, um die Seedmatch-Renditen zu berechnen (S. 45). Während das Studiendesign nachvollziehbar erklärt wird, werden leider keine Details zu den verschiedenen Finanzierungsrunden veröffentlicht. Dies liegt vermutlich darin begründet, dass ein Teil der sehr erfolgreichen Startups keine Rendite-Details an die Öffentlichkeit geben will. Eine wirklich transparente Nachvollziehbarkeit auf Ebene der einzelnen Finanzierungsrunden ist so aber leider nicht gegeben.

Wachstum?
Auf Seite 24 heißt es „… deutlicher Anstieg an Investoren, Investments und eingeworbenem Kapital“. Hier müssen all die Leser aufpassen, die nur Überschriften lesen: Die Aussage aus dem Report aus dem Jahr 2018 bezieht sich auf den Zeitraum 2011 bis 2014 und nicht auf die gegenwärtige Entwicklung.

Gleichgewichtete Berechnung
Die Berechnung der Rendite beruht auf der Annahme, dass in jede Kampagne im Untersuchungszeitraum ein Investment in gleicher Höhe getätigt wurde. Ein solche Vorgehensweise kann man sicherlich gut begründen. Dennoch sollten sich Leser darüber im Klaren sein, dass der in der Studie zum Vergleich herangezogene DAX einer anderen Berechnungsgrundlage folgt (S. 3: „Der DAX schaffte es im selben Zeitraum auf 13,4 Prozent Rendite p. a.“). Beim DAX werden die Aktienkurse der ausgewählten börsennotierten Gesellschaften nach ihrer Marktkapitalisierung gewichtet.
Würde man bei der Berechnung der Startup-Renditen eine Gewichtung vornehmen, wieviel Crowd-Gelder jeweils in die verschiedenen Startups investiert wurden, würde sich vermutlich ein anderes Bild zeigen. Denn im Gesamtmarkt sind von den 92,3 Millionen Euro, die die Crowd bislang in deutsche Startups investiert hat, rund 25 Prozent ausgefallen oder stark ausfallgefährdet (Quelle: CROWDINVEST.DE Erfolgsmonitor, Stand 06.12.18). Es ist nicht davon auszugehen, dass diese „versenkten“ 22,7 Millionen Euro bislang durch erzielte Renditen überkompensiert wurden.

 

Resümee

Die Ergebnisse des Reports liefern – trotz der angesprochenen Kritikpunkte – ein beeindruckendes Gegengewicht zu dem Bild, das in den letzten Jahren in der Öffentlichkeit zu Startup-Crowdinvestments vorherrschte. Denn nach der anfänglichen Euphorie über Funding-Rekorde dominierten in den letzten Jahren Negativschlagzeilen zu Startup-Pleiten und Abgesänge auf den Markt.

Die Entwicklung folgt damit gewissermaßen dem Hype-Cycle nach Gartner. Dieser stellt die Phasen der öffentlichen Aufmerksamkeit dar, die eine neue Technologie (hier: neues Finanzierungsprinzip) nach der Einführung durchläuft.

In diesem Zusammenhang stellen sich also die Fragen, in welcher Entwicklungsphase sich der Startup-Crowdinvesting-Markt aktuell befindet und welchen Einfluss die „15%-Rendite-Aussage“ auf die öffentliche Wahrnehmung haben wird.

 

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Gemeinsam bezahlbare Räume schaffen https://www.crowdfunding.de/gemeinsam-bezahlbare-raeume-schaffen/ https://www.crowdfunding.de/gemeinsam-bezahlbare-raeume-schaffen/#respond Thu, 06 Dec 2018 08:44:45 +0000 https://www.crowdfunding.de/?p=1575106 Im teuren Hamburg günstig Immobilien nutzen – wie das geht, zeigt der […]

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Im teuren Hamburg günstig Immobilien nutzen – wie das geht, zeigt der Handwerkerhof Ottensen. Unterstützt wird das Projekt von der Crowd und von einem Verbund, der leistet, woran die Politik scheitert: Er hilft, Objekte dem freien Markt zu entziehen, und sichert so bezahlbaren Wohn- und Gewerberaum für die nächste Generation.

Text: Swantje Friedrich

Jeden Menschen und jeden Hund, der ihm über den Weg läuft, grüßt Hans von Bülow mit Namen. Er nutzt den Rundgang über den Handwerkerhof für kurze Gespräche, öffnet jede Tür der 15 Büroräume und Werkstätten, führt durch Polster-, Tischler- und Glasereien. Im zweiten Obergeschoss hat ein Gitarrenbauer seinen Sitz. Bülow kennt seine Arbeitsabläufe genau, weiß, wie lange es dauert, ein Instrument zu bauen. Noch besser aber kennt er sich mit der Beschaffenheit des Gebäudes aus, erklärt dem Besuch jede bauliche Besonderheit im Vorbeigehen. Von Bülow ist Bauberater, sein Büro liegt im dritten Stock. Und er ist einer von zwei Geschäftsführern des Handwerkerhofs Ottensen.

Syndikatsmitglied Hans von Bülow

Ottensen, der Hamburger Stadtteil ist für Hipster-Bars, Theater und teure Boutiquen bekannt. Und für hohe Mieten: Der durchschnittliche Quadratmeterpreis für Mietwohnungen liegt zurzeit bei etwa 15 Euro. Im Handwerkerhof sind es 8,60 Euro für die Produktionsflächen und 13.60 Euro für die Büroflächen. „Doch dahin war es ein langer Weg“, sagt von Bülow. Wissend, dass kleine und mittlere Handwerksbetriebe in Hamburg kaum noch bezahlbaren Gewerberaum finden, schloss er sich 2012 mit anderen Betrieben zusammen, um ein „selbstverwaltetes Zentrum des Handwerks“ zu bauen. Sie gründeten den Verein Handwerkerhof Ottensen und bewarben sich um den Kauf einer städtischen Fläche, die seit mehr als dreißig Jahren brachlag. Mit ihrem Konzept überzeugten sie die Stadt und wurden als eines der ersten gewerblichen Projekte Teil eines Verbundes, der in Freiburg im Breisgau seinen Sitz hat und schwerpunktmäßig Wohnprojekte unterstützt: das Mietshäuser Syndikat.

Ursprünglich aus dem politisch linken Spektrum kommend, berät das Netzwerk Gruppen, die Häuser kaufen und selbst verwalten wollen. Auch von Bülow ist als einer von bundesweit 70 ehrenamtlichen Beratern aktiv, denn mit Projekten aller Art kennt er sich bestens aus: Er selbst wohnt in einem Hausprojekt, das ebenfalls Teil des Mietshäuser Syndikats ist – so kam er auf die Idee, das Modell auch gewerblich zu nutzen.

Dauerhaft günstig wohnen

„Der Kerngedanke ist es, Wohn- oder Gewerberaum zu bezahlbaren Preisen zu erstellen oder zu erhalten, auch für die nächste Generation“, beschreibt von Bülow das Prinzip. Die Mitglieder haben dauerhaftes Wohnrecht und konstant günstige Mieten, viel Eigenkapitalanteil ist dafür jedoch nicht nötig. Beim Handwerkehof etwa liegt die Beitrittsschwelle zwischen 1.000 und 5.000 Euro je Gewerbebetrieb, bei Wohnprojekten meist in Höhe einer Kaution.

