Crowdfunding Wiki

Erklärungen von A bis Z

Verwässerung

Wenn ein Startup im Rahmen einer Anschlussfinanzierung, etwa einer weiteren Crowdfunding-Kampagne, neues Kapital von Investoren erhält, kommt es meist zu einer sogenannten Verwässerung der Investmentquote. Dies bedeutet, dass sich die Beteiligungsquote der Investoren entsprechend verringert.

Proof of Market

Beim klassischen Crowdfunding, dem „reward-based Crowdfunding“, hilft die Crowd einer Einzelperson oder einem Unternehmen dabei, ein bestimmtes Projekt zu finanzieren. Da die Unterstützer häufig das betreffende Produkt als Gegenleistung erhalten, handelt es sich um eine Art Vorverkauf. Zudem lassen sich über den „Proof of Market“ weitere Resonanzen auf das Angebot ermitteln, die die Basis für weitere Entscheidungen bilden.

Proof of Concept

Hierunter versteht man die Prüfung eines Konzepts, deren Ergebnisse potentielle Investoren von der Machbarkeit des Vorhabens überzeugen soll. Auch die Entwicklung von Prototypen kann im Rahmen des „Proof of Concept“ geschehen – wobei sich zeigt, ob eine Idee technisch realisierbar ist.

Nachrangigkeit

Kommt es zu einer Insolvenz oder Abwicklung eines Unternehmens, werden nachrangige Forderungen erst dann beglichen, wenn andere Gläubiger ihr Geld erhalten haben. Gegenüber anderen Verbindlichkeiten treten Nachrangdarlehen daher im Rang zurück und haben dadurch eigenkapitalähnlichen Charakter.

Investmentquote

Sie wird auch „Beteiligungsquote“ genannt und gibt an, wie hoch der virtuelle Anteil ist, den ein Crowdinvestor durch seine Anlage am Unternehmen hält. Die Quote ergibt sich aus dem Verhältnis aus der Summe der Investition und der Unternehmensbewertung nach der abgeschlossenen Crowdfunding-Kampagne (Post-Money-Unternehmensbewertung).

Exit

Wenn Gründer eines Start-ups ihr Unternehmen verkaufen und die Mehrheit ihrer Anteile abgeben, spricht man vom „Exit“. Zweck des Verkaufs ist es, einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen. Der Exit bedeutet das Ende der Verträge zwischen dem Start-up und seinen Crowdinvestoren, die von der zumeist positiven Entwicklung profitieren.

Endfälligkeit

Hierunter versteht man den Rückzahlungszeitpunkt des Darlehensbetrages samt anfallender Zinsen zum Ende der Laufzeit eines Crowdinvesting-Vertrages. Die Alternative zum endfälligen Darlehen ist ein Tilgungsdarlehen, bei welchem der Betrag nach und nach ausgezahlt wird.

Community

„Community“ bedeutet „Gemeinschaft“, also ein Netzwerk von miteinander im Austausch stehenden Individuen, die sich gegenseitig beeinflussen. Meist unterliegt die Interaktion einem gemeinsamen Ziel – etwa im Falle des Crowdfundings der Unterstützung eines bestimmten Projekts.

Bonuszins

Bonuszinsen sind eine Extraleistung, mit der Crowdinvestoren von den Gewinnen eines Start-ups und von dem Erlös im Falle des Verkaufs  ­profitieren können. Wenn ein Start-up  Gewinne macht oder verkauft wird (sogenanntes Exit-Ereignis), bekommen die Investoren Bonuszinsen in Höhe ihrer Beteiligungsquote ausgezahlt. Im Falle eines Exit-Ereignisses erhalten die Investoren zudem ihren Investmentbetrag zurück und es erfolgt die Auszahlung der ertragsunabhängigen Basisverzinsung.

Best Practice

Der Begriff „Best Practice“ stammt aus der Betriebswirtschaftslehre und lässt sich mit „Erfolgsmethode“ übersetzen. Hierunter versteht man eine Methode oder eine Vorgehensweise in einem Unternehmen, die sich bewährt hat und deshalb als optimal angesehen wird.

Basisverzinsung

Die Basisverzinsung erhalten Crowdinvestoren bei vielen Verträgen unabhängig von der Entwicklung des Start-ups und etwaigen erwirtschafteten Gewinnen. Der Betrag wird meist ausgezahlt, wenn das Investment endet und der Anleger seinen ursprünglichen Darlehensbetrag zurückerhält – es handelt sich also um eine endfällige Zahlung.

