innovestmentInnovestment ist als eine der ersten deutschen Crowdinvesting-Plattformen im Jahr 2011 gestartet. Jetzt bietet die Plattform ein neues Beteiligungsmodell an.

Wir haben die Geschäftsführerin Christin Friedrich in Berlin getroffen und über das neue Investmentmodell gesprochen. Im Interview nimmt sie Stellung zum Thema Transparenz, dem Kleinanlegerschutzgesetz und berichtet was ihrer Meinung nach erfolgreiche Gründer ausmacht.

crowdfunding.de: Nachdem man in den letzten Monaten relativ wenig von Innovestment gehört hat, meldet Ihr Euch jetzt mit einem neuen Modell und zwei Startup-Investmentchancen zurück. Was hat sich geändert, was ist neu bei Innovestment?

Christin Friedrich: Wir haben in den vergangenen Monaten an der Weiterentwicklung unseres Produkts gearbeitet. Neben der Erstellung der neuen Webseite haben wir auch unser Beteiligungsmodell weiterentwickelt und dabei die Erfordernisse des im Sommer verabschiedeten Kleinanlegerschutzgesetzes (KASG) berücksichtigt.

Innovestment bleibt seiner Philosophie treu, wachstumsorientierten innovativen Startups in Deutschland eine Finanzierung zu ermöglichen und Privatanlegern die Chance zu geben, schon mit kleinen Beträgen in vielversprechende Startups zu investieren. Das in der Branche einzigartige Innovestment-Beteiligungsmodell schafft dabei eine Interessensbalance zwischen den beiden Parteien.

Wir setzen nun auch auf part. Nachrangdarlehen, die nach dem KASG als Vermögensanlage reguliert sind – nur ist unser Vertragskonstrukt wie eine offene Beteiligung ausgestaltet. Es gibt eine rein erlösabhängige Verzinsung. Durch die Gesellschafterstellung des „Special Purpose Vehicle“ (SPV) partizipieren die Investoren an den Wachstumschancen bei gleichzeitig erhöhtem Schutzniveau.

Nach der neuen Regelung können über unsere Plattform innovestment.de bis zu 2.5 Mio. € Risikokapital öffentlich vermittelt werden. Außerdem haben wir den Mindestinvestitionsbetrag von 1.000 € auf 250 € gesenkt, damit private Investoren ihr Portfolio weiter diversifizieren können. Die Steuerbescheinigungen werden zudem automatisch erstellt und sind bequem online abrufbar.

Die Investitionen der Crowd werden bei Innovestment im sogenannten „Special Purpose Vehicle“ gebündelt. Wo seht Ihr die Vorteile eines solchen Modells?

Aus unserer Sicht ist es unvermeidbar, die Investitionen der Crowd in einer gesonderten Gesellschaft – einem SPV – zusammenzulegen. Man nennt es auch „Pooling“. Hierbei wird unterschieden zwischen schuldrechtlichem und gesellschaftsrechtlichem „Pooling“. Bei Innovestment werden nicht nur die Stimmen gebündelt. Durch das gesellschaftsrechtliche Pooling wird auch das Investment als echtes Eigenkapital ins Unternehmen eingebracht.

Das SPV wird zum Gesellschafter des Unternehmens und übt somit Gesellschafterrechte aus. Der Geschäftsführer des SPV kommt aus dem Kreis der Crowd-Investoren und hat damit gleichlaufende Interessen mit ihnen.

Mit dem weiterentwickelten Innovestment-Beteiligungsmodell ist ein hohes Schutzniveau und mehr Rechtsicherheit für Investoren und Startups entstanden. Da das SPV wie ein „normaler“ Gesellschafter fungiert, halten auch andere Kapitalgeber unsere „Crowd“-Lösung für kompatibel mit Folgefinanzierungen und Co-Investitionen.

Wie wird der Geschäftsführer des SPV bestimmt? Kann sich da jeder bewerben? Muss man bestimmte Qualifikationen mitbringen?

Der Geschäftsführer des SPV beteiligt sich zunächst auch als Investor im Rahmen der Finanzierungsrunde. Er sollte betriebswissenschaftliches Know-How mitbringen und sich als aktiver Gesellschafter im Unternehmen engagieren, um so die Interessen der Investoren nachhaltig zu vertreten. Der Geschäftsführer des SPV kann auch aus dem Umfeld des Unternehmens kommen. In diesem Fall kennt er bereits das Geschäft und die Schlüsselpersonen, wodurch eine konstruktive Zusammenarbeit zusätzlich gewährleistet wird.

Auch ein Minderheitsgesellschafter kann diese Rolle einnehmen. Hat die Person z. B. bisher eine 3 %-Beteiligung, sehen wir die Interessen mit den anderen Investoren weiterhin gleichlaufend.

Der Geschäftsführer des SPV wird im Zuge der Kapitalerhöhung nach erfolgreicher Finanzierung von der Innovestment Holding GmbH als alleiniger SPV-Gesellschafter ernannt. Bis zur Ernennung kommt ein temporärer Geschäftsführer aus dem Innovestment-Team.

Am 10. Juli 2015 ist das Kleinanlegerschutzgesetz in Kraft getreten. Wie bewertet Ihr als Crowdinvesting-Plattform das Gesetz?