Yvonne Rokita in ihrer Polsterwerkstatt

Finanziert werden die Immobilien durch Direktkredite von Privatpersonen aus dem Bekanntenkreis der Hausgemeinschaft und von Menschen, die das Anliegen unterstützenswert finden. Diese Kredite dienen als Eigenkapitalersatz und sind immens wichtig: Nur wenn rund ein Drittel der Verkaufs- und Investitionssumme vorhanden ist, sind Banken bereit, größere Darlehen zu vergeben. Jedes Hausprojekt gründet eine GmbH, der die Immobilie gehört, das hat seine Vor- und Nachteile, erklärt von Bülow: „Es gibt kein individuelles Eigentum, wenn jemand auszieht, zieht er aus ¬– dann ist der Platz für den Nächsten da.“ Allerdings haben die ehemaligen Bewohner auch keine Verpflichtungen mehr.

Es gibt zwei Gesellschafter: den aus der Hausgemeinschaft bestehenden Verein und das Mietshäuser Syndikat. Die einzelnen Projekte agieren autonom, etwa entscheiden sie, wer einzieht und welche Sanierungen gemacht werden. Nicht aber bei Verkaufsfragen, hier hat das Syndikat ein Vetorecht und kann verhindern, dass das Objekt jemals wieder verkauft wird. Einmal in den Verbund aufgenommen, sind die Häuser in der Regel auf dem freien Markt nicht mehr verfügbar.

Dass das Modell ankommt, erlebt von Bülow in seiner Beratertätigkeit, denn die Anfragen steigen kontinuierlich. Etwa von Menschen, die erfahren, dass das Haus, in dem sie wohnen, verkauft werden soll. In Deutschland wurden bisher 135 dieser Syndikatsprojekte realisiert, 22 Initiativen befinden sich in der Umsetzungsphase. „Wir erhalten auch immer mehr Anfragen aus dem Ausland“, erzählt Jochen Schmidt, der schon lange aktives Mitglied in dem Verbund ist. Projekte im gewerblichen Bereich wie der Handwerkerhof sind zurzeit noch die Ausnahme.

Auf ihren regelmäßig stattfindenden Versammlungen entscheiden die Syndikatsmitglieder – rund 1.000 sind es aktuell –, welche Projekte aufgenommen werden. Damit es klappt, braucht es gute Konzepte und einen überzeugenden Finanzierungsplan. Denn der Verbund zahlt zwar als Anschubfinanzierung 12.400 Euro, was in etwa 50 Prozent des Stammkapitals für die GmbH entspricht, ansonsten übernimmt er die Finanzierung in den meisten Fällen jedoch nicht.

Ideeller Wert statt Profit

Dies geschieht über die Direktkredite von Freunden, Bekannten und Sympathisanten der Projektgruppe, die selbst entscheiden können, welchen Betrag sie für einen bestimmten Zeitraum zur Verfügung stellen – und auch die Zinshöhe zwischen null und zwei Prozent wird individuell festgelegt. „Die wenigsten Leute legen das Geld an, um eine gute Rendite zu erzielen“, weiß von Bülow. Manche verzichten auch komplett darauf, „da ist es eher eine ideelle Anlage“.

Das Einwerben der Kredite finde meist ganz klassisch über E-Mail, direkte Ansprache und Öffentlichkeitsarbeit statt, selten bisher über Crowdfunding-Plattformen. Aber: Die Anlage ist nicht ohne Risiko. Die Direktkredite werden von den Banken als Eigenkapital anerkannt, da sie im Fall einer Insolvenz nachrangig zu Bankkrediten bedient werden. Eine Rückzahlung der Direktdarlehen kann also nur gefordert werden, wenn dies keine Insolvenz verursacht. Bisher allerdings wurden wenige Anleger enttäuscht: Nur ein Projekt scheiterte, 2010 war das. „Um das Risiko gering zu halten, raten wir dazu, kleinere Beträge zu geben und diese auf verschiedene Projekte zu verteilen“, sagt Jochen Schmidt vom Syndikat.

Der Handwerkerhof ist ein Gemeinschaftsprojekt

Über die Miete werden die Kredite schließlich abgezahlt. Zusätzlich entrichten die Projekte einen Solidarbeitrag an das Syndikat, mit dem neue Gruppen unterstützt werden, etwa durch den Beitrag zum Stammkapital. Jede Gruppe, die bereits ein Haus gekauft hat, beginnt mit einem Betrag von 10 Cent je Quadratmeter Nutzfläche im Monat, der jährlich um 0,5 Prozent der Vorjahreskaltmiete ansteigt. Wenn die Miete mehr als 80 Prozent der ortsüblichen Miete beträgt, kann die Steigerung des Solidarbeitrags ausgesetzt werden. Neben dem finanziellen Support spielt in dem Netzwerk der Wissenstransfer von alten zu neuen Projekten eine wesentliche Rolle.

Ist ein Hausprojekt schuldenfrei, werden die Mieten tendenziell günstiger, ohne allerdings auf die bloßen Betriebskosten zu sinken. Die Finanzierung der Projekte ist häufig auf einen sehr langen Zeitraum angelegt, in dem Sanierungs- und Modernisierungskosten anfallen. Und schließlich erhöht sich auch der Solidarbeitrag. „Es geht ja nicht darum, dass die Leute irgendwann umsonst wohnen“, sagt von Bülow. „Sondern darum, möglichst vielen Leuten bezahlbares Wohnen zu ermöglichen.“

Eben dieser Aspekt ist aber der Knackpunkt – fehlt es doch vor allem in Großstädten an geeigneten Immobilien. Auf der Suche nach einer neuen Heimat suchen viele Gruppen jahrelang, oftmals vergebens. Steht ein Mietshaus zum Verkauf, ist es für die Bewohner häufig unmöglich, in kurzer Zeit die nötige Eigenkapitalquote aufzubringen. „Und will man günstig bauen, bleiben nur die städtischen Grundstücke“, so der Berater. „Wenn überhaupt, ist die Realisierung von neuen Projekten meistens nur über den städtischen Weg mit den entsprechenden Förderungen möglich.“

In manchen Bundesländern werden jedoch nur Genossenschaften gefördert – eine Rechtsform, die sich mit dem Syndikatsmodell nicht vereinbaren lässt. Von Bülow sieht aber Chancen, dass sich die Lage aufgrund des zunehmenden Ansehens des Syndikats bald ein wenig ändern könnte. Angesichts der Missstände in der Wohnungspolitik könne sein Verbund sowieso nur im kleinen Rahmen helfen, stellt Mitstreiter Jochen Schmidt fest. „Es wäre wünschenswert, wenn die Kommunen mehr Bauflächen für Syndikatsprojekte ausweisen würden, statt sie an die Höchstbietenden zu verscherbeln.“

 

Fotos

Alle Fotos von Verena Maaß

 

Weitere Informationen:
www.handwerkerhof-ottensen.de
www.syndikat.org/de

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Crowdfunding Adventskalender 2018 https://www.crowdfunding.de/crowdfunding-adventskalender-2018/ https://www.crowdfunding.de/crowdfunding-adventskalender-2018/#respond Sat, 01 Dec 2018 19:40:30 +0000 https://www.crowdfunding.de/?p=1572584 Im Adventskalender von crowdfunding.de öffnet sich von 1. bis zum 24. Dezember […]

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Im Adventskalender von crowdfunding.de öffnet sich von 1. bis zum 24. Dezember täglich ein neues Türchen. Jeden Tag wird ein aktuelles Crowdfunding-Projekt vorgestellt: innovatives, soziales, inspiratives und kurioses.