Zinsen

Ein Schuldner zahlt dem Gläubiger in Form von Zinsen ein Entgelt für die vorrübergehende Überlassung von dessen Kapital.

Weichkosten

Weichkosten sind die Nebenkosten eines Fonds oder eines ähnlichen Anlageproduktes, die nicht substanzbildend sind. Dazu zählen insbesondere Vertriebskosten, aber auch Ausgabeaufschläge, Konzeptionshonorare oder Due-Dilligence-Kosten, d. h. Kosten für die Analyse, Prüfung und Bewertung eines Kaufgegenstandes.

Vorfälligkeitsentschädigung

Wenn sich bei einem Darlehensnehmer die finanzielle Situation auf positive Weise ändert, kann er einen Kredit schon früher als geplant abbezahlen. Bei dieser vorzeitigen Rückzahlung vor Ablauf der Zinsbindungsfrist muss ein Entgelt gezahlt werden, die sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung (VFE).

Vermögensanlageinformationsblatt (VIB)

Diese Kurzinformation ist eine Art Beipackzettel der angebotenen Vermögensanlage. Das Vermögensanlageinformationsblatt (VIB) fasst auf höchstens drei DIN-A4-Seiten die wesentlichen Eigenschaften der Anlage zusammen. Das VIB muss während der gesamten Dauer des öffentlichen Angebots in der aktuellen Fassung auf der Internetseite des Anbieters zugänglich sein.

Treuhänder/Treuhandgesellschaft

Hierbei handelt es sich um eine Form des Rechtsverhältnisses, bei dem eine Person (Treugeber) einer anderen (Treuhänder) ein Verfügungsrecht über eine Sache einräumt. Der Treuhänder kann eine natürliche oder juristische Person sein, die das fremde Eigentum in eigenem Namen, aber für fremde Interessen verwaltet. Mit der Sache (Treugut) werden dem Treuhänder verschiedene Rechte übertragen, mit denen er selbstständig handeln kann, sich dabei aber verpflichtet, dies nicht zum eigenen Vorteil zu tun.

Track Record

Der Track Record ist eine Art Leistungsbilanz, die zum positiven Image eines Investors beitragen kann. Sie gibt Auskunft über die Ergebnisse der bisher getätigten Investitionen etwa von Beteiligungsgesellschaften oder Unternehmen. Aber auch natürliche Personen können über eine solche Liste verfügen, die nicht nur über verbuchte Erfolge von getätigten Investitionen berichtet, sondern auch allgemein über die gesammelten Erfahrungen.

Tilgung

Unter Tilgung versteht man die Rückzahlung von Schulden. Verschiedene Arten der Tilgung sind möglich: die laufende (monatliche, quartalsweise oder jährliche) Tilgung oder die endfällige Tilgung, bei der am Ende der Laufzeit die gesamte Rückzahlung auf einen Schlag erfolgt.

Risiko

Der Begriff Risiko bezeichnet ein Ereignis mit negativen Auswirkungen. In Bezug auf Kapitalanlagen bedeutet dies, dass sich der Wert einer Investition nicht wie beim Erwerb angenommen entwickelt. Es gibt verschiedene Risikoarten, etwa das Marktänderungsrisiko, das Liquiditätsrisiko, das Währungsrisiko und das Bonitätsrisiko.

Rendite

Die Rendite ist der tatsächliche Ertrag einer Geldanlage. Dieser wird in der Regel jährlich und in Prozent angegeben.

Prospektpflicht

Damit Anleger sachgerechte Entscheidungen treffen können, benötigen sie verlässliche Informationen über den Emittenten und das betreffende Wertpapier oder die Vermögensanlage. Aus diesem Grund dürfen in Deutschland Wertpapiere und Vermögensanlagen nicht ohne einen Prospekt, d. h. eine schriftliche Zusammenstellung, öffentlich angeboten werden, die über die Art, den Gegenstand und die Risiken der Kapitalanlage informiert.

Privatanleger

Privatanleger sind natürliche Personen, die Geldanlage betreiben. Auch die Bezeichnung Kleinsparer oder Retail-Kunden ist üblich. Das Wertpapierhandelsgesetz spricht hingegen von Privatkunden und versteht darunter Personen, die nicht über ausreichende Erfahrungen, Kenntnisse und Sachverstand verfügen, um ihre Anlageentscheidungen alleine treffen und die damit verbundenen Risiken angemessen beurteilen zu können (§31a WpHG).

