Mittelstandsfinanzierung über die Crowd

Best Practice: Voelkel

Voelkel ist ein auf Bio-Säfte spezialisiertes Familienunternehmen, das aktuell in der 3. und 4. Generation geführt wird. Das mittelständische Unternehmen beschäftigt rund 170 Mitarbeiter und erzielte 2015 einen Umsatz von 52 Mio. Euro.

Anfang 2017 hat Voelkel über die Plattform Finnest eine Crowdfinanzierung in Höhe von 1,5 Mio. Euro durchgeführt.

Interview mit Jurek Voelkel, Leiter Marketing und Vertrieb Voelkel GmbH

Jurek Voelkel

Über das Crowdfunding konnte Voelkel 1,5 Mio. Euro einsammeln. Wofür benötigen Sie das Geld?

Finanziert wird durch die Crowinvesting Kampagne eine neue Mehrweglinie in unserem Hause. Effizienter und schonender im Umgang mit den natürlichen Ressourcen – das soll die neue Produktionslinie für unsere Naturkostsafterei bieten – und einen verbesserten Output an schmackhaften Saftkreationen. Damit unser innovatives Familienunternehmen auch in Zukunft wieder jedes Jahr spannende und leckere Neukreationen auf den Markt bringen kann.

Wie wurden die Konditionen für das Crowdinvesting – also der Zinssatz und die Laufzeit – festgelegt?

Das Verfahren haben wir gemeinsam mit unserem Finanzpartner Finnest festgelegt. Dies ist eine Crowdinvesting Plattform, die ausschließlich etablierte mittelständische Unternehmen in Kapitalfragen unterstützt. Sie stand uns mit Ihrem Know how bei diesem, für uns neuen, Weg der Finanzierung partnerschaftlich zur Seite. Der Zinssatz hat sich aus einem auktionsähnlichen Verfahren ergeben.

Warum haben Sie sich für ein Crowdfunding entschieden? Wären klassische Finanzierungswege nicht günstiger und unkomplizierter?

Unser Familienbetrieb ist für seine Innovationskraft bekannt. Ob bei der kreativen Erweiterung des saftigen Bio- und Demeter-Sortimentes oder bei der Regelung der Firmenzukunft durch die Gründung von zwei Stiftungen. Nun sind wir eben auch im Bereich Finanzierung einmal ganz neue Wege gegangen. Den größten Anteil der benötigten Summe für die neue Mehrweglinie bekommen wir allerdings auf konventionellem Wege von unserer Hausbank.

Woher kamen die Crowdinvestoren? Über die Plattform Finnest oder haben Sie ihre eigenen Kanäle genutzt, um Investoren zu gewinnen?

Die Investoren kommen aus beiden Bereichen.

Inwieweit mussten Sie der Crowd vertrauliche Geschäftszahlen offenlegen? 

Wir sind ein sehr transparentes Unternehmen und veröffentlichen beispielsweise in jedem Jahr einen Nachhaltigkeitsbericht, wo wir diverse Geschäftszahlen offen legen. Da fiel uns die Entscheidung zur Veröffentlichung jetzt leicht.

Wie oft und in welchem Ausmaß informieren Sie die Crowdinvestoren nach dem erfolgreichen Funding? Wie hoch der Aufwand für die Reportings?

Neben der finanziellen Beteiligung an den erwarteten Erträgen aus der neuen Mehrweglinie des Marktführers für Getränke im Biofachhandel bekommen unsere Neu-Investoren ein besonderes Highlight geboten. Ab einem Investment von 5.000 Euro bekommen sie regelmäßig eine Auswahl exklusiver Neuprodukte aus dem Hause Voelkel zum Verkosten. Zusammen mit der Zinsabrechnung wird den Investoren ein kurzer Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr zugestellt. Dieser wird ein Auszug aus unserm Berichtswesen sein und damit keinen wesentlichen zusätzlichen Aufwand darstellen.

Wie lautet Ihr Zwischenfazit? Können Sie anderen mittelständischen Unternehmen die Finanzierung über die Crowd empfehlen?

Wir sind selber ein wenig von der sehr guten Resonanz überrascht worden und können anderen Mittelständlern so ein Projekt wärmstens weiterempfehlen. Wir selbst werden bei weiteren zukünftigen Investitionen ein Crowdfunding als ergänzende Finanzierung mit einbeziehen.

Vielen Dank für das Interview!