Hinweis: Eine Gewähr dafür, dass die Projektstarter die Projekte tatsächlich wie angekündigt umsetzen, kann crowdfunding.de nicht übernehmen.

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European Crowdfunding: Zukunft oder Hirngespinst? – Bericht von der ECN CrowdCon 2018 https://www.crowdfunding.de/european-crowdfunding-zukunft-oder-hirngespinst/ https://www.crowdfunding.de/european-crowdfunding-zukunft-oder-hirngespinst/#respond Thu, 01 Nov 2018 09:00:19 +0000 https://www.crowdfunding.de/?p=1550708 Auf der „7. ECN Crowdfunding Convention“ des European Crowdfunding Network´s (ECN) diskutieren […]

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Auf der „7. ECN Crowdfunding Convention“ des European Crowdfunding Network´s (ECN) diskutieren über 100 Teilnehmer aus verschiedenen europäischen Ländern über die Zukunft des Crowdfunding’s in der EU. Im Gastbeitrag berichtet Sebastian Helmrich wie sich die regulatorische Zukunft von Crowdfunding-Anbietern in der EU entwickeln könnte. 

Autor: Sebastian Helmrich

Bereits zum 7. Mal fand die ECN CrowdCon, ein Event des European Crowdfunding Networks in Brüssel statt. Der Fokus der ECN-Konferenz liegt auf dem Kommissionsvorschlag einer EU-Crowdfunding-Verordnung. Ganz nach dem Banner-Motto „Building a Pan-European Crowdfunding Ecosystem: Defining the Future of European Crowdfunding Service Providers” diskutieren die Teilnehmer den Vorschlag einer Crowdfunding-Verordnung, deren Schwachstellen und Stellschrauben sowie mögliche Anpassungen. Neben Vertretern der Europäischen Kommission, der BaFin sowie des Europäischen Parlaments sind viele hochrangige Crowdfunding-Spezialisten anwesend.

Was inspiriert: Das Programm der CrowdCon war insgesamt sehr vielfältig, der Takt der Diskussionen schnell und anregend. Dementsprechend hoch war die Qualität der Vorträge und Fragen, langwierige Ausschweifungen bleiben dem Publikum erspart. Die Vielfältigkeit der Vortragsmethoden rund um den Verordnungsentwurf machen die Veranstaltung spannend und abwechslungsreich. Damit schafft die ECN ihre 21 Programmpunkte der Agenda in nicht einmal 10 Stunden – und für den einen oder anderen Gesprächsaustausch beim Kaffee reicht die Zeit ebenfalls.

 

Diskussionsgrundlage: die EU-Crowdfunding-Verordnung

Wahrscheinlich kein Ort hätte sich besser geeignet für die CrowdCon, als der Sitz der wichtigsten Europäischen Institutionen. Während der Europäische Rat im Plenarsaal unweit des Hotels über die Themen Sicherheit und Migration tagt, widmet sich diese Konferenz der neuen EU-Crowdfunding-Verordnung. Anlass ist der von der Europäischen Kommission nun endlich erfolgte Vorschlag über die Verordnung „Europäische Crowdfunding-Dienstleister für Unternehmen für Unternehmen“. Mit diesem Vorschlag sollen sowohl die Bereiche des kreditbasierten Crowdfundings als auch investmentbasiertes Crowdfunding abgedeckt werden. Transparenz, Kundenschutz und Plattformbetrieb sind das Ziel.

Der vollständige Vorschlag für eine Verordnung über Europäische Crowdfunding-Dienstleister für Unternehmen (Download / Stand des Dokuments 08.10.2018)

 

Auftakt der Debatte

Gründungsmitglied und Executive Director des ECN´s, Oliver Gajda begrüßt die Teilnehmer und übernimmt die Moderation für die Convention. Anschließend übernimmt Jeff Lynn, Executive Chairman und Co-Founder von Seedrs und steigt mit den Teilnehmern sofort in die Debatte um die neue Crowdfunding-Verordnung ein. Er kritisierte u.a. die Grenze von nur einer Millionen Euro als eine wesentliche Schwachstelle und eröffnet hierzu den Diskurs. In diesem Zusammenhang tauchte auch zum ersten Mal der Begriff des European-Crowdfunding auf.

 

Die EU hat den Anschluss verpasst

Mittelpunkt einiger Diskussionen stellt die stark zersplitterte gegenwärtige Rechtslage in den Mitgliedsstaaten dar. Somit sind grenzübergreifende Aktivitäten der Crowdfunding-Plattformen nur bedingt möglich. Um in einem anderen Land ein Projekt anbieten zu können, müssen die spezifischen Länderanforderungen eingehalten werden. Möchte beispielsweise eine österreichische Plattform eines ihrer Projekte im Nachbarland Deutschland platzieren, so muss das Angebot den Vorgaben beider Länder entsprechen. Folglich muss zum Beispiel das Informationsdatenblatt für den österreichischen Kunden sowie ein Vermögensanlagen-Informationsblatt (kurz VIB) für die deutschen Anleger zur Verfügung gestellt werden. Dieser zusätzliche bürokratische Aufwand erschwert die grenzübergreifenden Aktivitäten erheblich, schafft Rechtsunsicherheit und hemmt Wachstum. Genau hier will die Kommission mit ihrem Vorschlag einer EU-Crowdfunding-Verordnung ansetzen und eine Harmonisierung des Europäischen Marktes erreichen.

Matthias Klaes, Professor für Political Economy an der University of Buckingham beleuchtet in seiner Keynote den Markt sowie dessen Barrieren. Auffallend ist die häufige Verwendung des Begriffes „scale“, welcher für Wachstum steht.

Noch erschreckender ist der Ländervergleich des Marktwachstums von Crowdfunding, in welchem die EU nur vergleichsweise schleichend zu wachsen scheint. Probleme der Digitalisierung, wie der Datenschutz oder fehlendes Vertrauen und Transaktionskosten sind laut Matthias Klaes die ursächlichen Marktbarrieren, die ein länderübergreifendes Crowdfunding im EU-Binnenmarkt erschweren. Sollte sich in diesen Themen nichts ändern, wird die Kluft zu anderen Ländern immer größer werden.

Prof. Klaes beendet seinen Vortrag mit den Worten „EU-Crowdfunding has fallen behind. Scale is the key“, was so viel heißt wie „EU-Crowdfunding hat den Anschluss verloren. Wachstum ist der Schlüssel“ und betont noch einmal die Notwendigkeit des Wachstums des europäischen Crowdfunding-Marktes, um im internationalen Vergleich mithalten zu können.

 

1 Mio. Euro Grenze – Jux oder angemessen?

Das wohl am heißesten diskutierten Thema der CrowdCon 2018 ist die im Verordnungsentwurf vorgesehene Grenze von 1 Mio. Euro. Das ist der Betrag, der von einem Emittenten über EU-Crowdfunding in 12 Monaten maximal eingesammelt werden darf. Zum Vergleich: Der deutsche Gesetzgeber befreit Schwarmfinanzierungs-Projekte von der Prospektpflicht des Gesetzes über Vermögensanlagen bis zu einer Schwelle von 2,5 Mio. Euro.