Plattform

Eine Plattform dient der Verknüpfung von Marktakteuren und der Vernetzung der User. Typischerweise werden Schwarmfinanzierungsprojekte im Internet über eine Plattform organisiert.

Pitch-Video

Das Pitch-Video zählt zu den wichtigsten Elementen einer Crowdfunding-Kampagne, denn darin wird das Projekt und die Menschen dahinter vorgestellt. Häufig sehen sich potentielle Unterstützer als Erstes das Video an, hier erfahren sie, wem sie ihr Geld anvertrauen und was sie erwarten dürfen. Diese mediale Form bietet eine gute Möglichkeit, die eigene Motivation emotional und kreativ herüberzubringen.

Mindestanlagebetrag

Dieser Betrag definiert bei manchen Finanzprodukten die Geldmenge, die für eine Investition mindestens erbracht werden muss.

Mezzanine-Kapital

Diese Finanzierungsart ist eine Mischform zwischen Fremd- und Eigenkapital. Im klassischen Fall wird einem Unternehmen Eigenkapital zugeführt, ohne den Kapitalgebern Stimm- oder Mitspracherechte zu gewähren. Je nach Finanzierungsinstrument sind diese eher dem Fremdkapital (nachrangige Darlehen, partiarische Darlehen, typische stille Beteiligung) oder eher dem Eigenkapital (Genussscheine, atypisch stille Beteiligung) zuzuordnen.

Laufzeit

Die Laufzeit ist das in einem Vertragsverhältnis vorgesehene Zeitfenster, nach dem eine vertragliche Beziehung beendet wird und beide Parteien ihre Leistungen einstellen. Bei Kreditverträgen kommen kurz-, mittel- oder langfristige Laufzeiten in Frage, an deren Ende der Kredit zur Rückzahlung fällig ist. Auch bei Geldanlagen sind fest vereinbarte Laufzeiten die Regel. Bei strukturierten Anlageprodukten (KG-Modelle) gibt es zum Teil auch nur prognostizierte Laufzeiten, weil die tatsächliche Laufzeit von einem Beschluss der Gesellschafter abhängig ist.

Kleinanlegerschutzgesetz

Das Kleinanlegerschutzgesetz trat 2015 in Kraft, es setzt Grenzen, wie viel Geld Unternehmen von Anlegern einwerben dürfen. Insbesondere mit der Anpassung des Vermögensanlagengesetzes wurden teilweise neue Pflichten eingeführt. Speziell partiarische Darlehen und Nachrangdarlehen zählen nun ebenfalls zu den Vermögensanlagen. Sie unterliegen grundsätzlich den Regelungen des Vermögensanlagengesetzes einschließlich der Pflicht zur Veröffentlichung eines von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gebilligten Verkaufsprospektes, der über die Risiken des Investments informiert.

Unter bestimmten Voraussetzungen sind Schwarmfinanzierungsprojekte in Form von partiarischen Darlehen und Nachrangdarlehen von der Prospektpflicht befreit, nämlich wenn der Verkaufspreis sämtlicher vom Anbieter angebotenen Vermögensanlagen desselben Emittenten 2,5 Millionen Euro nicht übersteigt. Die Befreiung von der Prospektpflicht gilt jedoch nur für Vermögensanlagen, die ausschließlich im Wege der Anlageberatung oder Vermittlung über eine Internet-Dienstleistungsplattform vermittelt werden.

Institutionelle Anleger

Im Gegensatz zu Privatanlegern sind institutionelle Anleger in der Regel juristische Personen wie zum Beispiel Kapitalverwaltungsgesellschaften, Banken, Versicherungen, Pensionsfonds oder die öffentliche Hand. Da es sich um hohe Kapitalanlagen handelt, ist dafür ein in kaufmännischer Weise eingerichteter Geschäftsbetrieb erforderlich.

Fundingschwelle

Die Fundingschwelle richtet sich nach dem Kapitalbedarf des Unternehmens. Es ist die Mindestsumme, die erreicht werden muss, damit ein Investment zustande kommt. Wenn diese Fundingschwelle nicht erreicht wird, erhält die Crowd ihr Geld zurück.

Fundingphase

Den zeitlichen Rahmen, in dem Unterstützer in ein Projekt investieren können, nennt man Fundingphase.

Fundinglimit

Hierunter versteht man die maximale Summe, die insgesamt von der Crowd beigesteuert werden kann, beziehungsweise der maximale Finanzierungsbetrag, den das Unternehmen oder Projekt benötigt.

