Am Freitag Abend (17.10.) hat die Plattform crowdfunding-berlin.com zu einer Podiumsdiskussion zum Thema Crowdfunding und öffentliche Kulturförderung geladen. Es diskutierten der Berliner Kulturstaatsminister Tim Renner, Anna Theil (Startnext), Karsten Wenzlaff (German Crowdfunding Network), Ines Zimzinski (Crowdfans), Wolfgang Barnick (WeTek Berlin gGmbH / ArtWert) und Stefanie Kinsky (C/O Berlin).

Eröffnungstatement durch Tim Renner

Gleich zu Anfang bekannte sich der ehemalige Musiklabelboss zu Crowdfunding. In einer kleinen Eröffnungsrede berichtete Renner von zwei Crowdfunding Projekten die er selbst begleitet hat. Er stellte klar, dass Crowdfunding nichts mit betteln zu tun hat, sondern vielmehr damit die Menschen mit auf eine Reise zu nehmen. In seiner Funktion als Kulturstaatsminister wandte er sich mit drei klaren Messages an das Publikum:

  1. Crowdfunding bietet Vorteile für die Projektiniatoren, da diese in direkten Austausch mit Ihren Fans kommen (Kundenmanagement)
  2. Crowdfunding ist vom Land Berlin ausdrücklich gewünscht
  3. Das Land Berlin macht sich Gedanken, wie Crowdfunding in die Förderlogik eingebunden werden kann

Im Anschluss an das Eröffnungsstatement folgte die Podiumsdiskussion mit Tim Renner und den fünf Vertretern der Berliner Crowdfunding Szene. Die Highlights im Überblick:

Erfahrungsaustausch: Crowdfunding für Kulturprojekte

Stefanie Kinsky von C/O Berlin berichtete von ihrer Crowdfunding Aktion, bei der die Austellungsmacher erfolgreich 122.000 Euro gesammelt haben um den Ausbau der Klimatechnik in den neuen Räumlichkeiten zu bezahlen. Laut Stefanie Kinsky ein anstrengender aber lohnender Weg und toller Erfolg, der vor allem auch an dem eingespielten C/O Team lag. Anna Theil von Startnext (Deutschlands führender Crowdfunding Plattform für Kulturprojekte) betonte, dass insbesondere die Wissensvermittlung und das Coaching im Vorfeld entscheidende Erfolgsfaktoren sind.

Öffentliche Förderung von Crowdfunding Coaching

Beim Punkt Wissensvermittlung gab Ines Zimzinski ein leidenschaftliches Statement dafür Crowdfunding Beratung öffentlich zu fördern. Wichtig sei es allerdings die Förderung über ein Gutschein-System abzuwicklen und sich nicht nur auf kostenlose Beratung aus öffentlicher Hand zu fokussieren, um die freie Beraterszene nicht zu gefährden. Karsten Wenzlaff schloss sich dieser Forderung an und stellte die These auf, dass Hamburg „crowdfundingmäßig platt ist“, weil die städtische Crowdfunding-Plattform Nordstarter alles aufsaugt (neben dem städtisch geförderten Angebot, gibt es keine Möglichkeit für andere Crowdfunding Angebote sich auf dem freien Markt zu etablieren).  Tim Renner stellte klar, dass es nach dem Subsidiaritätsprinzip ausdrücklich darum geht, dem freien Markt nichts wegzunehmen (O-Ton: „es geht nicht darum Märkte auszutrocknen“).

Kombination von Crowdfunding und öffentlicher Förderung

Wolfgang Barnick regte an Fördertöpfe zu schaffen, bei denen öffentliche Förderung und Crowdfunding kombiniert werden. Auf dem Podium entbrannte darauf eine Diskussion darüber, inwieweit schon bestehende öffentliche Förderprogramme Kombinationen mit Crowdfunding erlauben. Es bestand jedenfalls Einigkeit darüber, dass solche Kombinationen wünschenswert sind. Und es wurde der passende Vergleich zu Filmfestivals gezogen, bei denen es einen Jury- und einen Publikumspreis gibt. In einem Co-Funding aus Crowdfunding und öffentlichen Mitteln, könnte ein solches Zusammenspiel von Crowd und einer nominierten Jury die Relevanz und die Qualität der geförderten Projekte sicherstellen.

Stiehlt sich die öffentliche Hand aus der Verantwortung?

gesehen in berlin kreuzberg

Die aus dem Publikum kritisch gestellte Frage, ob sich die öffentliche Hand aus der Verantwortung zieht, indem die Projektiniatoren an Crowdfunding verwiesen werden, wurde von breitem Publikumsapplaus begleitet. Ein Indiz auf bestehende Schwellenängste  innerhalb der Berliner Kulturszene zum Thema Crowdfunding.

Es folgte eine kontrovers geführte Diskussion darüber, inwieweit Kunst generell marktfähig ist und inwieweit Künstler durch Crowdfunding unter Selbstvermarktungdruck gesetzt werden. Einigkeit bestand darin, dass Crowdfunding nicht für jeden das zwangsläufig passende Finanzierungsmittel ist.

Tim Renner stellte auch eindeutig klar, dass Crowdfunding als Ergänzung und nicht als Ersatz für öffentliche Mittel zusehen ist: die öffentlichen Gelder für Kulturförderung sollen nicht zurückgefahren werden! Er appellierte aber sich auch im Sinne der Kompetenzerweiterung mit dem Thema Crowdfunding auseinanderzusetzen. Zum einen um weniger abhängig von bürokratischen Förderanträgen zu werden, zum anderen um die positiven Crowdfunding Nebeneffekte zu realisieren.

Anna Theil schloss die Diskussionsrunde mit einem klar formulierten Satz, der auf dem Punkt bringt worum es beim kulturellen Crowdfunding geht: Bürgerschaftliches Engagement! Ein schönes Schlussstatement, dem sich wohl alle anschließen können.

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