Kann Crowdfunding einen Beitrag zur Finanzierung afrikanischer Unternehmen leisten? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Gastbeitrag von Dr. Rolf Drescher. Der Autor arbeitet für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Lilongwe / Malawi. Der Beitrag stellt seine persönliche Meinung dar.

 

Autor: Dr. Rolf Drescher

Malawi first! „Buy Malawian …“ Viele Produkte aus Malawi findet man indes in den Supermärkten nicht.

Afrika steht aktuell ganz oben auf der politischen Agenda. Im Mittelpunkt steht die Suche nach Konzepten zur Förderung eines nachhaltigen inklusiven Wachstums mit der Schaffung einer ausreichenden Zahl neuer Jobs, um der wachsenden Bevölkerung eine bessere Lebensperspektive zu geben. Die Herausforderung ist gewaltig: Die Bevölkerung Afrikas ist von 814 Mio. (2000) auf 1,19 Mrd. (2015) gewachsen; nach Berechnungen der Vereinten Nationen wird sie weiter auf 1,68 Mrd. (2030) und 2,48 Mrd. (2050) anwachsen. Weder die Struktur der afrikanischen Volkswirtschaften noch die Wachstumsraten bieten die Voraussetzungen, die erforderlichen Arbeitsplätze zur Integration der jungen Bevölkerung in den Arbeitsmarkt zu schaffen.

 

Fehlender Zugang zu Finanzdienstleistungen

Rund 80% der Arbeitsplätze in Afrika entfallen auf Kleinst-, Klein- und Mittelunternehmen (KMU). Die Schaffung positiver Rahmenbedingungen für neugegründete und bestehende KMU ist für mehr Wirtschaftswachstum und mehr Beschäftigung zentral. Die Gründung und das Wachstum der KMU wird durch eine Vielzahl von Faktoren behindert. Es besteht aber Einigkeit, dass das Fehlen des Zugangs zu Finanzdienstleistungen, insbesondere Krediten und Eigenkapitaleinlagen, in allen afrikanischen Volkswirtschaften eines der Kernprobleme für das Wachstum des KMU-Sektors und damit eine zentrale wirtschafts- und finanzpolitische Herausforderung ist. Die zur Verfügung stehenden Daten lassen keinen Zweifel: ein verbesserter Zugang von KMU zu Krediten schafft Wachstum und Arbeitsplätze.

Business as usual ist keine Option. Innovative Politik- und Finanzierungsansätze sind gefordert. Das lenkt den Blick über den traditionellen Banken- und Finanzsektor hinaus auf alternative Finanzierungsmechanismen und damit die Frage, ob und in welchem Umfang das Crowdfunding zur KMU-Finanzierung geeignet ist. Crowdfunding als Finanzierungsmechanismus, bei dem ein Projekt durch eine Vielzahl von Geldgebern finanziert wird, ist nicht neu und kein genuines Produkt der FinTech-Industrie. Auch in Afrika haben Formen der gemeinschaftlichen Finanzierung von Projekten zum Teil eine lange Tradition. Ein vielzitiertes Beispiel sind die „Harambee“-Veranstaltungen in Kenia zur Finanzierung kommunaler sozialer Projekte. Ein Bericht der Weltbank bezeichnet das Crowdfunding deshalb als „online extension“ traditioneller gemeinschaftlicher Finanzierungsformen.

 

