Warum sich Gründer mit Crowdfunding beschäftigen sollten, erklärt Stephan Popp im Gastbeitrag. Der Crowdfunding-Experte hat seit 2010 mehr als 500 Projekte beraten und mit dem Crowdfunding Campus den ersten deutschen Bildungsträger für Schwarmfinanzierungen gegründet.

Autor: Stephan Popp

Die Anfangsphase einer Gründung gleicht einer Achterbahnfahrt: Mal läuft es super, mal überhaupt nicht. Weil wir es meistens mit Annahmen zu tun haben. Wer ist deine Zielgruppe, ist sie überhaupt vorhanden? Gibt es den anvisierten Markt und welchen Preis kannst du für dein Produkt verlangen? Crowdfunding ist ein Inkubator für deine Idee. In einem kurzen Zeitraum kannst du mit einer Kampagne alle deine Annahmen überprüfen und Sicherheit gewinnen. Außerdem baust du einen Kundenstamm auf, machst Kundenservice, generierst Eigenkapital und erhältst so immer wieder Wegweiser, damit du in die richtige Richtung gehst. Das wichtigste ist eben: du stützt dich nicht auf Annahmen, sondern Tatsachen. Gleichzeitig startest du eine Community, die dich motiviert und antreibt, gerade in der frühen Phase wo man sich oft unsicher ist. Es gibt wenig Vergleichbares zu dem Gefühl, dass “da draußen” Menschen sind, die deine Idee großartig finden!

Der Aufwand einer Kampagne

Ein Großteil der Aufgaben, die ein Crowdfunding mit sich bringt, entsteht während einer Gründung auch so, ohne Crowdfunding. Zum Beispiel, dass du dir Gedanken über dein Produkt und deine Zielgruppe machst. Dass du deine Geschäftsidee kurz und knackig beschreiben kannst. Es kommt allerdings auch Aufwand hinzu. Wie zum Beispiel die Erstellung eines Kampagnenvideos. Das wiederum ist mit gutem Storytelling um einiges einfacher.

Eignet sich mein Vorhaben für Crowdfunding?

Jedes Vorhaben muss individuell beleuchtet werden. Es lohnt sich, im Vorfeld eine Beratung durch einen Spezialisten in Anspruch zu nehmen. Hierzu gibt es kostenfreie Angebote. Was für jedes Crowdfunding gilt: du solltest generell zulassen, dass deine Idee in der Gemeinschaft größer und stärker wird. Wer seine Idee lieber selbst komplett für sich im Kämmerchen ausbrütet, tut sich in einem Crowdfunding schwer.

Kosten

Im Durchschnitt generiert ein erfolgreiches Crowdfunding in Deutschland 8.000 Euro. Dieser Betrag deckt nicht die durchschnittlichen Gründungskosten von 25.000 Euro ab, die der KfW Gründermonitor ermittelt hat. Crowdfunding kann also der “Steigbügel” zu einer Anschlussfinanzierung sein. Häufig sind Bankdarlehen und Fördermittel für Existenzgründer mit einem Eigenkapital verbunden. Oft werden dir zum Beispiel Gründerdarlehen in Höhe von 20.000 Euro zur Verfügung gestellt, wenn du einen Eigenkapitalanteil von 5.000 Euro erbringst. Wenn du zu den Personen gehörst, die keinen Finanzpuffer besitzen, stehen dir diese Finanzierungswege meist nicht zur Verfügung. Was dazu führt, dass nicht jeder mit einer guten Idee auch gründet.
Nutzt du Crowdfunding, kannst du den Eigenkapitalanteil gemeinsam mit der Crowd generieren. Auch freuen sich Banken natürlich immer über einen belastbaren Businessplan. Dabei hilft dir Crowdfunding. Nach deiner Kampagne hast du erste Umsätze durch Verkäufe, kannst den Markt besser einschätzen und hast eine Rückmeldung durch deine Unterstützer zu deinem Produkt oder deiner Dienstleistung.

Das passende Crowdfunding-Modell

Bei einem Reward-based Crowdfunding investieren Menschen in dich und in deine Idee. Im Crowdinvesting investieren Menschen in ihre Rendite. Daher empfehlen wir für Gründer und Startups meistens Reward-based Crowdfunding, also das auf Gegenleistungen basierende Crowdfunding.
Denn hier erhältst du die Möglichkeit, deinen Unterstützern Gegenleistungen in Form von Produkten und Dienstleistungen anzubieten. Im besten Fall handelt es sich dabei genau um die Produkte oder Dienstleistungen, die du zukünftig deiner Zielgruppe verkaufen möchtest. Durch den Vorabverkauf innerhalb des Crowdfundings generierst du Eigenkapital durch Umsätze.
Bei anderen Ausrichtungen handelt es sich meist um Fremdkapital — durch ein Darlehen, das du innerhalb der Crowd aufnimmst. Deine Geldgeber musst du hier natürlich auch überzeugen. Sie investieren allerdings vor allem deswegen, weil sie eine Rendite erwarten und müssen nicht zwingend zu deinen potenziellen späteren Kunden gehören.

Zeitaufwand zur Vorbereitung und Durchführung einer Kampagne

Du solltest drei bis vier Monate für die Vorbereitung investieren. Hinzu kommt ein Monat, in dem deine Crowdfunding Kampagne online ist und unterstützt werden kann. Bedenke dabei aber, dass die Vorbereitung deiner Crowdfunding Kampagne clever mit deiner Gründung kombiniert werden kann und du somit diese Zeit nicht addieren musst. Das Crowdfunding kann deinen Gründungsprozess sogar deutlich beschleunigen, indem es dich zwingt, Dinge umzusetzen und fertigzustellen. Führst du ein Crowdfunding mit der Unterstützung eines Spezialisten durch, kann sich die Vorbereitungszeit auf bis zu zwei Monate reduzieren und die Erfolgswahrscheinlichkeit steigt deutlich.

Zum Autor Stephan Popp

Stephan Popp gilt als einer der erfahrensten Crowdfunding-Experten in Deutschland. Er hat seit 2010 mehr als 500 Crowdfunding-Projekte beraten und im letzten Jahr den Crowdfunding Campus gegründet.

Crowdfunding Campus
Der Crowdfunding Campus hat als Bildungsträger ein Einzelcoaching für diejenigen entwickelt, die sich mit einem Crowdfunding selbstständig machen.
www.crowdfunding-campus.de