Text: Robert Fanderl

Bei einem Crowdinvesting für Energie-Projekte können Anleger in ökologisch sinnvolle Vorhaben investieren. Mit den zweckgebundenen Projektgeldern werden ökologisch und ökonomisch vernünftige Energie-Maßnahmen umgesetzt, die zu Kosten-, Energie- und CO2-Einsparungen führen. Im Gegenzug werden die Anleger finanziell an den erzielten Einsparungen beteiligt.

Projekte in Entwicklungsländern müssen nicht ausschließlich aus Spenden finanziert werden. Zahlreiche Projekte sind in der Lage, Erlöse zu erwirtschaften und investierte Gelder zurückzuzahlen. Bei allen Projekten gibt es neben den ökologischen und ökonomischen Vorteilen noch einen sozialen Aspekt. So führt zum Beispiel die Installation einer Photovoltaikanlage zu einer gesicherten Stromversorgung und meist auch zu einer Verbesserung der Lebenssituation vor Ort. In der Regel wird der Strom bei diesen Projekten auch direkt vor Ort verbraucht und nicht ins Netz eingespeist. Das hat den Vorteil, dass die Projekte nicht von politisch festgelegten Einspeisetarifen abhängig sind.

Anleger können sich über ein Crowd-Darlehen an einem ausländischen Energie-Projekt beteiligen, anstatt Geld an eine Hilfsorganisation zu spenden. Marilyn Heib, Geschäftsführerin der bettervest GmbH, nennt das eine „Win-Win-Win-Situation“ für alle Beteiligten. Darunter versteht bettervest

  1. die Investoren können in eine alternative Geldanlage investieren und erhalten im Durchschnitt höhere Renditen im Vergleich zu herkömmlichen Geldanlagen,
  2. die Umwelt profitiert davon, da CO2 eingespart wird und
  3. es werden ausländische Projekte gefördert, die Menschen vor Ort eine Perspektive geben und häufig auch dabei helfen den Lebensunterhalt zu verdienen.

Das Investment bleibt also im besten Fall nicht nur eine Spende, sondern ist eine nachhaltige und sozial sowie ökologisch sinnvolle Geldanlage. Bei bettervest nennt man das auch Entwicklungshilfe 2.0.

Ähnlich denkt man bei ecoligo, wobei sich die Firma auf Gewerbe- und Industriekunden in Afrika als Endabnehmer des Stroms konzentriert: „Die hohen Stromkosten in vielen afrikanischen Ländern wie beispielsweise Kenia führen nicht nur dazu, dass lokale Firmen in ihrer Wettbewerbsfähigkeit bedroht sind, sondern stehen auch im direkten Zusammenhang mit der Wirtschaftsentwicklung des Landes. Obwohl Solaranlagen technisch und ökonomisch attraktive Lösungen darstellen, werden diese aufgrund struktureller Probleme bisher nicht finanziert. ecoligo löst dieses Finanzierungsproblem und bietet Geldanlegern in Deutschland gleichzeitig nachhaltige Investitionsmöglichkeiten.“, sagt Markus Schwaninger, Gründer und Geschäftsführer der ecoligo GmbH, der bereits seit 2010 im Erneuerbare Energien Sektor in Kenia arbeitet.

Crowdinvesting für Projekte in Afrika kann auf verschiedene Arten stattfinden

1. Der Normalfall

Bei der typischen Beteiligungsstruktur begibt ein deutsches Unternehmen ein Nachrangdarlehen an die Crowd. Mit diesem Geld wird in Afrika über die Zwischenschaltung/Beauftragung einer ausländischen Projektgesellschaft das Energie-Projekt realisiert. Zwei Beispiele:

bettervest „Photovoltaikanlage für die Alpha Beta Schule in Accra/Ghana“
Alpha Beta Schule in Accra GhanaUm Energiekosten zu sparen, sollen bei diesem Projekt das Hauptgelände der internationalen Schule, der ebenfalls vorhandene Kindergarten, das dazugehörige Boarding Haus (Internat) und die Residenz (Wohnhaus) des Direktors mit einer Solaranlage ausgerüstet werden. Dafür wurde die UMAWA Deutschland UG (haftungsbeschränkt) gegründet, um über die bettervest Crowdfunding Plattform Kapital für die Umsetzung von Solaranlagen-Projekten in Ghana zu beschaffen. Die Umsetzung des Projektes erfolgt dann durch die UMAWA Ltd, eine ghanaische Firma mit ghanaischer Führung. Die Schule wird die PV-Anlage von der UMAWA Ltd. im Mietkauf erwerben. – Projekt anschauen

ecoligo „Solaranlage Penta Flowers in Kenia“
Solaranlage Penta Flowers in KeniaPenta Flowers, ein Familienunternehmen das Fairtrade-Rosen nach Europa exportiert, hat sich für die Nutzung von Solarenergie entschieden. Die Blumenfarm wird zukünftig über zwei Solaranlagen, die von Ariya Leasing betrieben werden, versorgt. Der Darlehensnehmer Kenya Projects One UG (haftungsbeschränkt) ist eine Emissionsgesellschaft (Ein-Zweck-Gesellschaft), die kein eigenes operatives Geschäft betreibt, sondern den einzigen Zweck hat, die in Deutschland eingeworbenen Nachrangdarlehen von Crowdinvestoren an den in Kenia ansässigen Projektbetreiber Ariya Leasing in Form eines weiteren Darlehens weiterzuleiten. Der Projektbetreiber Ariya Leasing hat mit Penta Flowers einen Leasing-Vertrag geschlossen. Aus den Einnahmen dieses Leasing-Vertrages soll die Rückzahlung und Verzinsung des Crowd-Darlehens ermöglicht werden. – Projekt anschauen