Fremdkapital

Fremdkapital wird einem Unternehmen von seinen Gläubigern in Form von Bankdarlehen, Lieferantenkrediten oder Anleihen zur Verfügung gestellt. Es muss zu einem bestimmten Zeitpunkt und Zinssatz zurückgezahlt werden.

Freistellungsauftrag

Anleger können einen Freistellungsauftrag bei der Bank einreichen, um anfallende Zinseinnahmen, die aus Kapitalerträgen stammen, vom automatischen Steuerabzug freizustellen. Tun sie dies nicht, sind die Banken dazu verpflichtet, 25 Prozent Einkommenssteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer an das zuständige Finanzamt zu zahlen. Der Anleger bestimmt den Anteil des Sparerfreibetrages, bis zu dem das Geldinstitut keine Abgeltungsteuer abführen soll. Er kann Freistellungsaufträge gegenüber mehreren Banken erteilen, diese dürfen jedoch in der Summe den Sparerfreibetrag nicht übersteigen. Dieser beträgt bei Alleinlebenden 801 Euro, bei zusammen veranlagten Ehepartnern 1.602 Euro.

Emittent

Ein Emittent ist eine öffentliche Körperschaft oder ein Unternehmen, das zwecks Kapitalbeschaffung Wertpapiere herausgibt. Im Falle von Unternehmen handelt es sich meist um Aktien, bei öffentlichen Körperschaften, dem Staat oder anderen Institutionen um Anleihen.

Eigenkapital

Hierunter versteht man das Kapital, das die Gesellschafter, d. h. die Personen, die Anteile an einer Firma besitzen, dem Unternehmen unbefristet und nicht rückzahlbar zur Verfügung stellen. Das Eigenkapital ist die Differenz von Vermögen und Fremdkapital (Schulden). Es trägt das Verlustrisiko und übernimmt für die Verbindlichkeiten gegenüber den Gläubigern eine auf seine Höhe beschränkte Haftung (Haftungskapital). Der Eigenkapitalgeber hat keinen Anspruch auf Verzinsung oder Tilgung, jedoch auf die erwirtschafteten Gewinne und den Liquidationserlös. Demzufolge entstehen Erhöhungen des Eigenkapitals durch Gewinn oder Einlagen, Verringerungen durch Verlust oder Entnahmen.

Darlehen

Der Begriff Darlehen bezeichnet einen schuldrechtlichen Vertrag. Hierbei überlässt der Darlehensgeber dem Darlehensnehmer Geld für einen bestimmten Zeitraum und erhält dafür im Gegenzug eine zuvor festgelegte Gebühr, den Darlehenszins. Im Unterschied zu einem Kredit kann ein Darlehen neben finanziellen Mitteln auch die Überlassung von Gegenständen beinhalten.

BaFin

Mit dieser Abkürzung ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht gemeint. Die BaFin beaufsichtigt Banken, Finanzdienstleister, private Versicherungsunternehmen und den Wertpapierhandel. Sie soll für die Stabilität der verschiedenen Geldinstitute und für die Integrität des Finanzsystems insgesamt sorgen. Es handelt sich um eine rechtsfähige deutsche Bundesanstalt, die der Rechts- und Fachaufsicht des Bundesministeriums der Finanzen unterliegt. Die BaFin wird durch Gebühren und Umlagen der beaufsichtigten Institute und Unternehmen finanziert.

Abo-Crowdfunding

Während klassisches Crowdfunding auf eine einmalige Unterstützung ausgelegt ist, handelt es sich beim Abo-Crowdfunding um eine Lösung für den langfristigen Finanzierungsbedarf. Durch regelmäßige Zahlungen, ähnlich wie bei einem Zeitungsabonnement, werden die Unterstützer längerfristig gebunden. Plattformen für laufende Zahlungen sind beispielsweise der auf englischsprachige User ausgerichtete Dienst „Patreon“ oder die deutsche Plattform „Steady“, die unter anderem von Journalisten und Bloggern für ihre Projekte genutzt wird.

Abgeltungssteuer

Auf Kapitalerträge (§ 20 EStG) sind seit 2009 pauschal 25 Prozent Abgeltungssteuer zu zahlen, diese ersetzt die bisherige Besteuerung von Kapitaleinkünften. Die Kapitalerträge müssen nun nicht mehr in der jährlichen Einkommensteuererklärung aufgeführt werden, da die Steuerpflicht für den Privatanleger mit der automatisch einbehaltenen Steuer abgegolten ist.