venturate_logo_2015_final_com_kleinVenturate hat sich auf das Vermitteln von Startups und Kapitalgebern spezialisiert. Jetzt öffnet sich die Münchener Plattform der Crowd und bietet „Curated Crowdfunding“ an. Was sich dahinter verbirgt und welche Tipps er für Gründer hat, verrät uns Venturate Gründer & Vorstand René Seifert im Interview.

crowdfunding.de: Venturate war in den vergangenen Jahren als Mittler für Startups und größere Kapital-Geber aktiv. Jetzt entwickelt sich Ihre Plattform zum Crowdfunding-Anbieter. Was hat Sie zu dem Schritt bewogen, die Crowd mit einzubeziehen?

René Seifert: Die Zielsetzung bei der Gründung von Venturate war ganz einfach: Wir wollten einen Missstand in Deutschland lösen. Denn das Finden, sich Verstehen und ineinander “Verlieben” von Investoren und Startups ist meist nicht so einfach. So hoben wir die Venturate Matchmaking Plattform aus der Taufe, die für alle Akteure kostenlos ist. 400 Startups präsentieren sich dort bereits mit ihren Leistungen, Produkten und Ideen. Und über 500 Business Angels und professionelle Investoren können nach potenziellen Unternehmen anhand bestimmter Kriterien suchen, wie zum Beispiel Branche, Größe des Investments oder Stadium des Startups. Eine Idee, die gut funktioniert hat: So konnten schon einige Deals vermittelt werden, wie zum Beispiel der Druck-Service All3DP. In der Regel kann die Crowd an vielen guten Deals nicht partizipieren, denn Venture Capital und Business Angels schließen solche Geschäfte hinter verschlossenen Türen ab. Diesen Umstand wollen wir lösen, indem Venturate jetzt “Curated Crowdfunding” anbietet.

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Venturate Gründer & Vorstand René Seifert

Was kann man unter „Curated Crowdfunding“ verstehen und wo liegen die Vorteile für die Crowd?

Es gibt in Deutschland zahlreiche Crowdfunding Plattformen. Allerdings fällt die Güte der Deals sehr unterschiedlich aus, was zu Lasten der Crowd-Investoren geht. “Curated Crowdfunding” bedeutet einfach: Venturate bietet handverlesene Deals, die qualitativ hochwertig sind. Wir erreichen das, indem bei jedem Startup, das auf Venturate vorgestellt wird, bereits ein professioneller Investor mit an Bord ist. Er fungiert als sogenannter Deal Captain. Das heißt, er hat das Unternehmen geprüft, für gut befunden, selbst investiert und die Bewertung ausgehandelt. Für die Bewertung bedeutet das: Eine dritte Person von außen bildet einen realistischen Wert für das Startup – ein großer Vorteil gegenüber anderen Crowdfunding Plattformen. Dort wird die Bewertung des Unternehmens vom Startup selbst in Zusammenarbeit mit der jeweiligen Plattform erstellt, die verständlicherweise eher zu hoch angesetzt wird. Somit wird der Unternehmensanteil pro Euro für den Crowd-Investor gedrückt.

Bei Venturate sieht die Sache anders aus: Der Crowd-Investor kann zur selben Bewertung wie der Deal Captain einsteigen. Und er profitiert von dessen Erfahrung und Engagement. Denn der Deal Captain steht dem Startup mit Rat und Tat zur Seite, sei es beim Vermitteln von Industriepartnern oder in Sachen Mentoring. Zudem kann er beispielsweise sein Netzwerk aktivieren, um eine Anschlussfinanzierung für das Startup auf die Beine zu stellen. Dem Crowd-Investor wird in Summe ein Stückchen mehr Sicherheit und mehr Chancen für sein Investment bei Venturate geboten: Das Startup wird einige Anfängerfehler vermeiden und es werden Vorraussetzungen geschaffen, damit es durch die Decke gehen kann.

Ist es, im Hinblick auf die einhergehende Öffentlichkeit, schwierig „Deal Captains“ zu gewinnen? Immerhin stehen diese Lead Investoren, neben ihrem Kapital, in gewissen Maß mit ihrer Reputation im Risiko. Auch wenn die Konstellationen natürlich ganz anders gelagert sind, mag man sich als worst-case Beispiel an Manfred Krug und die T-Aktie erinnern.

Natürlich war aller Anfang schwer, erfahrene Investoren von unserem Konzept zu überzeugen. Doch wer sich näher damit beschäftigt hat, war voll des Lobes. Bei unserem ersten Deal mit TWINKIND ist Dr. Cornelius Boersch der Deal Captain – ein Mann, der in der Business Angel Welt einen klangvollen Namen hat. Boersch erhielt 2009 die Auszeichnung „European Business Angel of the Year“ und gilt als einer der aktivsten Investoren in Deutschland. Da wir einen so erfahrenen Mann wie Conny Boersch überzeugen könnten, bin ich sehr zuversichtlich, dass wir in Zukunft weiterhin erfahrene Investoren für unserer Modell begeistern können.Letztendlich ziehen doch auch alle Investoren und die Crowd an einem Strang bzw. wollen erfolgreiche Startups. Der Business Angel bringt sein Know How und die Kontakte mit ein, die Crowd hat dafür in Sachen Marktzugang und Sichtbarkeit einiges zu bieten.

