Michael Reuter ist Blockchain und ethereum Aktivist. Für das Unternehmen Crowdstart Capital CSC plant er im November 2017 die erste deutsche blockchain-basierte ICO Finanzierung. Im Interview erklärt er die Begriffe „Blockchain“, „ICO“ und „Bitcoin“ und berichtet, inwieweit der geplante ICO der deutschen Regulierung unterliegt.  

crowdfunding.de: Was ist die Idee hinter Crowdstart Capital CSC und welche Personen stehen hinter der Unternehmung?

Michael Reuter

Michael Reuter: Crowdstart Capital ist im Grunde eine konsequente Folge unseres angestammten Geschäftsbetriebs in der Datarella GmbH, in der wir seit 2015 Blockchain-Lösungen für Unternehmenskunden umsetzen. Nachdem wir im Mai dieses Jahres das erste Blockchain-Projekt für die Vereinten Nationen – speziell deren World Food Programme – in einem Flüchtlingscamp in Jordanien gelauncht haben, erhalten wir vermehrt Anfragen innerhalb laufender Projekte, in denen wir uns Blockchain-Startups ansehen sollen und prüfen, ob diese zu den jeweiligen Unternehmen passen könnten.

In den meisten Fällen besteht allerdings eine Lücke zwischen den Erwartungen der Unternehmensbereiche und dem Produktangebot der Startups. Und um diese Lücke zu schließen, haben wir Crowdstart Capital (CSC) aus der Taufe gehoben: mit CSC stellen wir ausgewählten Startups unser Know-How und Entwicklungskapazitäten kostenlos zu Verfügung, bis sie eine Produktreife erreicht haben, die sie zu Übernahmekandidaten im Kreise unserer Unternehmenspartner macht.

Könntest Du den Leserinnen und Lesern das Prinzip „Blockchain“ in einfachen Worten erklären?

Die Blockchain ist eine fundamentale Technologie, die für alle Teilnehmer eines dezentralen Netzwerks eine jederzeit verfügbare, konsistente Datenhaltung ermöglicht. Vor der Blockchain war dies nur mit Hilfe zentraler Rechner möglich, mit all den Herausforderungen, die ein zentrales Netzwerk mit sich bringt, insbesondere Skalierbarkeit und Sicherheit. Die Unmöglichkeit, einmal in der Blockchain abgelegte Daten zu ändern, führt zu einer Datenkonsistenz, zu jedem Zeitpunkt und für alle Teilnehmer.

Dies führt einerseits zu bisher ungeahnten Effizienzsteigerungen durch Ablösung umständlicher (manueller) Arbeitsprozesse sowie zu völlig neuen Geschäftsmodellen, beispielsweise auf dem Feld der Industrie 4.0, in der Finanzwelt, im Gesundheitsmanagement oder in Mobilitätskonzepten. So können beispielsweise Herkunft und Verarbeitungsschritte von Rohmaterialien in Lieferketten zweifelsfrei nachvollzogen werden – das führt zu Transparenz auf allen Wertschöpfungsstufen und damit zu deutlich mehr Effizienz und niedrigeren Kosten im Gesamtprozess.

Wie funktionieren Kryptowährungen wie Bitcoin und Ether?

Die seit 2008 handelbare Bitcoin ist quasi die Mutter aller Kryptowährungen – daher werden auch alle anderen oft als sog. Altcoins (alternative coins) bezeichnet. Kryptowährungen sind digitale Zahlungsmittel in der Blockchain – im Unterschied zu analogem Geld; auch Fiat-Währungen genannt. Anhand von Verschlüsselungsmethoden (Kryptographie) werden Kryptowährungen im Unterschied zu Fiatgeld zum einen dezentral (d.h. nicht durch Zentralbanken, sondern durch private Anbieter) und zum anderen sicher – durch die Kombination eines Schlüsselpaares bestehend aus einem Public Key, der praktisch die eigene, öffentlich bekannte Kontonummer darstellt, und einem Private Key, der ausschließlich der Kontoinhaberin allein bekannt ist.

Das heißt: mit einer Kryptowährung können Menschen weltweit schnell und sicher – in einigen Fällen auch anonym – bezahlen. Gerade die Möglichkeit der Anonymität eines Zahlenden stößt in den Medien oft auf Kritik und Unverständnis, weil es gewissen Subjekten ermöglicht, illegale Produkte zu erwerben. Aber zum einen ist dies mit Bargeld ebenso möglich und zum anderen gibt es weltweit viele Rahmenbedingungen, in denen es für Bürger sogar lebensrettend sein kann, wenn beispielsweise Regierungseinheiten nicht alle Zahlungsströme kontrollieren können. Es sollten also beide Seiten der Medaille bewertet werden.

Über sogenannte Inital Coin Offerings (ICO) wurden in letzten Jahren erhebliche Summe eingesammelt. Was ist die Idee hinter einem ICO Crowdfunding?

