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Crowd als Geldgeber

Crowdfunding als Finanzierungsweg für Startups

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Ein Artikel darüber, wie sich Startups über die Crowd finanzieren können. Dieser Beitrag ist zunächst in einer Langversion im Gründermagazin Startin-Up erschienen.

Von Redaktion am 01. Juli 2016

Crowdfunding gewinnt für Startups zunehmend an Attraktivität als Finanzierungsalternative. Bei einer Umfrage des Deutschen Startup Monitor 2015 nannten 4,4 % Crowdfunding als Finanzierungsinstrument. Im Jahr davor waren es noch 4,1 %. Welches Crowdfunding Modell für ein Startup das passende ist, hängt von der Entwicklungsphase des Unternehmens und von den weiteren Zielen ab, die neben der Finanzierung mit dem Crowdfunding erreicht werden sollen.

Crowdfunding Modelle

Es wird zwischen 4 verschiedenen Crowdfunding Modellen unterschieden (mehr Infos). Für Startups sind insbesondere klassisches reward-based Crowdfunding, Crowdinvesting und Crowdlending interessant. Spenden-Crowdfunding wird wohl nur für gemeinnützige Unternehmungen ein geeigneter Finanzierungsweg sein.

Klassisches Crowdfunding
Beim klassischen Crowdfunding (reward-based Crowdfunding) erhält die Crowd eine konkrete Gegenleistung für ihre Unterstützung. Dabei handelt es sich oftmals um das Produkt, das der Projektstarter realisieren will und ist damit eine Art des Vorverkaufs. Diese Form des Crowdfunding eignet sich von daher ideal zum Test und Launch von neuen Produkten.

Crowdinvesting
Beim Crowdinvesting (equity-based Crowdfunding) wird die Crowd am finanziellen Erfolg der Unternehmung beteiligt. Die Beteiligungsquote bemisst sich dabei an der zum Fundingzeitpunkt unterstellten Unternehmensbewertung. Die Crowdinvestoren werden üblicherweise über die vertraglich festgelegte Laufzeit an den Gewinnen und der Wertsteigerung des Startups bzw. möglichen Exiterlösen beteiligt. Die Beteiligung läuft meist über nachrangige Darlehen, das Geld der Crowd hat damit eigenkapitalähnlichen Charakter.

Als weitere Form des Crowdinvesting werden mittlerweile von mehreren Plattformen sogenannte Venture Loans angeboten. Hier vergibt die Crowd ein nachrangiges, fest verzinsliches Darlehen (oftmals um die 8% p.a.) und ist vor allem für Wachstumsunternehmen geeignet.

Crowdlending
Beim Crowdlending (lending-based Crowdfunding) wird von der Crowd zu einem festen, erfolgsunabhängigen Zins Geld geliehen. Der entscheidende Unterschied zum Crowdinvesting ist, dass die Darlehen beim Crowdlending nicht nachrangig sind. Das Geld der Crowd ist Fremdkapital für das Startup.

Für Startups bieten sich also verschiedene Crowdfunding-Modelle an. Es gibt auch Startups, die zunächst mit einem klassischen Crowdfunding für ihr Produkt gestartet sind und später in einer Crowdinvestment-Runde der Crowd die Möglichkeit gegeben haben, in ihr Unternehmen zu investieren.

Vorteile für Startups

Eine klassische Crowdfunding-Kampagne eignet sich ideal, um zu testen, ob ein Produkt (bzw. eine Idee) auf positive Resonanz im Markt stößt. Wenn das Crowdfunding, trotz einer gut umgesetzten Kampagne, nicht erfolgreich ist, sollten Gründer diese Rückmeldung aus dem Markt ernst nehmen und ihr Produkt und Konzept überarbeiten. Crowdfunding hilft hier, Risiken zu minimieren, denn die Verbraucheransprache findet statt, bevor in größerem Maße in Produktion investiert wird.

