Crowdinvesting – das nächste große Ding“, so titelte Die Zeit im Jahr 2013. Vier Jahre später hieß es dann beim Online-Magazin GründerszeneAus der Traum – Crowdinvesting in der Krise“. Jetzt hat die Plattform Seedmatch ein Studienergebnis mit der Überschrift „15 Prozent Rendite mit Startups-Crowdinvestments“ veröffentlicht.

Was ist los im Markt für Startup-Crowdinvesting? Resterampe für Pleitekandidaten oder Renditebringer in Niedrigzinszeiten? Eine kurze Einordung.

 

Marktentwicklung

Nachdem sich der Markt für Startup-Crowdinvesting in den Jahren 2011 bis 2013 rasant entwickelt hat, bewegt sich das jährliche Marktvolumen seitdem recht konstant bei 15 Millionen Euro. Das Nicht-Wachstum und eine Häufung von Startup-Pleiten im Jahr 2017 führten zu einer Welle negativer Medienberichte. In dem Artikel „Ist der Startup am Ende?“ haben wir damals unsere Sicht auf die Dinge dargelegt.

 

Seedmatch mit neuer Performance-Analyse

Jetzt, Ende 2018, hat Seedmatch eine neue Untersuchung veröffentlicht, die zu dem Ergebnis kommt, dass mit Crowdinvesting in Startups eine Rendite von 15 Prozent p. a. nach CAGR (Compound Annual Growth Rate) erreicht werden kann.

In den letzten Jahren gab es schon verschiedene Performance-Analysen zum Startup-Crowdinvesting:

Die neue Seedmatch-Studie basiert auf einem wissenschaftlichen Forschungsprojekt der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Dafür wurde die Entwicklung der zwischen 2011 und 2014 auf Seedmatch finanzierten Startups untersucht, insgesamt 57 Unternehmen in 68 Finanzierungsrunden. Stichtag für die Renditeberechnung ist der 31. Dezember 2017.

Seedmatch-Geschäftsführer Johannes Ranscht erklärt zur Studie: „Crowdinvesting in junge Unternehmen stand schon häufig in der Kritik – insbesondere, wenn ein schwarmfinanziertes Startup Insolvenz anmelden musste. Da es häufig die negativen Beispiele sind, die in Erinnerung bleiben, wollten wir herausfinden, wie sich Crowdinvestments in Startups tatsächlich schlagen.”

 – PDF- Download der Studie „Seedmatch – Fundingindex 2018“ – 

 

Was uns bei der Seedmatch-Studie auffällt

Die Methodik der Untersuchung wird in dem 52 Seiten starken Report ausführlich erklärt. Es wird deutlich, dass die Studienautoren viel Wert daraufgelegt haben, die „15%-Rendite-Aussage“ auf ein möglichst belastbares Fundament zu stellen. Falls mehrere Möglichkeiten zur Bewertung und Berechnung einzelner Faktoren möglich waren, wurde oftmals ein konservativer Ansatz gewählt. Auch dass der Report auf einem wissenschaftlichen Forschungsprojekt aufgebaut wurde und eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft die Ergebnisse untersucht hat, spricht für die Analyse.

Dennoch sind uns beim Lesen des Reports ein paar Punkte aufgefallen, die wir für die Einordnung der Ergebnisse und der „15%-Rendite-Aussage“ für nicht ganz unwichtig halten.

Realisierung der Renditen
Die Renditeberechnung basiert unter anderem auf den Leistungsdaten der finanzierten Startups zum Stichtag 31. Dezember 2017. Das heißt, dass in die Berechnung auch hypothetische Renditen eingeflossen sind. Inwieweit diese Renditen tatsächlich realisiert werden, hängt also von der weiteren Entwicklung der noch aktiven Startups ab und davon, ob diese, bei Kündigung der Investmentverträge, tatsächlich in der Lage sind, die Crowdinvestoren auszubezahlen.

Transparenz?
„Ohne Schönrechnerei, ergebnisoffen und transparent nachvollziehbar“, so sind die Studienautoren nach eigenen Angaben angetreten, um die Seedmatch-Renditen zu berechnen (S. 45). Während das Studiendesign nachvollziehbar erklärt wird, werden leider keine Details zu den verschiedenen Finanzierungsrunden veröffentlicht. Dies liegt vermutlich darin begründet, dass ein Teil der sehr erfolgreichen Startups keine Rendite-Details an die Öffentlichkeit geben will. Eine wirklich transparente Nachvollziehbarkeit auf Ebene der einzelnen Finanzierungsrunden ist so aber leider nicht gegeben.

Wachstum?
Auf Seite 24 heißt es „… deutlicher Anstieg an Investoren, Investments und eingeworbenem Kapital“. Hier müssen all die Leser aufpassen, die nur Überschriften lesen: Die Aussage aus dem Report aus dem Jahr 2018 bezieht sich auf den Zeitraum 2011 bis 2014 und nicht auf die gegenwärtige Entwicklung.

Gleichgewichtete Berechnung
Die Berechnung der Rendite beruht auf der Annahme, dass in jede Kampagne im Untersuchungszeitraum ein Investment in gleicher Höhe getätigt wurde. Ein solche Vorgehensweise kann man sicherlich gut begründen. Dennoch sollten sich Leser darüber im Klaren sein, dass der in der Studie zum Vergleich herangezogene DAX einer anderen Berechnungsgrundlage folgt (S. 3: „Der DAX schaffte es im selben Zeitraum auf 13,4 Prozent Rendite p. a.“). Beim DAX werden die Aktienkurse der ausgewählten börsennotierten Gesellschaften nach ihrer Marktkapitalisierung gewichtet.
Würde man bei der Berechnung der Startup-Renditen eine Gewichtung vornehmen, wieviel Crowd-Gelder jeweils in die verschiedenen Startups investiert wurden, würde sich vermutlich ein anderes Bild zeigen. Denn im Gesamtmarkt sind von den 92,3 Millionen Euro, die die Crowd bislang in deutsche Startups investiert hat, rund 25 Prozent ausgefallen oder stark ausfallgefährdet (Quelle: CROWDINVEST.DE Erfolgsmonitor, Stand 06.12.18). Es ist nicht davon auszugehen, dass diese „versenkten“ 22,7 Millionen Euro bislang durch erzielte Renditen überkompensiert wurden.

 

Resümee

Die Ergebnisse des Reports liefern – trotz der angesprochenen Kritikpunkte – ein beeindruckendes Gegengewicht zu dem Bild, das in den letzten Jahren in der Öffentlichkeit zu Startup-Crowdinvestments vorherrschte. Denn nach der anfänglichen Euphorie über Funding-Rekorde dominierten in den letzten Jahren Negativschlagzeilen zu Startup-Pleiten und Abgesänge auf den Markt.

Die Entwicklung folgt damit gewissermaßen dem Hype-Cycle nach Gartner. Dieser stellt die Phasen der öffentlichen Aufmerksamkeit dar, die eine neue Technologie (hier: neues Finanzierungsprinzip) nach der Einführung durchläuft.

In diesem Zusammenhang stellen sich also die Fragen, in welcher Entwicklungsphase sich der Startup-Crowdinvesting-Markt aktuell befindet und welchen Einfluss die „15%-Rendite-Aussage“ auf die öffentliche Wahrnehmung haben wird.