Bereits Jeff Lynn hat in seiner Auftaktrede, die eben genannte Grenze kritisiert. Seiner Ansicht nach ist der Regulierungsentwurf zu begrüßen, die Begrenzung bei einer Millionen Euro ist jedoch zu niedrig. Hierdurch ist es in Zukunft nur erschwert möglich, neue Wege der Kapitalbeschaffung für Firmengründer bereitzustellen. Diese Thematik begleitete die gesamte Veranstaltung und wird anschließend in einem eigenen Panel diskutiert. Auf der Bühne sitzen Tero Weckroth (Invesdor), Daniel Rajkumar (rebuildingsociety.com), Jörg Diehl (asecuvest), Kimmo Lonmarket (Privanet) und Erlend Selmer (Crowdworks). Ausgiebig und ersichtlich im Konsens wird über die Grenze von einer Millionen Euro diskutiert.

Dabei werden vor allem folgende Facetten der Limitierung von Angeboten mehrfach bemängelt:

  • Immer mehr Crowdfunding-Angebote übersteigen eine Millionen Euro.
  • Die Nachfrage von KMU nach höheren Summen innerhalb der EU wird immer größer.
  • Auch auf Investorenseite wächst die Nachfrage der Investoren nach größeren Projekten.

Weitere Informationen im „Position Paper of the European Crowdfunding Network“ (Download)

Weiter ging es mit einem „Insight“ von Khan Dang Ngo (Exporo) mit dem Titel „Crowdfunding for Real Estate“. Als Jurist führt er das Publikum mit rechtswissenschaftlichem Fokus in die Immobilien-Crowdinvesting Geschäfte der Exporo ein. Seiner Ansicht nach, ist die EU-Crowdfunding-Verordnung in der jetzigen Fassung für Immobilien-Crowdinvesting-Plattformen irrelevant. Ein typischen Immobilienprojekt liegt meist über der Grenze einer Million Euro. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach neuen Projekten und der Wunsch der Plattformen, neue Märkte zu erschließen.

 

European-Crowdfunding – Geht das?

Der Entwurf einer neuen EU-Crowdfunding-Verordnung scheint durchaus vielversprechend zu sein. European-Crowdfunding könnte also schon bald Realität werden. Nun, ganz so einfach ist es dann doch nicht. Damit cross-boarder Crowdfunding möglich wird und sich der Markt weiter entfalten kann, sind noch einige Anpassungen und Diskussionen notwendig. Kritisiert wird nicht nur die Grenze von einer Million, sondern auch eine fehlende Unterscheidung in Equity-Crodfunding und Loan-bassed-Crowdfunding sowie einige weitere Unstimmigkeiten. Ein durchaus vielversprechendes Ziel hat sich Ashley Fox (Member of the European Parliament) gesetzt. Seiner Ansicht nach behaupten Regulatoren immer, technikneutral zu sein. Doch technikneutral wäre eine Crowdfunding-Verordnung doch erst, wenn auch Crowdinvesting-Projekte in Form von ICO´s über die Blockchain Technologie erfasst wären. Sein Ziel ist es daher, ICO´s in den Verordnungsentwurf aufzunehmen und damit einen einheitlichen Rechtsrahmen in der EU zu schaffen.

Die CrowdCon 2018 kann durchaus als Erfolg bezeichnet werden. Sie war gut organisiert mit großartigen Gästen und Speakern. Die Vorträge waren qualitativ hochwertig, aussagekräftig und anregend für weitere Diskussionen. Offene Kernpunkte der Verordnung und kontroverse Ansichten wurden konstruktiv-sachlich und gleichzeitig mit voller Hingabe zur Thematik diskutiert. Besonders erfreulich war die Offenheit der Teilnehmer und Vortragenden. Obwohl manche durchaus als Wettbewerber im Markt auftreten oder zu Verschwiegenheit verpflichten sind, wurden Fragen wie auch hitzige Anmerkungen von Teilnehmern mit gegensätzlicher Meinung aufgenommen und bestmöglich beantwortet. Am Ende der CrowdCon wurde noch ausführlich genetworked.

Ob die Veranstaltung auch ihr Ziel erreicht hat und etwas verändern konnte, wird sich spätestens nach Veröffentlichung der EU-Crowdfunding-Verordnung in seiner endgültigen Verfassung zeigen. Bis dahin bliebt zu hoffen, dass die Vertreter der Europäischen Kommission und des Rates einige der Anregungen mitgenommen haben und diese im Rahmen des Gesetzgebungsverfahren einfließen lassen. Denn nur dann, wandelt sich die Vision des „European-Crowdfunding´s vielleicht schon vor der nächsten Europawahl im Mai vom Hirngespinst in die Realität.

 

Die Organisation hinter der Veranstaltung

Das European Crowdfunding Network AISBL (ECN) ist ein 2011 in Brüssel gegründetes professionelles Netzwerk, das angemessene Transparenz (Selbst-) Regulierung und Governance fördert und gleichzeitig eine Stimme in der politischen Diskussion und der öffentlichen Meinungsbildung bietet. Im Fokus liegt die Innovation, Vertretung, Förderung und Schutz der europäischen Crowdfundingindustrie. Neben der CrowdCon organisiert die ECN noch eine Reihe weitere Veranstaltungen, wie den CrowdTuesday, der einmal im Monat an unterschiedlichen Orten und jedes Mal mit einem anderen Thema stattfindet. Der nächste Termin ist am 27.11.2018 in Lyon. Ein weiteres bekanntes und hochrangig besuchtes Event ist das CrowdCamp, das dieses Jahr im Juni zum dritten Mal in Bologna stattgefunden hat und im Juni 2019 in Berlin mit dem Thema „Exploring Blockchain for Alternative Finance“ stattfinden wird. Mehr Informationen dazu findet man auf der Website der ECN. https://eurocrowd.org

 

Zum Autor Sebastian Helmrich

Sebastian Helmrich M.Sc. ist externer Doktorand an der Professur für Corporate Governance and Capital Markets an der Technischen Universität München (TUM). Mit seiner Forschung konzentriert er sich seit 2017 schwerpunktmäßig auf Crowdinvesting mit besonderem Fokus auf Immobilien. Zuvor hat er ebenfalls an der Technischen Universität München sein Masterstudium in Technologie- und Managementorientierten Betriebswirtschaftslehre abgeschlossen und gleichzeitig einschlägige Arbeitserfahrung im FinTech-Bereich gesammelt. Des Weiteren ist er Geschäftsführer und Co-Founder eines 2014 gegründeten Unternehmens, welches sich auf Immobilieninvestments im Gewerbesegment spezialisiert hat.

Kontakt: LinkedIn

 

Fotos: European Crowdfunding Network

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Interview mit Manuela Reibold-Rolinger zu Verzögerungen beim Bau https://www.crowdfunding.de/interview-mit-manuela-reibold-rolinger-zu-verzoegerungen-beim-bau/ https://www.crowdfunding.de/interview-mit-manuela-reibold-rolinger-zu-verzoegerungen-beim-bau/#respond Wed, 31 Oct 2018 23:02:53 +0000 https://www.crowdfunding.de/?p=1551401 Manuela Reibold-Rolinger ist Fachanwältin für Bau- und Architektenrecht. Die Expertin für Verbraucherbaurecht […]

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Manuela Reibold-Rolinger ist Fachanwältin für Bau- und Architektenrecht. Die Expertin für Verbraucherbaurecht ist durch diverse Fernsehauftritte einem breiteren Publikum bekannt. Im Interview mit crowdfunding.de berichtet die ausgebildete Schlichterin, welche Verzögerungen beim Bau am häufigsten vorkommen und so auch zu Zahlungsverzögerungen beim Immobilien-Crowdinvesting führen können.

Manuela Reibold-Rolinger

crowdfunding.de: Was sind die häufigsten Gründe für Verzögerung am Bau?

