Protonet meldet sich mit einem neuem Crowdfunding zurück. 2014 konnte das auf Server spezialisierte Startup in Rekordzeit 3 Millionen Crowdinvesting-Euro einsammeln. Diesmal werden keine Investoren gesucht. Es geht um die Finanzierung und den Vorverkauf der neuesten Produktentwicklung: die Smart Home Station ZOE.

Im Interview berichtet Mitgründer und CEO Ali Jelveh über das neue Produkt, die gesammelten Crowdfunding Erfahrungen und den Schritt in die USA.

crowdfunding.de: Um was für ein Produkt handelt es sich bei ZOE? Was kann ZOE und was macht es besonders?

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Ali Jelveh, Mitgründer und CEO von Protonet

Ali Jelveh: Mit Protonet ZOE bringen wir die Datenhoheit in die eigenen vier Wände, denn nirgendwo sonst produzieren wir so viele intime Informationen über uns. ZOE ist also ein Smart Home Hub, das alle Daten auf dem eigenen Speicher ablegt und nicht in einer externen Cloud, wie es Geräte von Wettbewerbern tun. Außerdem ist ZOE schön im Design und kann individuell an die eigene Wohnatmosphäre angepasst werden. Wir steuern sie über ein Sprachmodul und ZOE versteht im Laufe der Zeit sogar neue Begriffe und stellt sich auf unsere Verhaltensmuster ein. ZOE ist für uns der Inbegriff dessen, was moderne Technologie leisten muss: Komfort und Datenhoheit in einem Gerät.

Aus welchen Gründen habt Ihr Euch für ein Crowdfunding für ZOE entschieden?

Na ja, warum macht man ein Crowdfunding? Weil man Geld für die Entwicklung und Produktion eines Produkts braucht. Zugleich kann man im Laufe einer Crowdfunding-Kampagne das neue Produkt aber auch ausführlich den potenziellen Kunden vorstellen und viel aus deren Feedback in den Entwicklungsprozess mitnehmen. Viele Fragen unserer Backers sind hoch interessant und zeigen uns, wie intensiv sie sich mit unserem Produkt auseinandersetzen. Das ist toll.

Mit der Kampagne bei Indiegogo richtet Ihr Euch ja auch an den amerikanischen Markt. Wie kommt „Datensicherheit made in Germany“ bei den Amerikanern an?

Genau so gut wie in Deutschland: hüben wie drüben will doch jeder von den modernen technologischen Errungenschaften profitieren. Niemand aber möchte, dass das, was in den eigenen vier Wänden gesprochen wird oder passiert, nach außen dringt. Wem auch immer wir im Silicon Valley unser neues Produkt vorstellen, alle sind begeistert und verstehen sofort, um was es uns geht. Viele sind sogar etwas geschockt, sobald sie kapieren, dass sie die Kamera oder die Lautsprecher ihres bisherigen, cloud-basierten Smart Home-Geräts besser ab und an komplett ausschalten sollten. Unsere ZOE geht das anders an, denn sie ist von Grund auf cloud-unabhängig und bringt so die Datenhoheit für die Nutzer automatisch mit.

Ihr bekommt Unterstützung vom Y Combinator. Was verbirgt sich hinter dem Programm?

Unterstützung ist das falsche Wort. Wir haben uns Ende vergangenen Jahres für die Teilnahme an dem Winter-Circle von Y Combinator beworben und wurden angenommen. Seit Januar nehmen wir mit weiteren 100 Startups und jungen Firmen an dem so genannten Accelerator-Programm teil und arbeiten mit namhaften Partnern und Unternehmern an der weiteren Positionierung und Profilierung von Protonet. Für uns ist das eine große Chance von den Besten zu lernen, die uns extrem gut unterstützen. Damit es aber kein Missverständnis gibt: Y Combinator machen wir parallel zu unserem Crowdfunding und da stehen unsere B2B-Lösungen im Vordergrund. Beide Projekte laufen gleichzeitig, aber an sich unabhängig voneinander. Wir sehen aber auch, dass sie sich gegenseitig positiv beeinflussen – und so war es auch gedacht.

Aktuell seid Ihr auf Investorensuche. Wie reagieren die potentiellen Geldgeber auf die 1.800 Crowdinvestoren, die Ihr durch das Seedmatch-Funding an Bord habt?

Es ist kein Geheimnis, dass wir in 2014 auf Seedmatch den Weltrekord im Crowdfunding aufgestellt haben. Spätestens bei einer kurzen Recherche wird das klar. Die Art der Beteiligung bedarf jedoch der Erklärung, da Crowdfundings in den USA via Plattformen wie Indiegogo oder Kickstarter anders funktionieren.

Wie haben Eure Crowdfunding-Investoren auf das neue Crowdfunding reagiert? Inwieweit profitieren diese frühen Investoren von einem Markterfolg in den USA?

Gegen gute Geschäfte hat niemand etwas und dass wir in die USA expandieren werden, hatten wir schon im vergangenen Jahr bei unseren Investoren angekündigt. Wir sehen das als logischen und notwendigen Schritt, um Protonet hoffentlich eine erfolgreiche Zukunft zu eröffnen. Davon profitieren alle bisherigen Investoren – egal ob Business Angels oder die Crowdfunding-Investoren.

Konntet ihr Erfahrungen aus eurem Fundings bei Seedmatch nutzen? Oder ist ein internationales reward-based Crowdfunding etwas komplett anderes, als ein equity-based Crowdfunding im deutschen Markt?

Diese beiden Finanzierungsrunden sind nicht miteinander vergleichbar, was es unglaublich spannend für uns macht. Bei Seedmatch erhielten die Investoren Anteile an Protonet, beim aktuellen internationalen Crowdfunding auf Indiegogo geht es letztendlich darum, ein konkretes Produkt zu erwerben und dabei als Frühbesteller bis zur Hälfte des späteren Verkaufspreises sparen zu können. Protonet ZOE ist unser erstes B2C-Produkt, das sich an – im besten Sinne – normale Verbraucher richtet. Diese Zielgruppenansprache unterscheidet sich deutlich von der für unsere bisherigen B2B-Produkte. Außerdem werden derzeit noch die meisten Geräte im Bereich Smart Home in den USA nachgefragt. Andere Märkte, wozu auch Deutschland gehört, ziehen langsam nach, haben aber wie die USA auch ein enormes Wachstumspotenzial. Deshalb fokussieren wir unsere Indiegogo-Kampagne auf den US-Markt und bekommen dabei viel Unterstützung aus dem Netzwerk von Y Combinator. So schließt sich wieder der Kreis.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit dem ZOE Crowdfunding!

Aktuelles ZOE Crowdfunding: www.igg.me/at/iamzoe
Protonet Webseite: www.protonet.info/de/
Zum Protonet Funding 2014: www.seedmatch.de/startups/protonet-2
Mehr Infos zum Y Combinator: www.ycombinator.com/
Y Combinator @ Indiegogo: www.indiegogo.com/partners/yc