Wir bewerten das Gesetz insgesamt positiv. Crowdinvesting braucht wie jedes andere Finanzgeschäft in Deutschland klare Regeln. Das schafft Rechtssicherheit sowohl für uns als – im Sprachgebrauch des Gesetzes – Online-Dienstleistungsplattform als auch für die Investoren und Unternehmen. Die Umsetzung des Gesetzes zwingt alle Marktteilnehmer zur Professionalisierung und Transparenz. Das stärkt auch das Vertrauen in die Branche seitens der Partner aus der etablierten Wirtschaft.

Wir sind erfreut, dass wir ab sofort bis zu 2,5 Mio. € Risikokapital vermitteln dürfen. Dafür verfügt unser Unternehmen bereits über die vorgeschriebene Erlaubnis zum Finanzanlagenvermittler nach 34f GewO.

Den Investitionsprozess hätten wir uns etwas schlanker gewünscht, aber wir hoffen, dass die Investoren die zusätzlichen Erfordernisse wie die Anlegerexploration oder die Bestätigung des Vermögensanlagen-Informationsblatts (VIB) unbeschwert annehmen.

Auf Eurer Webseite finden sich keine Detailinformationen zu den bislang durch Innovestment finanzierten Startups. Könnt Ihr sagen, wie sich die bei Euch crowdfinanzierten Unternehmen entwickelt haben?

Seit 2011 wurden auf innovestment.de 48 Startups platziert und davon 29 erfolgreich finanziert. Wir haben uns in der Vergangenheit als reinen Marktplatz verstanden und die Entwicklung der Projekte am Rande verfolgt. Wir wollen aber heute den bisher über Innovestment finanzierten Unternehmen mehr Sichtbarkeit ermöglichen.

Jedes Unternehmen wird von Menschen mit ihren schöpferischen Kräften geprägt – unabhängig von Art und Weise der Produkte. Gründer und ihre Mitarbeiter bilden mit ihren mutigen Ideen und unbegrenzten Potenzialen den zukünftigen deutschen Mittelstand. Wir sind stolz darauf, zu dieser Entwicklung mit unserem Engagement beizutragen.

Nur zwei Beispiele: Die Gründerin der globalen Business Media-Plattform Manager eMatch GmbH, Sara Maria Spiller, ist seit Ende 2013 über das Startup-Chile-Programm mit Ihrem Unternehmen auch mit einem Büro in Chile vertreten, auf Roadshows im Silicon Valley und spielt selbst mittlerweile in der chilenischen Nationalmannschaft Basketball.
Oder Adam Woolway und Jacob van Zonneveld von PlugSurfing. Der Brite und der Niederländer haben das Unternehmen 2012 in Berlin gegründet und mit Ihrer „Ladesäulen-Finden und Bezahl-App“ für Elektroautos im vergangenen Jahr in Washington, D.C. den globalen Challenge Cup mit einem Preisgeld von 100.000 $ gewonnen.

Die finanzierten Unternehmen können auf unserer neuen Website unter https://www.innovestment.de/erfolgreich-finanzierte-projekte eingesehen werden. Innovestment wird die Rubrik kontinuierlich weiter entwickeln, so dass zukünftig mehr Informationen darüber verfügbar sind.

Der Fokus von Innovestment lag zu Beginn auf der Finanzierung von technologieorientierten Startups. Wo seht Ihr Euren aktuellen und mittelfristigen Schwerpunkt? Weiterhin strikter Fokus auf Startups oder plant Ihr Euch für andere Themen – wie z.B. Immobilien – zu öffnen?

Innovestment wird die Finanzierung der technologieorientierten Startups weiter verfolgen. Die bestehende Finanzierungslücke, insbesondere für wachstumsorientierte Unternehmen, ist in Deutschland nach wie vor akut. Dabei zeigt unsere Erfahrung, dass immer mehr private Anleger sich für Beteiligungen an wachstumsorientierten Startups interessieren, sodass die Lücke über Crowdinvesting, wenn nicht geschlossen, dann zumindest verringert werden kann.

Hier gilt es, unsere Kompetenzen weiter auszubauen und Kooperationen mit anderen Kapitalgebern zu gestalten. Wir sind vom großen Mehrwert des Innovestment-Modells für viele Unternehmen und Kapitalgeber überzeugt. Dafür werden wir unser Geschäft kontinuierlich weiterentwickeln. Das geschieht durch den intensiven Austausch mit unseren Kunden, Marktteilnehmern, Vertretern aus der Wissenschaft und durch Marktbeobachtung – auch über Deutschland hinaus. Dieses Jahr sind wir wieder in Paris bei der ECN Crowdfunding Convention, um mit den europäischen Kollegen Erfahrungen auszutauschen.

Ihr habt schon viele Gründer mit ihren Startups begleitet. Nach Euren Erfahrungen: Was macht erfolgreiche Gründer aus?

Es gibt kein Patentrezept für ein erfolgreiches Unternehmen, aber es zeigen sich wiederkehrende Muster, die den Erfolg wahrscheinlicher machen. Bringen Gründer ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein für ihr eigenes Unternehmen, für die Gesellschaft und für die Umwelt mit, werden ihre Geschäftsideen mit großer Wahrscheinlichkeit früher oder später von Erfolg gekrönt.

Im Alltag sind Kommunikationsfähigkeit und der respektvolle Umgang miteinander von besonders hohem Wert.

Jedes Unternehmen steht in einem intensiven Wettbewerb – regional und global. Daher sind Kenntnisse über den Markt ebenso wichtig, wie ein komplementäres Team, das auch in schwierigen Zeiten zusammenhält.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit Innovestment!

Zur Webseite: www.innovestment.de

Zum Plattform-Profil: www.crowdfunding.de/innovestment