Text: Robert Fanderl

Bei einer Crowdfinanzierung wird einem Unternehmen durch eine Vielzahl von Anlegern Kapital zur Verfügung gestellt. Dies geschieht entweder als Eigen- oder als Fremdkapital. Im ersten Fall hat der einzelne Anleger aufgrund der meist betragsmäßig kleinen Kapitalüberlassung nur einen minimalen Anteil am Eigenkapital und somit auch kein nennenswertes Mitspracherecht auf der Gesellschafterversammlung. Als Fremdkapitalgeber hat ein Anleger schon per se kein Mitspracherecht, muss aber darüber hinaus oft auch noch einen qualifizierten Nachrang akzeptieren. Er steht damit im Falle einer Insolvenz an letzter Stelle aller Gläubiger.

Vor diesem Hintergrund könnte das Modell einer Genossenschaft für die Crowd einen echten Mehrwert bieten. In einer Genossenschaft schließen sich interessierte Mitglieder zusammen, um ein gemeinschaftliches Ziel zu verfolgen. Es gibt keine begrenzte Mitgliederzahl, ein Beitritt ist daher grundsätzlich jederzeit möglich.

Wesentliche Merkmale einer Genossenschaft

  • Gleichberechtigung der Mitglieder untereinander ohne Rücksicht auf die Höhe ihrer Kapitalbeteiligung an der Genossenschaft. Jedes Mitglied hat eine Stimme. Dadurch ist die Genossenschaft vor der Dominanz Einzelner geschützt.
  • Der gemeinschaftlich begründete Geschäftsbetrieb und die Förderung der Mitglieder steht im Mittelpunkt der Geschäftspolitik.
  • Jede Genossenschaft gehört einem gesetzlichen Prüfungsverband an. Dieser Genossenschaftsverband nimmt in regelmäßigen Zeitabständen eine Jahresabschlussprüfung vor. Die regelmäßige Prüfung kann Geschäftspartner und Mitglieder vor finanziellem Schaden schützen.

Eine Genossenschaft kann somit im Vergleich zu anderen Schwarmfinanzierungen einen erhöhten Grad der Teilhabe und Mitbestimmung bieten. Ferner könnte man von einem nutzenbasiertem Crowdinvesting sprechen, da die Förderung der Mitglieder im Mittelpunkt der Genossenschaft steht. Ein Nachteil ist die fehlende Funding-Schwelle. Wird diese bei der „klassischen“ Schwarmfinanzierung nicht erreicht, kommt es nicht zu der angestrebten Projektrealisierung und die Crowd erhält ihr Geld zurück. Bei einer Genossenschaft bleibt die Crowd Mitglied, auch wenn die Realisierung eines Projektes nicht möglich ist. Dann ist es wichtig, dass in der Genossenschaft eine strenge Kostenkontrolle erfolgt, damit die eigentlich für Projekte vorgesehenen Einlagen der Mitglieder nicht durch laufende Verwaltungskosten verbraucht werden.

Eine „crowdfinanzierte Genossenschaft“ basiert auch auf einer transparenten Kommunikation. Die Projekte, die finanziert werden sollen, werden vorab kommuniziert und es werden klare Meilensteine hinsichtlich der Projektumsetzung festgelegt. Die gesamte Kommunikation als auch das Einwerben der genötigten Mittel erfolgt über das Internet. Die Vorgehensweise entspricht einer klassischen Crowdfunding-Kampagne.

Aktuelle Anbieter

Permagold möchte dazu beitragen, dass sich Permakultur als ökologisch wertvolle und ökonomisch attraktive Landwirtschaft etabliert und alle Menschen mit nährstoffreichen und schadstofffreien Lebensmitteln versorgt. Um Permakultur zu etablieren, kauft oder pachtet Permagold Böden in Europa und baut mit lokalen Landwirten Permakultur-Betriebe auf. Faktisch finanziert Permagold als Genossenschaft die Umstellung auf Permakultur, schult die Landwirte und andere Interessierte und vertreibt anschließend die gesunden Lebensmittel auf eigene Rechnung. Die Landwirte konzentrieren sich auf die regenerative Landwirtschaft, Permagold auf die Vermarktung.

Die ersten drei lokalen Projekte sind bereits bekannt: reine, pestizidfreie Bio-Shiitake-Pilze, reines Bio-Wasser aus dem Schieferfels eines erzgebirgischen Naturschutzgebietes sowie fünf Hektar Permakultur zur Umsetzung eines eigenen Pflanzenkonzeptes.

Die Kulturland Genossenschaft ist eine Gemeinschaft von Landwirten und Bürgern, die es sich zu Aufgabe gemacht haben, landwirtschaftliches Land aus der Spekulation zu befreien. Mit dem Geld aller Genossen erwirbt die Kulturland eG landwirtschaftliche Flächen, um sie langfristig zu sichern und zu günstigen Konditionen an Höfe, die ökologisch wirtschaften und sich darüber hinaus sozial öffnen und bewusst in ihre Region einbinden, zu verpachten. Die Kulturland eG entstand im Jahr 2014 und hat mit dem Geld ihrer Genossen mittlerweile 100 Hektar Land für neun Höfe in ganz Deutschland gesichert.

Weitere Informationen

www.genossenschaften.de