Globale Trends im Crowdfunding

Als globaler Trend ist ein rapides Wachstum des Crowdfunding-Sektors belegt. 2015 betrug das globale Crowdfunding-Volumen US$ 34,4 Mrd.; damit hat sich der global gecrowdfundete Betrag gegenüber 2014 (US$ 16,2 Mrd.) mehr als verdoppelt, gegenüber 2013 (US$ 6,1 Mrd.) verfünffacht. Die Angaben zu Afrika differieren stark und sind kaum belastbar. Nach einer vielzitierten Quelle belief sich das Crowdfunding-Volumen 2015 auf US$ 127 Mio., wobei US$ 94,7 über internationale und nur US$ 32,3 Mio. über afrikanische Crowdfunding-Plattformen eingeworben wurden. Für 2016 werden US$ 190 Mio. vorhergesagt. Nach einer anderen Quelle lag das Crowdfunding-Volumen 2015 insgesamt bei nur US$ 83,2 Mio., von denen 90% aus auf internationalen Plattformen gelaufenen Crowdfunding-Kampagnen stammen. Klar ist jedenfalls zweierlei: Crowdfunding hat sich in Afrika als Finanzierungsmechanismus noch nicht durchgesetzt hat und befindet sich erst noch in der „Beta-Entwicklungsphase“. Mit der überwiegenden Finanzierung von Projekten in Afrika über internationale Plattformen durch Finanziers im globalen Norden folgt das Crowdfunding dem traditionellen Muster der Entwicklungszusammenarbeit.

Thundafund ist eine sehr erfolgreich operierende südafrikanische Crowdfunding-Plattform.

Der Gründer der südafrikanischen Crowdfunding-Plattform Thundafund, Patrick Schofield, äußert sich zuversichtlich zur Zukunft des Crowdfunding in Afrika: „Crowdfunding has been a phenomenal driving force of creative development in the US and Europe. We believe that it can become an equally powerful force in Africa.

Die Weltbank hat in einer 2013 veröffentlichten Studie ein Crowdfunding-Potenzial für Afrika von bis zu US$ 2,5 Mrd. in 2025 errechnet. Die Studie geht sogar noch weiter: Crowdfunding biete den Entwicklungsländern die Chance, die traditionellen Kapitalmarktstrukturen und Finanzregulierungssysteme zu überspringen und Banken und andere Finanzinstitutionen als zentralen Finanzierungsmechanismus zu ersetzen. Die Frankfurt School of Finance & Management widerspricht: Das Banking sei stets die erste Phase der Finanzsektorentwicklung, erst darauf aufbauend könne das Crowdfunding die nächste Stufe der Finanzsektorentwicklung in hochentwickelten Volkswirtschaften sein. Das Crowdfunding-Potenzial in Entwicklungsländern sei deshalb sehr begrenzt, Crowdfunding sei keine Überholspur zur Finanzmarktentwicklung. Die Global Partnership for Financial Inclusion, ein Zusammenschluss der G20-Staaten, betont einerseits das Crowdfunding-Potenzial, stellt anderseits aber nüchtern fest: „There is thus far not enough evidence to prove that unserved and underserved customers are currently benefiting from debt and equity crowdfunding”.

 

Afrika ist anders

In den USA, Asien und Europa hat sich der Crowdfunding-Markt im Rahmen gut funktionierender Finanzmärkte auf der Basis klarer finanzrechtlicher Regelungen als komplementäres Finanzierungsangebot fest etabliert. Parallel dazu wurden spezielle Regelungen für das Crowdfunding in Kraft gesetzt, die im Kern – um nicht die Dynamik aus dem Markt zu nehmen – im Vergleich zu anderen Finanzierungsformen reduzierte regulative Anforderungen an das Crowdfunding stellen, gleichzeitig aber einen angemessenen Investorenschutz bieten.

Die Rahmenbedingungen in Afrika sind gänzlich anders, sowohl was die Marktstrukturen und die Funktionsfähigkeit des Finanzsektors als auch das politische und rechtliche Umfeld anbelangt. Nur drei afrikanische Staaten haben eine Crowdfunding Policy, kein afrikanischer Staat hat bislang Crowdfunding-spezifische Rechtsvorschriften erlassen. Auf der Basis einer Analyse des Crowdfunding-Sektors in Ostafrika kommt das Cambridge Centre for Alternative Finance zu der Schlussfolgerung, dass eine Regulierung des Crowdfunding verfrüht wäre. Es empfiehlt zur weiteren Marktentwicklung, zunächst die Erfahrungen der existierenden Crowdfunding-Plattformen systematisch zu erfassen und auszuwerten und in einem breit angelegten Dialog der Regulierungsbehörden mit den Wirtschaftsverbänden einen regionalen Regulierungsansatz zu entwickeln.