Manuela Reibold-Rolinger: Die häufigsten Gründe für Verzögerung am Bau sind unklare Vertragslagen, personelle Engpässe beim Auftragnehmer, Streitigkeiten über Nachträge und das Vorliegen von Mängeln. Bauverzögerungen kommen aber auch durch Bauinsolvenzen oder aber nachträgliche Sonderwünsche der Bauherren zustande. Es gibt auch Fälle bei denen die Bauherren Eigenleistung übernehmen und es dann in der Koordination des Bauablaufs zu Schwierigkeiten und Verzögerungen kommt.

Ist eine Verzögerung im Bauablauf zwangsläufig mit einer Verteuerung des Projekts verbunden?

In der Regel ist eine Verzögerung im Bauablauf mit einer Verteuerung des Projekts verbunden. Zeit ist Geld!
Bauzeiten müssen eingehalten werden und dies nicht nur im Interesse des Auftragnehmers, der in der Regel mehrere Baustellen zu bedienen hat und Folgeaufträge abarbeiten muss, sondern eben auch im Interesse des Auftraggebers, der sich im Hinblick auf den Bauablauf eingerichtet hat, die Mietwohnung gekündigt oder Eigentum veräußert hat.

Voraussetzung ist selbstverständlich, dass klare Ablaufstrukturen und einhaltbare Ablaufpläne erstellt werden und der Unternehmer ein eigenes und gutes Konfliktmanagement vorhält, was Verzug und Verteuerung verhindern kann. Fazit: Durch einen guten geregelten und ausgewogenen Bauvertrag können sowohl Verzögerungen im Bauablauf als auch Verteuerungen im Projekt verhindert werden.

Was sind weitere typische unvorhergesehene Kostentreiber bei Immobilienprojekten?

Typische, unvorhergesehen Kostentreiber bei Immobilienprojekte sind schlechte Grundlagenermittlungen, eine unzureichende Planung, häufiger Wechsel der Bauverantwortlichen, fehlende fachliche Baukoordinationen und vor allen Dingen fehlende Bauüberwachung.

45 % der Baumängel entstehen während der Bauphase wegen fehlender Bauüberwachung oder haben in 25% der Fälle ihre Ursache in einer fehlerhaften Planung. Wenn dann noch eine unklare Leistungsbeschreibung hinzu kommt und Nachträge erforderlich werden, kann die Kostenspirale sich sehr weit nach oben drehen und den Auftraggeber in unvorhersehbare finanzielle Schwierigkeiten bringen. Eine, während der Bauphase erforderlich werdende, Nachfinanzierung ist in der Regel nicht nur mit hohen Kosten sondern auch mit erheblichen persönlichen Einschränkungen verbunden.

Was zeichnet einen guten Immobilienentwickler aus?

Einen guten Immobilienentwickler zeichnet nach meiner Auffassung vor allen Dingen eine ehrliche und sachorientierte Abarbeitung der Bedürfnisse der Investoren und eine große Weitsicht in der Planung, Koordination und Umsetzung des Immobilienprojekts aus.

Bei Ihrer täglichen Arbeiten vertreten Sie die Interessen privater Bauherren. Wo liegen die Unterschiede beim gewerblichen und privaten Hausbauprojekt?

Im Grunde gibt es zwischen den gewerblichen und privaten Bauobjekten keine großen Unterschiede. Es ist quasi egal, ob Sie ein Gebäude für 300.000 € oder 30.000.000 € bauen. Die Probleme auf den Baustellen sind in der Regel die gleichen. Sehr typisch sind Verzug, Mängel, Nachträge pp. und diese sind, egal ob im gewerblichen oder im privaten Bauobjekt, juristisch gleichwertig abzuarbeiten.

Jedoch ist bei den privaten Bauherren häufig die emotionale Distanz nicht vorhanden, da das Bauen des Eigenheims in der Regel mit sehr viel Emotion, aber auch existentiellen Gegebenheiten verbunden ist. Man baut in „eigener Sache“ und ist daher emotional involviert. Der Investor einer gewerblichen Bauimmobilie hat in der Regel die nötige Distanz zum Gebäude und eine größere Weitsicht.

Die Preise für Wohnimmobilien in deutschen Großstädten haben in den letzten Jahren deutlich zugelegt. Wir lautet Ihre Prognose für die zukünftige Preisentwicklung?

Ganz ehrlich: Ich bin immer wieder erstaunt über die Immobilienpreise. z.B: in Berlin. Wir haben vor kurzem einen Investor beraten, der Eigentumsobjekte für über 10.000 €/m² in Berlin verkauft hat und dafür auch Käufer gefunden hat.

Man wagt es kaum auszusprechen, aber ich befürchte, dass sich die Schraube weiter nach oben drehen wird und das einzige Korrektiv gegebenenfalls eine Zinswende sein könnte. Die Preise werden daher nach meiner Auffassung weiter steigen. Es sei denn die Zinsen steigen plötzlich an. Ich schätze Berlin, Leipzig, München und Hamburg werden weiter hochpreisig bleiben.

Ich wünsche mir ein Umdenken: Die Städte, Kommunen und Investoren sind gefragt neue Wohnideen umzusetzen und in Zukunft nachhaltiger zu Bauen. Dazu gibt es viele spannenden Projekte, gerade im Bereich der Crowdinvestings zum nachhaltigen Bauen.

Vielen Dank für das Interview!

Weitere Informationen zu Manuela Reibold-Rolinger:

 

Fotocredit: Stefan Hönig

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Berlin Blockchain Week: Von Shitcoins, Security Token & Nature 2.0 https://www.crowdfunding.de/berlin-blockchain-week-von-shitcoins-security-token-nature-2-0/ https://www.crowdfunding.de/berlin-blockchain-week-von-shitcoins-security-token-nature-2-0/#respond Tue, 02 Oct 2018 15:40:00 +0000 https://www.crowdfunding.de/?p=1532549 Im September 2018 fand in Berlin die „Dezentral“ Konferenz statt. Im Gastbeitrag […]

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Im September 2018 fand in Berlin die „Dezentral“ Konferenz statt. Im Gastbeitrag berichtet Christin Friedrich, welche Themen die Blockchain Community bewegen und wohin sich der Markt entwickeln könnte. 

Autorin: Christin Friedrich

Aufbruchstimmung trifft Machermentalität an einem sonnigen, spätsommerlichen Donnerstag im Kosmos, dem ehemaligen DDR-Premieren-Kino, in der Karl-Marx-Str. in Berlin. Es herrscht eine offene und ausgelassene Atmosphäre bei der globalen Blockchain Konferenz Dezentral, die führende Blockchain Entwickler, Unternehmer und Interessierte zusammenbringt. Hier wird offen über den Status Quo, die Potentiale und Herausforderungen der Technologie diskutiert, die unser aller Leben verändern wird.

Die Dezentral ist eines der „Satellite Events“ der Berlin Blockchain Week, die rundum das Hauptevent ETH Berlin mit seinem Hackathon und Workshops ausschließlich von der „Blockchain Gemeinschaft“ organisiert und getragen wird. Dabei liegt der Fokus auf dem Austausch untereinander und der Weiterbildung ihrer Teilnehmer. Eine Vielzahl von dezentral organisierten Veranstaltungen von Token Engineering Workshops über Smart Contract Meetups und Community-Gettogether-Events fanden vom 5. bis 11. September 2018 im Rahmen ihrer ersten Auflage statt.

