Viele Gründer nutzen Crowdfunding zur Finanzierung ihrer Geschäftsidee. Die Business Model Canvas kann Startups eine sehr gute Grundlage bieten, um der Crowd das eigene Geschäftsmodell kompakt und verständlich zu präsentieren.

Im Gastartikel erklärt Julius Pankoke vom SmartBusinessPlan, welche Vorteile die Business Model Canvas bietet.

Autor: Julius Pankoke

Die Debatte um die Sinnhaftigkeit von Geschäftsplanungsmethoden tobt schon solange wie es diese Methoden gibt. Diese oder jene Vorgehensweise wird für tot erklärt und eine andere in den Himmel gehoben, es gibt Gegner, Befürworter, Rechthaber. Besonders der Businessplan wird im Wochentakt für tot erklärt, scheint aber nicht zu verschwinden. Manche Stimmen in der Gründerszene argumentieren, der Plan wäre zu umfangreich, zu sehr auf Anforderungen basierend und wenig aussagekräftig. Die Business Model Canvas bietet sich als Alternative an.

Auf der Suche nach Optionen werden vor allem Möglichkeiten der Geschäftsplanung gesucht, die sich auf das Wesentliche konzentrieren und nicht unnötig kompliziert sind. Genau so eine Alternative hat Gründer und Buchautor Alexander Osterwalder 2008 ins Spiel gebracht: die Business Model Canvas.

Business Model Canvas

Business Model Canvas / Download

Sie erlaubt die übersichtliche Darstellung aller wichtigen Schlüsselfaktoren (z.B. Vertriebswege, Kundennutzen, Partner) auf einem A4-Blatt. Unterteilt in die verschiedenen Geschäftsbereiche trägt der Gründer stichpunktartig die Daten ein, die im Ganzen sehr konkret das Geschäftsmodell ergeben. Eine solche Übersicht zu besitzen ist an sich schon eine gute Sache für die Gründung, aber die Business Model Canvas kann außerdem eine große Strukturierungshilfe während weiterer Stufen im Gründungsprozess sein.

1. Business Model Canvas zur Entwicklung und Validierung der Geschäftsidee

Jede Gründung beginnt mit einer Idee. Ob revolutionär oder nicht, die Idee muss validiert werden. Auch wenn der Einfall für dessen Entwickler selbstverständlich sinnvoll und nützlich klingt, muss der Kunde diese Meinung nicht zwingend teilen. Um sich hier weitestgehend einander anzunähern sollte man die eigene Geschäftsidee aus so vielen Blickwinkeln betrachten, wie es einem möglich ist. Denn führt man diese Betrachtung ohne Plan durch, kann es ganz leicht dazu kommen, dass wichtige Punkte übersehen und vergessen werden.

Das Definieren von Schlüsselfaktoren und ihre Darstellung in der Business Model Canvas können dabei helfen, den Überblick zu behalten. Durch den begrenzten Platz (A4-Seite) ist es von Hause aus nicht möglich, komplexe, ausführliche Erklärungen zu notieren. Man ist auf knackige Notizen beschränkt. Genau hier liegt auch die Stärke der Canvas. Der Logik des Elevator-Pitches folgend – die Idee in der Zeit einer Aufzugfahrt erklären – zwingt diese Planungsmethode den Gründer, sich auf das Wesentliche zu beschränken.
Wer seine Geschäftsidee selbst vollumfänglich durchleuchtet und verstanden hat, wird nicht mehr Platz brauchen, als die Business Model Canvas zur Verfügung stellt. Merkt der Gründer hingegen, dass der Platz nicht reicht, sollte er sich noch detaillierter mit der Idee auseinandersetzen, bis er sie kurz genug erklären kann.

Ist die Idee nun konzentriert genug und in die Business Model Canvas eingetragen, kann sie bequem Mentoren, Freunden und Familie zur Validierung präsentiert werden. Statt jeden Teilbereich detailliert erklären zu müssen ist durch die Überschriften der Schlüsselfaktoren klar, um welches Thema es geht.

Bei der Ideenfindung im Team bietet sich die Canvas auch als Hilfsmittel an. Vor allem in der Anfangsphase sollten alle Mitglieder des Gründungsteams die Schlüsselfaktoren eintragen, wie sie es für richtig halten. Haben alle eine fertige Canvas, kommt das Team zusammen und es wird geprüft, in welchen Bereichen sich das Team einig ist und welche noch besprochen werden müssen.