Klar ist, dass man den vom traditionellen Banken- und Finanzsektor nicht gedeckten Finanzierungsbedarf der KMU in Afrika nicht mit der potenziellen Nachfrage nach Crowdfunding-Finanzierungsangeboten gleichsetzen kann. Ob und in welcher Form Crowdfunding in Betracht kommt, hängt von dem konkreten Projekt und Art und Höhe der nachgefragten Finanzierung ab. Auf der Angebotsseite lässt sich die Bereitschaft, Finanzmittel über Crowdfunding-Plattformen zur Verfügung zu stellen, kaum einschätzen.

 

Afrikanische vs. internationale Crowdfunding-Plattformen

Um das Crowdfunding-Potenzial zur KMU-Finanzierung in Afrika auszunutzen, gibt es zwei Stellschrauben: zum einen die Entwicklung von nationalen afrikanischen Crowdfunding-Plattformen, zum anderen die Entwicklung bzw. Nutzung von internationalen Crowdfunding-Plattformen zur Finanzierung von Projekten in Afrika.

Bislang gibt es erst relativ wenig nationale afrikanische Crowdfunding-Plattformen mit einem nur sehr geringem finanziellen Volumen. Deren Potenzial liegt indes auf der Hand: Sie können mit der Schaffung von Anlagemöglichkeiten für breitere Kreise der Bevölkerung, insbesondere auch für die sich herausbildende Mittelklasse, einen Beitrag zur Steigerung der Mobilisierung inländischer Ressourcen leisten. Dabei können sie, was für KMU von besonderer Bedeutung ist, Finanzierung in Form von Lokalwährungsdarlehn anbieten.

Wichtig bei Entwicklung nationaler afrikanischer Crowdfunding-Plattformen ist, den zweiten Schritt nicht vor dem ersten zu machen. Wegweisend für die Marktentwicklung sind drei Überlegungen: „Africanize crowdfunding“, „Think small“ und „Cooperate“.

 

Africanize Crowdfunding heißt:

Verbreitet in ganz Subsahara-Afrika: Digitaler Geldtransfer über das Mobiltelefon ermöglicht Überweisungen ohne Bankkonto. Hier Kioske von Zoona und Airtel in Lilongwe, Malawi.

… lokale Crowdfunding-Plattformen für lokale Probleme, Anwendung angepasster Technologien, Berücksichtigung der landesspezifischen Umstände. Kein Bankkonto? Kein Problem! In vielen afrikanischen Ländern fehlt die klassische Infrastruktur zum Geldtransfer, große Teile der Bevölkerung verfügen nicht über Bankkonten, Kreditkarten sind noch eher die Ausnahme als die Regel. Um unter diesen Umständen eine breite Beteiligung am Crowdfunding zu ermöglichen, müssen Einzahlungen über mobile Zahlsysteme mit einem Geldtransfer via SMS ermöglicht werden, die sich in vielen afrikanischen Ländern verbreitet sind. Beispiele sind etwa der kenianische Finanzdienstleister M-Pesa oder der in Sambia, Malawi und Mosambik operierende Finanzdienstleister Zoona. Die indische Crowdfunding-Plattform Ketto arbeitet mit einem Kurierdienst zusammen, der Bareinzahlungen ab einem Betrag von INR 1.000 (USD 15) abholt.