Die Laufzeit des Nachrangdarlehens, mit dem die Crowd am finanziellen Erfolg des Startups beteiligt ist, liegt bei Venturate bei zehn Jahren. Gibt es ein Sonderkündigungsrecht, falls der „Deal Captain“ vorher aussteigt? Oder kann es zu dem Fall kommen, dass die Crowd ohne „Captain“ dasteht?

Nun der eben beschriebene Fall ist bei Venturate nicht möglich: Der Deal Captain kann aus dem Startup nicht einfach aussteigen, da sein Investment als Eigenkapital gebunden ist. Ausnahmen sind natürlich ein Börsengang oder ein M&A. Somit ist sichergestellt, dass die Crowd-Investoren zu keinem Zeitpunkt alleine dastehen. Die Laufzeit von zehn Jahren lässt sich mit folgender Zahl begründen: In der Regel brauchen Startups sieben bis acht Jahre, um ihr volles Potenzial zu entwickeln. Somit profitiert der Crowd-Investor wie auch der Deal Captain vom vollen Unternehmenswert, der bis dahin geschaffen wurde.

Die Regelmäßigkeit und Qualität, in der Startups ihre Crowdinvestoren über die laufende Geschäftsentwicklung informieren, ist immer wieder ein Thema. Welche Regeln gelten bei Venturate, Wie stellen Sie sicher, dass die Kleinanleger ausreichend und zeitlich aktuell informiert werden?

Das Startup hat sich gegenüber Venturate verpflichtet, monatlich über den Status Quo zu formieren. Zudem hat Venturate auch die Startups angehalten, ihre Crowd-Investoren regelmäßig mit Updates zu versorgen – eine kontinuierliche Informationspflicht für die Startups besteht allerdings nicht. Aber: Auf jeden Fall bekommen die Investoren den Jahresabschluss des Unternehmen vorgelegt – dazu ist das Startup verpflichtet. Andererseits sollte sich der Crowd-Investor auch die Situation des Start-ups hineinversetzen: Vertrauliche Informationen über Umsatz, Gewinn, Vertriebsstrategie herauszugeben, kann nicht im Sinne des Unternehmens sein, wenn die Konkurrenz möglicherweise mitlesen kann. Es bleibt eine schmale Gratwanderung, die jedes Startup selbst beschreiten muss.

Welche Kriterien müssen Startups erfüllen, um auf der Venturate-Plattform für ein Crowdfunding in Frage zu kommen?

Die Vorraussetzungen für ein Startup, um sich auf unserer Crowdfunding Plattform zu präsentieren, sind überschaubar. Der Sitz des Unternehmens muss in Deutschland liegen und womöglich die größere Hürde: Es muss bereits ein professioneller Investor an Bord sein, der das Unternehmen für gut befunden und selbst investiert hat. Sollten die beiden Kriterien erfüllt sein, freuen wir uns über ein aussagekräftiges Pitchdeck an die Mail-Adresse crowdfunding-startup@venturate.com. Nach einer internen Prüfung von Venturate bekommt das Startup umgehend Bescheid.

Ihre Vita liest sich ziemlich spannend: Hörfunkkorrespondent im Kosovo, mittendrin im“New-Ecomomy-Hype“, zehn Jahre in Indien, diverse Unternehmensgründungen und Hobbypilot. Ihre unternehmerischen Erfahrungen als Konzentrat in wenigen Sätzen auf den Punkt gebracht: Was raten Sie jungen Startups um Ihre Unternehmung zum Fliegen zu bringen?

Meine Erfahrung hat mich gelehrt: Startups sollten bescheiden starten, aber groß denken. Entscheidend ist eine Prioritätenlisten abzuarbeiten: Die Energie sollte im wesentlichen dem Kernprodukt gelten. Wenn 80 Prozent des Kernprodukts fertiggestellt sein, sollte sich das Startup am Markt messen lassen. Von nichts anderem profitiert ein Startup mehr als von Feedback der Nutzer. Ein häufiger Fehler: Viele Gründer wollen zu viele Features auf einmal einbauen: Das heißt, sie werden sich zwangsläufig verzetteln, den Faden verlieren und deshalb den Markteintritt niemals wagen. Während in der Immobilienbranche das Mantra von “Lage, Lage, Lage” gilt, vertrete ich für den Startup Bereich die Formel “Fokus, Fokus, Fokus”. Wer sein Kernprodukt auf Vordermann gebracht hat, sollte dann natürlich sein Spektrum erweitern und zum Beispiel mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne Geld einsammeln und die nötige Aufmerksamkeit generieren. Mit einem tollen Produkt zur richtigen Zeit steht einem Unternehmen der Himmel offen.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit Venturate!

 

Mehr Informationen: www.venturate.com