2. Internationales Crowdfunding

Bislang wurden bei Auslandsprojekten immer nur deutsche Unternehmen finanziert, die eine Maßnahme in einem anderen Land durchgeführt haben. bettervest bietet nun erstmals an, ein ausländisches Unternehmen zu finanzieren.

Projektinhaber Rubitec Utilities wird im Rahmen dieses Projektes eine Solaranlage mit Batterien und lokalem Verteilnetz im Dorf GbamuGbamu in Nigeria errichten, die das Dorf mit grünem Strom versorgen sollen. Das Projekt wird von der EU und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) als Teil des Energiepolitikberatungsvorhabens, das von der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) durchgeführt wird, in der Initialphase bis September 2017 gefördert.

Rubitec Utilities konnte sich als Projektentwickler bei einem von der GIZ ausgeschriebenen Wettbewerb zur Dorfstromelektrifizierung im Bundesstaat Ogun durchsetzen. Insgesamt haben sich für Projekte in 5 Bundesstaaten neben Rubitec Utilities vier weitere nigerianischen Firmen gegenüber 30 anderen durchgesetzt.

3. Spezialfall

solarcontainerDas Projekt „Solarcontainer“ wurde ganz speziell auf die Bedürfnisse in Afrika zugeschnitten. Die Firma Mobile Solarkraftwerke Afrika GmbH & Co. KG hat mit bettervest das weltweit erste mobile Solarkraftwerk als Mietkaufmodell über Crowdfunding finanziert. Aufgrund der mobilen Containerbauweise können die Solarcontainer im Falle eines Risikos oder eines Zahlungsausfalls sofort mit einem normalen Truck abtransportiert und an einen anderen Einsatzort gebracht werden. Außerdem kann die Anlage innerhalb von rund einer halben Stunde auf- und abgebaut werden, wodurch sie gut gegen auftretende Sandstürme geschützt werden kann. Weitere Container wurden zwischenzeitlich mit GreenVesting und Crowd4Climate finanziert. – zu Africa Greentec

Risikoaspekte 

1. Wechselkursrisiken

Die ausländischen Vertragspartner schulden in der Regel fixe Zahlungen in Euro, so dass für die Crowd kein unmittelbares Wechselkursrisiko besteht. Trotzdem bleibt ein Risiko. Wenn der ausländische Projektpartner nur Einnahmen in lokaler Währung erzielt, aber Zahlungsverpflichtungen in Euro hat, bedeutet dies aufgrund der oft hohen Inflationsraten in Afrika, dass immer höhere Belastungen in einheimischer Währung anfallen, um die fixen Euro-Beträge leisten zu können. Früher oder später könnte sich hier eine zu hohe Belastung einstellen, was letztlich zur Zahlungsunfähigkeit führen könnte. Besser sieht es aus, wenn der ausländische Projektpartner selbst Einnahmen in Euro erzielt, weil er zum Beispiel Erlöse aus Exporten nach Europa generiert.

2. Fremder Rechtskreis

Bei Leistungsstörungen müssen die Ansprüche der Crowd möglicherweise vor einem ausländischen Gericht geltend gemacht werden. Neben dem Kostenrisiko bleibt dann noch die Frage, ob ein gerichtlich erwirkter Titel tatsächlich geltend gemacht werden kann oder soll.

3. Unscharfe Projekttrennung

Wenn verschiedene Projekte nicht über getrennte, sondern über eine einzige Projektgesellschaft finanziert werden, besteht das Risiko, dass der Misserfolg bei einem Projekt Einfluss auf die Crowdfinanzierungen der anderen Projekte hat. Würde sich zum Beispiel aus dem Betrieb des ersten Solarcontainers ein so massiver Verlust ergeben, dass die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Mobile Solarkraftwerke Afrika GmbH & Co. KG beeinträchtigt wird, dann besteht das Risiko, dass auch die anderen Crowd-Finanzierungen für die Solarcontainer zwei bis fünf nicht mehr bedient werden können.

Fazit

Bei Energie-Projekte in Afrika tritt neben die ökologischen und ökonomischen Vorteile noch ein sozialer Aspekt. Es werden Projekte gefördert, die Menschen vor Ort eine Perspektive geben und häufig auch dabei helfen den Lebensunterhalt zu verdienen. Die Verzinsung solcher Projekte ist in der Regel höher als bei vergleichbaren Projekten in Deutschland. Dem stehen allerdings auch höhere Ausfallrisiken gegenüber.