 

Think Small heißt:

Uprise.Africa … die erste südafrikanische equity-based Cordunding-Plattform

… ein Schritt nach dem anderen. In Nordamerika, Asien und Europa hat sich der Crowdfunding-Markt schnell stark ausdifferenziert und sehr komplexe Finanzierungsangebote für hohe Volumina generiert. Diese Entwicklung ist kein Wegweiser für die Marktentwicklung in Afrika, allein schon wegen des Fehlens eines adäquaten institutionellen und rechtlichen Rahmens. Zur KMU-Finanzierung bedarf es zunächst nationaler Crowdfunding-Plattformen mit traditionellen Finanzierungsangeboten – als donation-, reward- oder lending-based Crowdfunding – mit einer geringen Mindestbeteiligung in lokaler Währung.

Afrikanische Plattformen
Die kenianische Crowdfunding-Plattform M-Changa bietet zahlreiche Beispiele: Finanzierung der Produktion eines „Afrosneakers“ (gesuchter Finanzierungsbeitrag: KES 350.000 (€ 3.000), Gegenleistung: reduzierter Preis für die Sneakers); Finanzierung solarbetriebener Anlagen zur Steigerung der Produktion eines landwirtschaftlichen Betriebs / Weiterverarbeitung von Früchten (gesuchter Finanzierungsbeitrag: KES 350.000 (€ 3.000), Gegenleistung: Marmeladengläser aus der geförderten Produktlinie); Finanzierung der Produktion mit sauberer Energie zu betreibender Kochherde (gesuchter Finanzierungsbeitrag: KES 1,5 Mio. (€ 14.000), Gegenleistung: reduzierter Preis für den Kochherd); Unterstützung einer Dorfgemeinschaft bei dem Erwerb einer mit Biosprit betriebenen Wasserpumpe zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion (gesuchter Finanzierungsbeitrag: KES 30.000 (€ 260), Gegenleistung: keine).
PesaZetu ist eine sehr aktive kenianische P2P-lending-Plattform. Interessante südafrika-nische Plattformen sind Thundafund, und StartMe. Vor kurzem ist Uprise.Africa als erste südafrikanische equity-based Crowdfunding-Plattform für Investitionen in lokale KMU ins Netz gegangen.
Ein erhebliches Potenzial für die Finanzierung afrikanischer KMUs haben auch internationale Plattformen mit entsprechenden Finanzierungsangeboten. Diese können auf der Basis der jeweils einschlägigen Rechtsordnung auch komplexere Finanzprodukte und Kapitalbeteiligungen anbieten (equity-based crowdfunding). Eine Reihe internationaler Plattformen spricht gezielt die afrikanische Diaspora an, bei der ein großes Finanzierungspotenzial und eine höhere Bereitschaft zu Investitionen in Afrika gesehen wird.