 

Blockchain Hub Berlin

Berlin hat sich in den vergangenen Jahren zum globalen Zentrum der Blockchain Gemeinde entwickelt mit seiner Vielfalt an Blockchain-Startups, führenden Branchenevents und Krypto-Coworking-Spaces. Das internationale, integrative Berlin scheint der perfekte Spielraum für die Entwicklungen einer technologischen Bewegung zu sein, in der Themen wie Datenschutz, Dezentralisierung oder Demokratisierung ohne Denkverbote analysiert und „Open Source“ neue Ansätze entwickelt werden.

 

Eintauchen in die Debatten der Blockchain Community

Das Programm der Dezentral war entsprechend vielfältig. Geteilt in einen Track „Continuity“ moderiert von Paul Kohlhaas (Linumlabs), in der mitreißende Key-Notes, Vorträge und Panels zu den aktuellen Themen, die die Blockchain Community bewegt diskutiert wurden. Sowie dem Track „Genesis“ moderiert von Achill Rudolph (Way Network), in dem Blockchain-Startups ihre neuesten Entwicklungen präsentierten. Die Teilnehmer kommen vom ganzen Globus und die Konferenzsprache ist selbstverständlich Englisch.

 

Vorsicht vor den Shitcoins

Ein heiß diskutiertes Thema war die Entwicklung der ICO- und Krypto-Landschaft. Meltem Demirors, Chief Strategy Officer der Krypto-Investment-Firma CoinShares aus London, präsentierte in ihrer Key-Note mit viel Leidenschaft und Sachverstand ihre Analyse der „Shitcoins“. Ein „Shitcoin“ ist vereinfacht ausgedrückt eine abwertende Bezeichnung für eine wertlose Kryptowährung. In ihrem Vortrag untermauert Meltem die Natur der menschlichen Gier und Investorenpsychologie, die den ICO-Hype zu Beginn des Jahres erst möglich machten und sowohl Anbieter als auch Investoren zu irrationalem und destruktivem Verhalten verführen.

Es ist zu viel „einfach-zu-habendes-Geld“ in Umflauf. So erhalten auch schlechte Projekte, die keinen wirklichen Wert generien, über ICOs Kapital; nicht zu vergessen, die zahlreichen Betrugsfälle (Scams). Investoren, die in solche Projekte investiert haben besitzen am Ende wertlose „Shitcoins“. Meltem warnt, dass aufgrund der Enttäuschungen, die bei Investoren entstehen, möglicherweise aussichtsreichen Projekten, die „echte“ Technologie der nächsten Generation bauen, der Nährboden entzogen wird. Sie appelliert daher an die Szene sich intensiv mit möglichen Gegenmaßnahmen, wie „Selbstregulierung“ auseinanderzusetzen.

Die vollständige Präsentation von Meltem Demiror „How to (Not) be a Shitcoin – What I’ve Learned About Markets, Psychology, and Value Creation” befindet sich auf Slideshare.

 

Security Token werden zum neuen (Standard-)Investmentvehikel

Auch Security Token wurden thematisiert und ausgiebig diskutiert. Security Token ähneln bekannten Investmentvehikeln wie Wertpapieren und können quasi jede Form von Finanzierungsinstrument via Blockchain Tokens abbilden, sodass diese an Börsen handelbar werden und ihren Investoren Liquidität ermöglichen.

In dem von Daniel Resas (SMP Law) moderierten Panel mit Gilberto Mokbel (COO bei GSR), Christopher Schütz (Head of Capital Markets bei der Security Token Börse DSTOQ) und Joyce Lai (Law & Technology beim Blockchain-Softwaretechnologie-Unternehmen Consensys) herrschte Einigkeit darüber, dass mittelfristig alle Assets über Security Token abgebildet werden. Dabei wurde vor allem der Wunsch nach mehr Klarheit in der Regulierung geäußert, um so die Potentiale dieses Finanzinstruments in der Breite zu heben. Es wurde positiv hervorgehoben, dass sich die Regulatoren, insbesondere auch die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), bemühen Lösungen gemeinsam mit der Community zu entwickeln.

 

Nature 2.0 – Eine mögliche Vision der Zukunft

Eines der Highlights war sicherlich der Vortrag von Trent McConaghy, eine Koryphäe in der Blockchain Community, der mit seinen Projekten BigChainDB und Ocean Protokoll insbesondere die Weiterentwicklung der Verbindung von Blockchain und Künstlicher Intelligenz (KI) vorantreibt. Trent teilte seine Zukunftsvision von einer Nature 2.0, in der Gegenstände wie Autos sich selbst gehören, verwalten und das Geld, das sie einnehmen an die Gesellschaft zurückgeben. Grundlage dieser Vision ist die Kombination von KI und Blockchain, die eine Symbiose von Biologie und Maschinen ermöglicht und so in eine Zukunft des Überflusses (abundance) führt. Seine Ansätze boten viel Diskussionsstoff für die Pause. Für mehr Informationen empfiehlt sich Trents Medium Artikel zu dem Thema „Nature 2.0 – The Cradle of Civilization gets an Upgrade“.

 

Global Blockchain Community

Auch im letzten Panel des Tages zur „Global Blockchain Community“ wurde deutlich, dass Blockchain ein durch und durch globales Phänomen ist, in dem gerade auch in asiatischen Ländern wie China oder Südkorea viele Talente ihre Projekte vorantreiben. Lasse Clausen, Co-Founder des Frühphasen-Token-Investmentfund 1kx und Gastgeber der Dezentral, moderierte das hochkarätig besetzte Panel mit Blockchain-Enthusiasten wie dem in Berlin lebenden Schweizer Bryan Fabian Crane, Mitgründer des bekannten Epicenter Podcasts oder dem Chinesen Guo Chen, CEO des Blockchain Startups Neutral.

Es wurde mehrfach betont wie einzigartig und bedeutend das Berliner Ökosystem als einer der Blockchain Hubs in der Welt ist, in dem aktuell über 280 Blockchain Projekte ihr Zuhause haben. Und dass dieser Fakt eine große Chance für Deutschland und Europa bietet die Entwicklung dieser neuen Industrie nicht nur proaktiv mit zu gestalten, sondern voranzutreiben.

Insgesamt war die Dezentral eine gelungene, gut organisierte Konferenz mit großartigen Speakern. Es ist erfreulich zu sehen wie integrativ und konstruktiv die Blockchain-Community ist, immer mit einem Blick darauf, wie die Massenadoption der Blockchain-Technologie mit Verantwortung und Maß erfolgen kann. Zum Abschluss der Dezentral wurde noch ausgelassen genetworkt, bevor sich die meisten Teilnehmer zu einen der vielen (Abend)Events verabschiedet haben. Wir sind gespannt auf die rasanten Entwicklungen bis zur nächsten Berlin Blockchain Week, in Richtung eines Internets der Blockchains – dem Web 3.0.

Zur Autorin Christin Friedrich

Christin Friedrich ist Vorstandsvorsitzende des European Crowdfunding Networks (ECN) und leitet dort gemeinsam mit Dr. Conny Weber vom ECN die Arbeitsgruppe „Exploring Blockchain for Alternative Finance“. Sie ist Geschäftsführerin der 2011 gegründeten Crowdinvesting Plattform Innovestment, die sich aktuell auf einem rapide wandelnden Markt neu ausrichtet. Zudem ist Christin Mitglied im Ausschuss für Innovation & Technologie der IHK Berlin, in dem sie gemeinsam mit anderen Unternehmern eine Digitalisierungsstrategie für Berlin entwickelt.