Wie das Kürzel suggeriert, ist ein ICO einem IPO (Initial Public Offering) nicht unähnlich, also einem Börsengang eines Unternehmens. In einem ICO werden allerdings keine Aktien eines Unternehmens ausgegeben, sondern sogenannte Token. Diese Token können, müssen aber nicht Anteile des ausgebenden Unternehmens bzw. Projekts darstellen. Anders als für IPOs sind für ICOs bisher von den allermeisten Regulierungsbehörden keine Rahmenbedingungen definiert – daher finden im Grunde alle ICOs bisher ohne Rechtssicherheit statt.

In einigen Fällen beinhalten Token Funktionalitäten, beispielsweise zur Teiilnahme an Vorhersageplattformen wie Augur oder Gnosis, in anderen Fällen besteht die Hauptfunktionalität in der Coin als Zahlungsmittel, wie beispielsweise bei Monero.

Ihr plant im November 2017 über einen ICO Kapital für Crowdstart Capital einzusammeln. Wie läuft das ab? Zu welchen Konditionen und in welcher Währung können sich Anleger an Eurem ICO beteiligen?

Um Blockchain-Startups den oben angesprochenen Support zu ermöglichen, benötigen wir selbst eine Finanzierung. Mit unserem ICO wollen wir also Geld einsammeln, das wir wiederum in die Evolution der Blockchain-Technologie – in ausgewählte Startups – einbringen. Im Oktober findet der sog. Pre-Sale statt; d.h. interessierte Investoren aus unserem Netzwerk können zu Vorzugskonditionen Token erwerben. Vom 1.-30. November kann dann jeder Interessierte unsere Token zum Preis von 0,01 EUR pro Token erwerben. Dazu benötigt man Ether oder Bitcoin, die dann in der jeweiligen Menge gegen XSC – so das Kürzel unseres Token – getauscht werden.

Mit welchen Risiken und Chancen ist eine ICO Beteiligung bei Crowdstart Capital verbunden?

Wie grundsätzlich bei jedem Finanzgeschäft ist ein Totalverlust des eingesetzten Gelds nicht ausgeschlossen. Wenn ich meine Euros gegen Argentinische Pesos tausche, weil ich auf Währungsgewinne spekuliere, und Argentinien dann seine Zahlungsunfähigkeit verkündet, werde ich vermutlich Verluste einstreichen. Das Risiko beträgt technisch also 100%. Praktisch muss dies jeder für sich selbst einschätzen. Unsere Token sollen nach einer Haltefrist von 40 Tagen beginnend mit dem Ende des ICOs an einer Krypto-Börse handelbar sein. Wenn man sich die bekannten Krypto-Börsen und die Kurven der Kryptowährungen ansieht, stellt man eine hohe Volatilität fest; d.h. Tagesschwankungen von 5% und mehr sind selbst bei bekannten Coins wie Bitcoin oder Ether keine Seltenheit. Wir investieren Beratungs- und Entwicklungsleistungen in Blockchain-Startups, die dann an Unternehmen verkauft werden sollen. Inwiefern dies ein sinnvolles Geschäft ist und damit möglicherweise eine Aussagekraft für die Wertentwicklung der Token hat, möge jeder für sich selbst beurteilen.

Wer allerdings unser Token nicht handeln will, sondern selbst Blockchain-Leistungen bei uns in Anspruch nehmen möchte, kann dies mit Token bezahlen und erhält in diesem Fall einen Rabatt in Höhe von 20% auf unser Leistungen. Das wäre die Alternative.

China und Süd-Korea haben kürzlich ICO’s verboten. Unterliegt Ihr mit Eurem geplantem ICO der deutschen Regulierung?

Das ist eine sehr gute Frage. Wir haben unseren ICO lange vorbereitet und stehen dazu mit der zuständigen Finanzaufsicht in Deutschland – BaFin –in Kontakt. Unser Ziel ist es nämlich, „quasi-compliant“ vorzugehen; d.h. auch ohne existenten Rechtsrahmen verhalten wir uns nach bestem Wissen und Gewissen so, wie es erforderlich wäre, würde ein solcher Rechtsrahmen bereits bestehen.
Mit dem von uns gewählten Modell müssen wir – nach derzeitigem Wissen und Prüfung – nicht reguliert werden. Wir sind uns bewusst, dass in Ermangelung einer völligen Rechtssicherheit ein ICO grundsätzlich ein Wagnis darstellt – daher haben wir – um es nochmals deutlich zu sagen – alles in unserer Macht stehende unternommen, um hier keinen Fehler zu begehen und korrekt vorzugehen.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit Crowdstart Capital!

 

Zur Webseite
Crowdstart Capital: www.crowdstart.capital

 

Terminhinweis
Am 30. November 2017 findet in München der Crowd Dialog #5 statt. Der Themenschwerpunkt „Blockchain + Smart Contracts“ wird von Michael Reuter kuratiert.
mehr Infos zum Event