Internationale Plattformen
Eine interessante niederländische Plattform ist Lendahand. Lendahand stellt Kredite für KMU in zahlreichen, auch afrikanischen, Entwicklungsländern zur Verfügung. Die Projekte werden auf der Plattform vorgestellt, die Darlehen bei erfolgreichem Einwerben der nachgefragten Darlehenssumme dann über eine lokale Finanzinstitution an die Kleinunternehmer*innen vergeben. Die Geldgeber*innen erhalten den Geldbetrag mit bis zu 6% verzinst zurück. Kredite haben zum Beispiel erhalten: ein KMU in Uganda zur Produktion solar-betriebener Wasserpumpen (€ 70.000 / + 4 Jobs); ein KMU in Uganda zur Arzneimittelproduktion und -verteilung (€ 56.000 / + 8 Jobs); ein Logistikuntenehmen in Kenia (€ 100.000 / + 5 Jobs); eine IT-Firma in Zambia (€ 6.800 / + 1 Job). Die US-Plattform Kiva vergibt Mikrokredite an Kleinstunternehmen in mehr als 80 Ländern; anders als bei Lendahand erhalten die Geldgeber*innen den Geldbetrag zwar ebenfalls zurückerstattet, aber zinslos.
Die deutsche Plattform Bettervest bietet die Beteiligung an Unternehmen an, die in Afrika Energieeffizienz-Projekte mit nachweisbar hoher Kosten-, Energie- und CO2-Einsparung durchführen (equity-based crowdfunding, rechtstechnisch in Form eines eigenkapitalähnlichen Nachrangdarlehens). Neben den Investitionen deutscher Firmen werden seit neuestem auch direkt ausländische Firmen finanziert. Beispiele für Bettervest-finanzierte Investitionen sind: Finanzierung der Aufstellung von mobilen Solarcontainern in ländlichen Gebieten in Mali (Kreditsumme: € 107.700 und €346.500); Photovoltaikanlage und Tröpfchenbewässerung für eine Farm in Benin (Kreditsumme € 245.650); Finanzierung eines Solarnetzes im ländlichen Bereich in Nigeria (Kreditsumme: € 224.100). Nach einem ähnlichen Crowdinvesting-Geschäftsmodell operieren die deutsche Plattform Ecoligo, die jüngst die Finanzierung von zwei Solaranlagen für eine Fairtrade-zertifizierte Blumenfarm in Kenia eingeworben hat (Kreditsumme: € 260.000), und die österreichische Plattform Crowd4Climate. Die UK-Plattform Trine stellt afrikanischen KMUs Darlehen für Solarenergie-Projekte zur Verfügung; die Rückzahlung an die Geldgeber*innen er-folgt verzinst (i.d.R > 5%). Die französische Plattform Blue Bees hat sich auf die Förderung von bzw. die Kreditvergabe an landwirtschaftliche Kleinbetriebe in Entwicklungsländern, auch in Afrika, spezialisiert; die finanzierten Projekte decken ein breites Spektrum ab, von der Hühnerzucht in Burkina Faso (Kreditsumme: € 16.000) über die Weiterverarbeitung lokaler Früchte zu Marmelade in Kamerun (Kreditsumme: € 11.500) bis hin zum nachhaltigen Reisanbau in Madagaskar (Kreditsumme: € 40.000); die Rückzahlung an die Geldgeber*innen erfolgt verzinst (i.d.R > 2%). Die UK-Plattform Emergingcrowd unterstützt KMUs in Schwellenländern und Frontier Markets, einschließlich Afrika, mit Darlehen und Eigenkapitalbeteiligungen ab £ 500.000.

Cooperate heißt:

… Zusammenarbeit mit Partnern auf allen Ebenen bei der Marktentwicklung. Hierzu können im Folgenden nur einige Stichworte genannt werden. Im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit gibt es viele Ansatzpunkte, Crowdfunding als Instrument der KMU-Finanzierung zu fördern. Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit können sich zum Beispiel an der Finanzierung eines Projekts in der Weise beteiligen, dass sie den gecrowdfundeten Betrag aufstocken, zum Beispiel verdoppeln. Die gecrowdfundete Darlehns- oder Beteiligungssumme kann nach dem Modell strukturierter Finanzierung in unterschiedliche Risikotranchen aufgeteilt werden, wobei die EZ-Organisation die risikoreichste Tranche übernimmt, um so für andere Anleger das Risiko zu minimieren und einen Investitionsanreiz zu schaffen. Gleichermaßen kann eine „first loss protection“ gewährt werden, mit der bei Zahlungsausfall ein bestimmter Prozentsatz (z.B. 25%) übernommen wird. Das Erreichen des gesetzten Finanzierungsziels durch die finanziellen Beiträge der Crowd, deren Investitionsbereitschaft und die darin zum Ausdruck kommende Risikoeinschätzung sind allerdings wichtige Gradmesser für die Beurteilung der finanziellen Viabilität des Projekts. Es ist darauf zu achten, dass durch die Einbindung von EZ-Organisationen die Crowdfunding-inhärenten Marktmechanismen nicht außer Kraft gesetzt werden.

Der digitale Finanzdienstleister Zoona unterstützt die Betreiber der Geldkioske dabei, das erforderliche Startkapital als Darlehn über die internationale Crowdfunding-Plattform Kiva einzuwerben.