Ein erfolgreiches Crowdfunding ist also immer auch ein Proof of Concept und aussagekräftiger als jede Marktforschung, bei der den Befragungsteilnehmern hypothetische Fragen gestellt werden. Ein Crowdfunding-Erfolg ist somit auch ein starkes Argument, um im Anschluss weitere professionelle Investoren für das Startup zu gewinnen.

Ein weiterer Vorteil: Durch ein Crowdfunding entsteht eine Bindung zwischen dem Startup und der Crowd. Und eine begeisterte Crowd ist – insbesondere auch im Social-Media-Kontext – der perfekte Markenbotschafter für das eigene Produkt und Unternehmen. Kunden, Mitarbeiter und Partner lassen sich durch ein Crowdfunding noch enger an das eigene Unternehmen binden. Oftmals kommt auch inhaltliches Feedback aus der Crowd, das für die Produktverbesserung genutzt werden kann.

Auch der Werbeeffekt einer gut umgesetzten Kampagne ist nicht zu unterschätzen. Vielen Crowdfunding-Projekten gelingt es im Rahmen ihrer Kampagne, eine breite Öffentlichkeit zu erreichen und so auf ihr Angebot aufmerksam zu machen.

Wichtig zu beachten

Crowdfunding ist kein Selbstläufer. Startups sollten sich bewusst sein, dass eine Crowdfunding-Kampagne mit viel Arbeit verbunden ist. Offenheit und Transparenz gegenüber der Crowd sowie die Bereitschaft zum Dialog sind zwingend erforderlich. Da die Crowd dem Startup im Rahmen eines „Vorschusses“ Geld anvertraut, ergibt sich daraus eine Verantwortung, aus der man nach Abschluss der Kampagne nicht entlassen wird. Regelmäßige Updates und eine Kommunikation auf Augenhöhe mit der Crowd gehören dazu. Eine nachlässige Kommunikation mit der Crowd kann zum öffentlichkeitswirksamen Bumerang werden.

Beim Crowdfunding gilt es die entsprechende Interessengruppe zu identifizieren und gezielt anzusprechen. Ein kritischer Erfolgsfaktor besteht darin, der Crowd ein faires Angebot zu machen. Beim klassischen Crowdfunding sollten die Preise für die Rewards fair und realistisch sein. Die Crowd gibt einen Vertrauensvorschuss und finanziert das Projekt vor. Die frühen Unterstützer sollten im Rahmen des Crowdfundings nicht mehr zahlen, als das Produkt später im Laden kosten wird.

Beim Crowdinvesting bildet eine realistische Unternehmensbewertung die Grundlage für einen fairen Investment-Deal mit der Crowd. Auf besondere Risiken und Unwägbarkeiten muss im Vorfeld unbedingt transparent hingewiesen werden! Beim Crowdlending sollte der Zins die Ausfallrisiken fair widerspiegeln.

Die passende Plattform

Es gibt große generalistische Plattformen sowie kleinere, die zum Teil besondere Spezialisierungen oder einen regionalen Fokus haben. Der Vorteil größerer Plattformen liegt darin, dass sie eine breite User-Basis mitbringen, die möglicherweise für das eigene Crowdfunding gewonnen werden kann. Weiterhin verfügen die großen Plattformen durch die Vielzahl abgewickelter Projekte über viel Erfahrung. Die Stärke der kleineren Plattformen liegt oft in der Betreuung und Unterstützung, die nicht selten direkt durch das Führungsteam erfolgt. Spezialisierte Plattformen bringen zusätzlich den Vorteil hoher Branchenexpertise mit.

Der Text basiert auf einem Gastartikel von Michel Harms (Herausgeber crowdfunding.de) im Startin-Up Magazin: zum gesamten Artikel

Photo by Kyle Head on Unsplash

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Autor
Redaktion
Datum
01. Juli 2016
Themen
Finanzierung, Gründen, Startup, Tipps
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