Kontakt: XING | LinkedIn

Fotos: Dezentral

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Der Schwarm wächst: Trends, Potentiale und Ausblick https://www.crowdfunding.de/der-schwarm-waechst-trends-potentiale-und-ausblick/ https://www.crowdfunding.de/der-schwarm-waechst-trends-potentiale-und-ausblick/#respond Tue, 25 Sep 2018 09:31:07 +0000 https://www.crowdfunding.de/?p=1527754 Der Artikel „Der Schwarm wächst“ von crowdfunding.de Herausgeber Michel Harms ist zunächst […]

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Der Artikel „Der Schwarm wächst“ von crowdfunding.de Herausgeber Michel Harms ist zunächst in der Sonderausgabe der Fondszeitung „Sachwerte Digital“ 09/2018 erschienen. Ein PDF der Fondszeitung kann kostenfrei per Mail angefordert werden: nadine.dost@welther-verlag.de

Der Schwarm wächst

Das gesamte seit 2011 in Deutschland investierte Crowdkapital hat im Juni 2018 die 500 Millionen Euro-Marke erreicht. Davon wurden 200 Millionen Euro im Jahr 2017 investiert. Im ersten Halbjahr 2018 hat das Volumen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 48 Prozent zugelegt.

Trends 2018

Die folgenden Trends könnten deutlichen Einfluss auf die weitere Marktentwicklung von renditeorientiertem Crowdfunding nehmen.

Banken und Crowdfunding
Nach verschiedensten Annäherungen von Banken an das Thema Crowdfunding in den letzten Jahren, wie z.B. der Launch der Plattform „GLS Crowd“, gibt es auch 2018 neue Entwicklungen. Die KfW Bank hat eine Kooperation mit der Plattform LeihDeinerStadtGeld bekanntgegeben. Im Rahmen der zweijährigen Pilotphase will die KfW ihr Netzwerk einsetzen, um bei der Suche nach Kommunen zu helfen, die ein Infrastrukturvorhaben über die Crowd finanzieren möchten. Mit „Deutsche Crowdinvest“ ist eine von der Sparkasse Saarbrücken initiierte Crowd-Plattform für Unternehmensfinanzierungen an den Start gegangen.

Institutionelle Investoren
Die Plattformen öffnen sich zunehmend für institutionelle Investoren. Da professionelle Investoren die Möglichkeiten haben, Projekte intensiver zu prüfen, könnten sie in der Rolle als Lead Investoren als Orientierungsinstanz für Kleinanleger dienen. Weiterhin helfen die zusätzlichen Volumina der institutionellen Investoren den Plattformen auf dem Weg in die Profitabilität und somit der Entwicklung des Marktes.

Regulierung
Am 28. Juni 2018 hat der Bundestag einen neuen Gesetzentwurf verabschiedet, welcher das Wertpapierprospektgesetz (WpPG) den europäischen Vorgaben angepasst hat. Das neue WpPG ermöglicht Unternehmen ein öffentliches Angebot von Wertpapieren bis zu einem Emissionsvolumen von maximal acht Millionen Euro, ohne einen Wertpapierprospekt erstellen zu müssen. Die Möglichkeit, Projekte mit höherem Emissionsvolumen als bisher ohne kostenaufwändigen Prospekt platzieren zu können, könnte einen weiteren Wachstumsimpuls setzen.

Potentiale

Drei aktuelle Studien zeigen Tendenzen auf, wohin sich der Markt entwickeln könnte. Dabei werden unterschiedliche Perspektiven beleuchtet, da jeweils verschiedene Marktteilnehmer befragt wurden: institutionelle Investoren, Immobilienentwickler und Finanzentscheider bei mittelständischen Unternehmen.

Mittelständische Unternehmen – Mezzaninfinanzierungen
Die auf KMU-Finanzierungen spezialisierte Plattform Finnest hat 2017 eine Umfrage unter mittelständischen Unternehmen durchgeführt. Dazu wurden 55 Geschäftsführer und Finanzentscheider aus Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 10 Millionen Euro befragt. Kernergebnisse:

  • 46 Prozent der Befragten gaben an, bereits aktiv nach zusätzlichen, neuen Finanzierungsquellen zu suchen.
  • Für 31 Prozent wäre die Stärkung der Bilanzstruktur durch Eigenkapital oder Mezzaninkapital aktuell sehr hilfreich.
  • 29 Prozent können sich vorstellen, eine Online-Finanzierung auch einmal für Marketing-Zwecke einzusetzen.

Mittelständische Unternehmen – Crowdlending
Deloitte und das EFAM (Europäische Forschungsfeld Angewandte Mittelstandforschung) der Uni Bamberg haben 244 Entscheider aus mittelständischen Unternehmen befragt. Der Umsatzmedian der teilnehmenden Unternehmen lag bei 10 Millionen Euro. Die 2018 veröffentlichte Studie folgt einer ersten Umfrageerhebung im Jahr 2015. Kernergebnisse:

  • 50 Prozent der befragten Unternehmen kennen Crowdlending.
  • 14 Prozent haben Interesse an der Finanzierung über Crowdlending-Plattformen. Im Jahr 2015 lag der Wert noch bei 3 Prozent.

Entwickler und institutionelle Investoren – Immobilien-Crowdfunding
Im Mai 2018 hat EY Real Estate eine Studie zu Immobilien-Crowdfunding veröffentlicht. An der Umfrage haben sich insgesamt 64 Teilnehmer aus den Segmenten Plattformen, institutionelle Investoren und Projektentwickler beteiligt. Kernergebnisse:

  • 25 Prozent der Immobilienentwickler planen zukünftig über Crowdfunding-Plattformen Kapital zu beschaffen.
  • Auf die Frage, ob sie Crowdfinanzierungen als für sich geeignetes Anlagevehikel sehen, haben 39 Prozent der institutionellen Investoren mit „Ja“ oder „eher Ja“ geantwortet.

Die verschiedenen Umfrageergebnisse verdeutlichen, dass bei potentiellen Kapitalnachfragern und -anbietern erhebliches Interesse an Crowdfinanzierungen besteht. Dennoch sollte man beim Aufstellen von konkreten Wachstumsszenarien vorsichtig sein.

So erklären auch die Studienautoren der EY Immobilienstudie, dass es zwar Raum für deutliches Wachstum gäbe, es aber nicht so schnell gehen wird, da viele Investoren und Projektentwickler erstmal Vertrauen in das Vehikel gewinnen müssten.

Ausblick

Es ist davon auszugehen, dass zwischen der Entwicklung des Vertrauens in das Vehikel und dem Vertrauen in einzelne Anbieter beziehungsweise Plattformen eine Wechselwirkung besteht. Vermelden Anbieter pünktliche Rückzahlungen oder andere positive Erfolgsmeldungen, stärkt dies das Finanzierungsprinzip in der öffentlichen Wahrnehmung. Eine Häufung von Ausfällen oder mögliche Skandale bewirken das Gegenteil. Von daher ist es im Interesse aller langfristig orientierten Marktteilnehmer, wenn im Dialog mit dem Gesetzgeber und dem Verbraucherschutz Mechanismen geschaffen werden, die es unseriösen Anbietern erschweren, im Markt Fuß zu fassen.

