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Interview mit Bernhard Lorig

„Crowdfunding ist aktuell ein sehr wertvolles Instrument, Solidarität zu zeigen.“

Bernhard Lorig
Im Gespräch mit crowdfunding.de erläutert Bernhard Lorig, wie Crowdfunding in der aktuellen Corona-Krise helfen kann. Bernhard Lorig ist Referent des Gründungsbüro der TU/Hochschule Kaiserslautern und ausgewiesener Experte in Sachen Crowdfunding.
Von Redaktion am 29. April 2020

crowdfunding.de: Wie kann Crowdfunding den von der Corona-Krise betroffenen Selbständigen, Kreativen und Unternehmen helfen?

Bernhard Lorig: In einer solchen Zeit muss man kreativ werden und neue Wege gehen. Für viele ist Crowdfunding einer dieser neuen Wege und ganz viele Unternehmrinnen und Unternehmer oder Kreativ- und Kulturschaffende erkennen jetzt, welche eine Kraft darin besteht, etwas gemeinsam mit ihrem Netzwerk zu stemmen. Zu erfahren, dass ihre „Crowd“ für sie da ist und ihnen aus einer schweren Zeit hilft, ist großartig!

Jeder tut und gibt, was er kann und durch die Masse der Crowd wird hier ganz viel möglich gemacht! Crowdfunding ist aktuell ein sehr wertvolles Instrument, Solidarität zu zeigen.

Für wen eignet sich welche Art der Crowdfinanzierung am besten?

Für diejenigen, die in der aktuellen Zeit schnell und unkompliziert Ausfälle kompensieren müssen, ist sicher das Spenden-Crowdfunding oder das Reward-based Crowdfunding (auch Vorverkauf-Crowdfunding genannt / Anm. d. Redaktion) das richtige Instrument. Ich möchte aber dazu anregen, sich nicht auf Spenden zu beschränken, denn etwas für die finanzielle Unterstützung anzubieten, hilft dabei, in einer Zeit Kunden zu binden und Neukunden zu gewinnen, in der man nicht ohne weiteres liefern kann, was Kunden gewohnt sind. Das ist eine große Chance!

Crowdinvesting eignet sich am ehesten für junge Unternehmen, die ein großes Wachstum anstreben und der Crowd eine Beteiligung daran anbieten können. Ich habe das Gefühl, dass sich Crowdlending immer mehr für den Mittelstand etabliert. Das ist eine tolle Entwicklung, ich bin sehr gespannt, wie die Landschaft sich in nächster Zeit entwickeln wird!

Vor was für Herausforderungen stehen die meisten Kampagnenstarter? Kannst Du Tipps geben?

Meiner Erfahrung nach beschäftigen sich viele Starter nicht intensiv genug mit dem Thema und scheitern deshalb schlussendlich, weil sie Crowdfunding nicht umfassend verstanden haben. Ich möchte dazu anregen, sich die tollen Handbücher der Plattformen nicht nur anzuschauen, sondern sie in allen Details durchzuarbeiten und auf die eigene Kampagne anzuwenden! Die sind prall gefüllt mit den Erfahrungen der letzten Jahre!
Auch sehe ich, dass viele Starter sich über die ganz trivialen Dinge nicht genug Gedanken machen: was will ich eigentlich, wer bin ich, warum mach ich das, was ist meine Vision oder Mission und wen kann ich damit begeistern und wen nicht? Es macht Sinn, sich erst dieser Fragen klar zu werden und dann die Kommunikation auch danach auszurichten. Crowdfunding ist wahnsinnig individuell.

Der wichtigste Tipp, den ich geben kann: ihr habt 2 Aufgaben!

  1. Eine tolle Kampagne zu erstellen, die jeden begeistert, der sie findet.
  2. Selbst dafür sorgen, dass die Kampagne gesehen wird, also die Zielgruppe proaktiv zur Kampagne hinführen. Die tollste Kampagne der Welt nützt nichts, wenn niemand davon erfährt.

Die aktuellen Hilfsaktionen finden vor allem lokaler Ebene statt. Was sind die Besonderheiten regionaler Crowdfunding-Kampagnen?

Die Besonderheit ist das bereits bestehende Netzwerk vor Ort und die Identifikation mit dem Projekt. Wer regional agiert, hat sich bereits eine Art Netzwerk aufgebaut, weil es eben zur Essenz der Tätigkeit gehört oder kommt zumindest recht einfach an bestehende Netzwerke oder Multiplikatoren heran. Die Identifikation ist ein ganz entscheidender Vorteil für regionale Projekte, man unterstützt gern, weil man „dazu“ gehört, diese Beziehung besteht und man muss sie nur aktivieren, aber nicht mehr aufbauen.

Wie stehst Du zu der Idee, die Vergabe von öffentlichen Fördermitteln mit einem Crowdfunding verknüpfen?

Das ist die Zukunft der Förderung in Deutschland!

Projekte zeigen in einem Crowdfunding, dass ihre Planungen und Prognosen funktionieren, dass sie Zuspruch erhalten. Eine bessere Grundlage, um über die Vergabe von Fördergeldern zu entscheiden, gibt es nicht.

Durch Crowdfunding werden Prognosen zu Fakten, damit kann man als Förderer arbeiten. Und wenn man herausgefunden hat, dass es nicht so klappt, wie erhofft, ist man keine großen Risiken und Verpflichtungen eingegangen, sondern kann seine Planungen entsprechend anpassen. Ich bin sehr froh, dass bereits viele Fördermittelgeber in Deutschland diese große Chance verstanden haben und würde mich freuen, wenn hier in naher Zukunft noch viel mehr passieren würde.

Kannst Du Dir vorstellen, dass das Thema Crowdfunding gestärkt aus der Krise hervorgeht, also eine breitere Akzeptanz findet?

Absolut! Das Crowdfunding explodiert ja regelrecht derzeit. Ganz viele, die sich vorher noch nicht mit dem Instrument beschäftigt hatten, sehen oder erfahren jetzt selbst, was es bedeutet und wieviel Kraft darin steckt, etwas mit seiner Community, seiner Zielgruppe, seinen Kunden gemeinsam zu stemmen. Manchmal brauch es eine solche schwierige Zeit, um Chancen zu sehen und vor allem sie zu testen!

Ich freue mich darauf, mit IDEENWALD Crowdfunding immer mehr kreativen Menschen bei der Realisierung ihrer Ideen und Projekte in Rheinland-Pfalz und Saarland behilflich zu sein! Packen wir’s an!

Gründungsbüro
Als gemeinsame Einrichtung der Technischen Universität und der Hochschule Kaiserslautern bietet das Gründungsbüro Studierenden der beiden Hochschulen umfassende Unterstützung in der Vorgründungsphase.
www.gruendungsbuero.info

IDEENWALD
IDEENWALD ist eine regionale Crowdfunding-Plattform der akademischen Gründungsförderer von Rheinland-Pfalz & Saarland.
www.ideenwald-crowdfunding.de

Titelfoto: Yukio Tee

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Autor
Redaktion
Datum
29. April 2020
Themen
Corona, Finanzierung
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