Eine fachliche Unterstützung des Unternehmens und eine Kooperation bei der Vorbereitung und Durchführung des zu finanzierenden Projekts wird von potenziellen Geldgebern zweifelsfrei als vertrauensbildend und risikomindernd wahrgenommen. Bei geeigneten Projekten können EZ-Organisationen im Rahmen ihrer Projektarbeit als integrale Projektkomponente gezielt Crowdfunding skills vermitteln, so dass später im Wege einer Crowdfunding-Kampagne eigenständig Finanzmittel für die Weiterführung des Projekts eingeworben werden können, etwa die Finanzierung der Vermarktung eines landwirtschaftlichen Produkts (Weiterverarbeitung / Integration in eine Lieferkette) nach einer realisierten Erntesteigerung. Ein sehr interessantes Beispiel für das Potenzial des Zusammenspiels von Entwicklungszusammenarbeit und Crowdfunding-Plattformen ist das Bettervest-Projekt zur Finanzierung der Errichtung eines Offgrid-Solarnetzes in dem Dorf GbamuGbamu in Nigeria durch ein nigerianisches Unternehmen; das Projekt wird im Rahmen eines Energiepolitikberatungsvorhabens der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) gefördert, mit Finanzierung durch die Europäische Union und das deutsche Entwicklungsministerium (BMZ). Ein hohes Potenzial verspricht auch die Zusammenarbeit nationaler afrikanischer und internationaler Plattformen, ggfs. mit einem arbeitsteiligen Einwerben von Finanzmitteln in lokaler und in Fremdwährung.

 

Am Ende: … what’s in it for Africa?

Es ist schwierig, die weitere Entwicklung des Crowdfunding in Afrika vorherzusagen. Disruptive Technologien stoßen auf Widerstand. Finnovation braucht Zeit. Hier wie dort. Die rasante Entwicklung des Crowdfunding-Markts in Nordamerika, Asien und Europa ist keine Blaupause. Die Entwicklung eines afrikanischen Crowdfunding-Markts ist keine „cut-and-paste exercise“. Gefragt sind angepasste Modelle, die dem Entwicklungsstand der lokalen Finanzmärkte entsprechen. Der Schlüssel liegt in einem Denken in kleinen Dimensionen, einem „back to the roots“ des Crowdfundings, mit einem funktionalen Interface zur Mikrofinanzierung. Mit Blick auf den ungedeckten Finanzierungsbedarf afrikanischer KMU und dem evidenten Potenzial lokaler und internationaler Crowdfunding-Plattformen erscheint es realistisch, eine Entwicklung vorherzusagen, in der das Crowdfunding zwar nicht als Wundermittel wirkt, es sich aber mittel- und langfristig zu einem wichtigen Baustein der KMU-Finanzierung entwickeln wird, in Ergänzung der Finanzierungsangebote des traditionellen Banken- und Finanzsektors.

Zum Autor Dr. Rolf Drescher

Dr. Rolf Drescher arbeitet für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Lilongwe / Malawi. Er leitet ein entwicklungspolitisches Projekt zur Unterstützung der Regierung Malawis bei der Stärkung des öffentlichen Finanzmanagements (www.giz.de/malawi). Er hat sich in unterschiedlichen Funktionen intensiv mit Fragen der Entwicklungsfinanzierung und innovativer Finanzierungsinstrumente befasst.

 

Kontakt

eMail: rolf.drescher@t-online.de / rolf.drescher@giz.de
LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-rolf-drescher-bb5694117

Zur Frage des Potenzials von Crowdfunding zur Förderung afrikanischer Klein(st)unternehmen hat der Autor vor kurzem auch in der Zeitschrift „Entwicklung und Zusammenarbeit (E+Z)“ bzw. „Development + Cooperation (D+C)“ einen Beitrag veröffentlicht: https://www.dandc.eu/sites/default/files/pdf_files/2017-09-dc.pdf (dtsch / S. 18-21), https://www.dandc.eu/sites/default/files/pdf_files/2017-09-ez.pdf (engl. / S. 18-21).