In Bezug auf ihre Marketingkommunikation gegenüber Anlegern sind Anbieter gut beraten keine falschen Erwartungen zu wecken. Zinsvergleiche zum einlagegesicherten Tagesgeld oder Betonrendite-Assoziationen bei Immobilien-Crowdinvestments sind da sicherlich nicht dienlich. Nur Kleinanleger die sich der Risiken vollends bewusst sind, können mit möglichen Ausfällen entsprechend professionell umgehen. Digitalisierung heißt nicht nur, dass Anbieter ihre Werbebotschaften zielgenauer ausspielen und Zeichnungsprozesse beschleunigen können. Digitalisierung heißt auch, dass verärgerte Kunden mit ihrer Enttäuschung völlig neue Reichweiten erzielen. Sich in den sozialen Medien entfaltende Kundenenttäuschung kann sich mittlerweile auf die Börsenkurse der betroffenen Unternehmen auswirken.

Es bleibt zu wünschen, dass sich der Markt auf Basis realistischer Erwartungshaltungen stetig qualitativ und quantitativ weiterentwickelt und so langfristig sein volles Potential entfaltet. Dann ist es auch möglich, dass die Phase ausbleibt, die nach dem Hype-Cycle Modell von Gartner auf den „Gipfel der überzogenen Erwartungen“ folgt, nämlich „Das Tal der Enttäuschungen“.

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Deutsche Banken im Crowdfunding-Check https://www.crowdfunding.de/deutsche-banken-im-crowdfunding-check/ https://www.crowdfunding.de/deutsche-banken-im-crowdfunding-check/#respond Sun, 16 Sep 2018 08:19:58 +0000 http://www.crowdfunding.de/?p=1090934 „Bald wird jedes Geldinstitut der Welt Crowdfunding anbieten“. So die Prophezeiung von […]

Der Beitrag Deutsche Banken im Crowdfunding-Check erschien zuerst auf www.crowdfunding.de.

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„Bald wird jedes Geldinstitut der Welt Crowdfunding anbieten“. So die Prophezeiung von Slava Rubin, dem Gründer der US Crowdfunding-Plattform Indiegogo, in einem Interview im Jahr 2014.

2015 sind wir in einer ersten Bestandsaufnahme der Frage nachgegangen, inwieweit sich deutsche Banken dem Thema Crowdfunding geöffnet haben.

Wie ist der aktuelle Status? Im Crowdfunding-Check listen wir alle deutschen Banken, die sich nach außen erkennbar mit dem Thema Crowdfunding beschäftigen. Die Liste wird fortlaufend aktualisiert und ergänzt. Sollte das Crowdfunding-Angebot einer Bank fehlen, freuen wir uns über eine kurze Mitteilung.

Letztes Update am 16.09.2018 (Ergänzung: VR-Crowd )

Banken mit eigenen Crowdfunding-Plattformen

Hinweis: Die hier genannten Plattformen sind mit den Markenlogos der jeweiligen Banken beflaggt, allerdings werden sie nicht immer von den Banken selbst betrieben. Informationen zur Betreibergesellschaft finden sich unter „mehr Infos“ oder im Impressum der Plattform.

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Crowdfunding
Baden-Württembergische Bank JaBW Crowd
www.bw-crowd.de
mehr Infos
JaMain Funders
Crowdlending für Kunden
mehr Infos im Interview
Evangelische Bank

JaZusammen Gutes Tun
www.zusammen-gutes-tun.de
mehr Infos
GLS Bank JaJaGLS Crowd (Crowdinvesting)
www.gls-crowd.de | Infos

Gemeinschaftscrowd (Spenden)
gemeinschaftscrowd.de| Info
IBSH Förderbank Jawir bewegen SH
www.wir-bewegen.sh
mehr Infos
Sparkasse JaJa99 Funken
www.99funken.de
mehr Infos

Einfach.Gut.Machen.
www.einfach-gut-machen.de

Deutsche Crowdinvest
www.deutsche-crowdinvest.de
mehr Infos
PSD Bank Köln eG JaMehr durch gemeinsam
www.mehr-durch-gemeinsam.de
Volksbanken Raiffeisenbanken JaJaViele Schaffen Mehr
www.viele-schaffen-mehr.de
mehr Infos
http://www.vr-crowd.de
Kooperation VR Würzburg und CrowdDesk

Weitere Crowdfunding-Aktivitäten von Banken

Banken, die sich über Kooperationen, Studien, Werbeanzeigen oder andere Aktivitäten dem Thema „Schwarmfinanzierung“ nähern.
Triodos Bank Beteiligung und Kooperation
Die Triodos Sustainable Finance Foundation hat Anteile an bettervest erworben. Die Triodos Bank will vertriebsseitig kooperieren | mehr Infos
Consors Bank Werbekooperation
Präsentation einzelner Crowdinvesting-Plattformen | Seite anschauen
Deutsche Bank Studie
DB Research (2014): "Die digitale (R)evolution im Finanzsektor" | Download

Marketing
Anzeigenschaltung zum Thema "Crowdfunding". Link geht auf Landingpage mit Crowdfunding-Infos und Hinweisen auf das eigene, klassische Kreditangebot. | Landingpage anschauen
KfW Bank Kooperation
Die KfW Bankengruppe unterstützt die Crowdlending-Plattform LeihDeinerStadtGeld als „ideeller“ Sponsor auf der Suche nach kommunalen Infrastrukturprojekten.
mehr Infos
L-Bank Kooperation
Möglichkeit der Kombination eines Crowdfunding bei Startnext mit einem Mikrokredit | www.mikrocrowd.de
Sparkasse Studien Sponsoring
EFNW, Uni Oldenburg (2014): "Zukunftsperspektiven im Crowdinvesting" | Download

Marketing
Schaltung von Sponsored Posts zum Thema Crowdfunding mit Hinweisen und Links auf das eigene, klassische Kreditangebot | Beispiel für einen Sponsored Post
Investitionsbank Berlin Kooperation
Kombination eines Crowdfunding bei Startnext mit einem Kredit | www.startnext.com/pages/ibbmikrocrowd
Sparkasse Spenden-Partnerpage
Partnerpage der BBBank bei Startnext | www.startnext.com/pages/bbbank-crowdfunding

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Foto: unsplash.com

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Der Wissenstest für Crowdinvestoren https://www.crowdfunding.de/crowd-anleger-wissen-test/ https://www.crowdfunding.de/crowd-anleger-wissen-test/#comments Thu, 02 Aug 2018 09:38:00 +0000 https://www.crowdfunding.de/?p=1497727 Disclaimer Die Fragen und Antworten wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt […]

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Die Fragen und Antworten wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt und recherchiert. Eine Haftung für die Richtigkeit kann jedoch nicht übernommen werden.

Lesetipps

Eine Übersicht mit weitergehenden Informationen zu den Themen aus dem Wissenstest.

Crowdinvestment-Checklisten
→ Checkliste für Immobilien-Projekte
→ Checkliste für Solaranlagen-Projekte

Steuern
→ Fachbeitrag „Steuerliche Berücksichtigung von Ausfällen beim Crowdfunding“

Anleger-Psychologie
→ Artikel „Psychofallen und Denkfehler beim Crowdinvesting“

Marktdaten
→ Crowdinvest Marktreport 2017
→ Crowdinvest Insight 500 Mio

5 Tickets zu gewinnen Verlosung abgeschlossen

crowdfunding.de hat 5 Tickets für das Symposium „Sachwerte Digital“ am 27.09.2018 in Frankfurt verlost. www.sachwerte-digital.de

Durchschnittliche Ergebnisse der bisherigen Teilnehmer

Zwischenauswertung der Ergebnisse | 218 Teilnehmer (Stand 04.09.18)

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