2. Roter Faden bei der Produktentwicklung

Die Idee steht. Das Team oder der Gründer sind von ihrer Arbeit überzeugt, doch jetzt kommt der wichtigste Schritt, den leider viele auslassen: der Kundenkontakt. Man kann das beste Produkt der Welt entwickeln, aber es wird sich nicht verkaufen, wenn es nicht den Erwartungen der Kunden entspricht.

Die Business Model Canvas lässt sich hier sehr gut mit dem Lean Startup-Modell verknüpfen. Dieses basiert einerseits auf der Entwicklung eines Minimum Viable Product (MVP), also einem Produkt, dass die Minimalanforderungen erfüllt, und andererseits der iterativen Produktentwicklung mittels Kundenfeedback. Einfach gesagt präsentiert man dem Kunden das Produkt, notiert sich Probleme und Verbesserungsvorschläge und entwickelt damit die nächste Version des Produkts.

Diesen Prozess führt man solange durch, bis das Produkt den Kundenerwartungen entspricht. Das erlaubt den frühzeitigen Aufbau einer Kundenbasis und die Entwicklung eines besseren Produktes. Die Business Model Canvas hilft in diesem Prozess den Überblick zu behalten. Der Gründer verfügt aus der Ideenfindungsphase schon über eine ausgefüllte Canvas. Diese lässt sich als Anforderungsprofil an das Produkt verstehen.

Das Kundenfeedback verändert in jedem Iterationszyklus einzelne Schlüsselfaktoren und erstellt so ein neues Anforderungsprofil, das der Gründer an das Entwicklungsteam weitergeben kann. Über ein zentrales Dokument zu verfügen, in dem jeder die Anforderungen der nächsten Entwicklungsstufe nachlesen kann, macht diesen komplexen Prozess sehr viel schlanker und weniger anfällig für Probleme. Als wichtiges Nebenprodukt erhält man am Ende ein sowohl von den Gründern als auch von den Kunden beeinflusstes Geschäftsmodell.

3. Die Erstellung des Businessplans

Gründer sind oft auf Fremdkapital angewiesen, um ihre Geschäftsidee zu realisieren. Dafür braucht man in Deutschland in der Regel einen Businessplan. Das Schreiben eines solchen kann mühselig und langwierig werden, je nach bereits geleisteter Vorarbeit. Hier zahlt sich die konsequente Entwicklung aus, die die Business Model Canvas bisher durchlaufen hat. Sie dient als Grundstein für die wichtigsten Teile des Businessplans. Und da der Gründer sich schon vorher mit den Schlüsselfaktoren auseinandergesetzt hat, geht auch das Schreiben gut von der Hand.

Der größte Kritikpunkt der Businessplan-Gegner wird durch die Canvas ebenfalls relativiert: die Annahmen. Da die Schlüsselfaktoren sowohl aus dem Ideen-Entwicklungsprozess als auch aus direktem Kundenkontakt entwickelt wurden handelt es sich dabei um validierte Annahmen. Dieses Argument kommt bei Geldgebern gut an, da es positiv für die Erfolgschancen des Unternehmens spricht.

Die meisten Gründer fürchten vor allem die Präsentation vor den potentiellen Investoren. Vor allem Detailfragen haben so manchen Gründer schon aus dem Gleichgewicht gebracht. Nach der Antwort im Businessplan zu blättern zeigt den Geldgebern, dass man sich noch nicht ausreichend mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Nutzt man die Business Model Canvas als Präsentationsmedium, sind alle wichtigen Details klar sichtbar auf einer Seite zusammengefasst. Das gibt Sicherheit im Gespräch und zeigt den Investoren, dass man die eigene Idee ausreichend verstanden hat.

Fazit

Die Business Model Canvas ist kein Businessplan-Ersatz und soll auch keiner sein. Es geht nicht darum sämtliche Details auf einen Blick zu haben, sondern die Wichtigsten. Sie sollte dich auf deinem Weg zur Gründung begleiten und mit dir und deinem Unternehmen wachsen und sich weiterentwickeln. Wenn du alles richtigmachst, hat die Canvas, die du am Tag der Gründung in den Händen hältst, wenig Ähnlichkeit mit deiner ersten Canvas.

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Julius Pankoke
Julius Pankoke
Julius Pankoke ist Content Contributor and Startup-Enthusiast. Seine Spezialgebiete sind Entrepreneurship, Business Development und Digitales Marketing. Er schreibt und liest gern gute Blogartikel. Bei SmartBusinessPlan hilft er Gründern exzellente Businesspläne zu schreiben.

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