Ein Gastbeitrag von Anja Thonig – Beraterin beim Crowdfunding Campus – über die wichtigsten Punkte für Projektstarter.

Autorin: Anja Thonig

Oftmals erhalte ich Projektanfragen mit folgendem Inhalt: „Ich habe da so eine Idee und habe gehört, dass man über Crowdfunding Geld sammeln kann. Wie schnell kann das online gehen?“ Nach dem Hände-über-dem-Kopf-zusammenschlagen, lautet meine Antwort immer gleich: „Bitte lass uns erstmal ganz in Ruhe darüber sprechen, denn es gibt eine Menge Sachen, die du beachten solltest, bevor du eine Crowdfunding-Kampagne startest“. Denn ohne die richtige Einstellung und entsprechendes Vorwissen sinkt die Erfolgswahrscheinlichkeit einer Kampagne gegen Null.

Dem lässt sich jedoch recht einfach entgegenwirken. Zum Einen durch die Zusammenarbeit mit einem Crowdfunding-Experten und zum Anderen auch durch das Bewusstsein über 6 Faktoren, die jeder Projektinitiator im Hinterkopf haben sollte:

Crowdfunding ist kein Selbstläufer

Eine Kampagne auf einer Plattform zu starten und dann abzuwarten bis was passiert, ist quasi das Todesurteil und führt nur zu Frustration auf allen Seiten. Daher gilt für jeden Projektinitiator: volle Konzentration auf das Projekt. Vor, nach und während der Kampagne. Es erfordert einiges an Zeitaufwand und vor allem auch mentale Fokussierung. Eine Crowdfunding-Kampagne ist ein Vollzeitjob. Empfehlenswert ist daher auch, wenn man als Einzelperson startet, sich ein Team aufzubauen. Menschen, die mit ihrem Know-How und Zeit der Kampagne zur Seite stehen.

Vorbereitung ist alles

Gründliche Planung einer Kampagne zahlt sich aus. Neben Pitch-Video, Beschreibungstext oder Gegenleistungen (beim reward-based Crowdfunding) gehört eine strukturierte Kommunikationsstrategie dazu. Viele der Inhalte für die Kommunikation oder Werbung der Kampagne lassen sich gut vorbereiten und erleichtern somit den Arbeitsaufwand während der Laufzeit. Werbeanzeigen, Bildmaterial, Pressetexte oder Flyer sind nur wenige Beispiele. Um diese auch optimal gestalten zu können, muss eine Zielgruppenanalyse erfolgen. Wer ist meine Zielgruppe? Wie kann ich sie am Besten erreichen? Und last but not least: ein Netzwerk aufbauen. Ein weit gestreutes Netzwerk ist vor allem für den Projektstart ein wichtiger Faktor, um der Kampagne einen erfolgreichen Start zu verpassen und innerhalb kurzer Zeit eine große Reichweite zu erlangen.

Gesicht zeigen

Als Projektinitiator ist man der Macher/in und das Gesicht einer Kampagne. Egal ob als Einzelperson oder Team. Beim Crowdfunding geht es um Emotionen und darum das Vertrauen der Crowd zu erlangen. Vertrauen ist eine sehr persönliche Überzeugung und so bedarf es auch Persönlichkeit dieses zu erwecken. Kleine Details, wie ein Teamfoto als Profilbild anstatt eines Firmenlogos oder die persönlichen Ansprache des Projektinitiators im Pitch-Video sind dabei sehr hilfreich.

Du bist nicht allein

Wird das Vertrauen der Crowd erlangt, ensteht eine emotionale Bindung an das Projekt. Es ist also die Aufgabe der Crowd zu suggerieren, dass jeder Einzelne Teil der Kampagne ist. Somit wird auch jeder Unterstützer zu einem Multiplikator der Kampagne und wird es in seinem Netzwerk teilen und streuen. Das Ergebnis: es werden viel mehr Menschen und somit auch eine breitere Masse erreicht.

Immer an die Nachhaltigkeit denken

Durch die Laufzeit, die man selbst festlegen kann, wird eine Crowdfunding-Kampagne zeitlich begrenzt. Die Bindung zur Crowd kann jedoch nachhaltig wirken, wenn der Kontakt zu ihr nicht abreißt. Das heißt also, dass eine weiterführende Kommunikation nach der Kampagne betrieben wird. Die Unterstützer wollen auf dem Laufenden gehalten werden. Wie ist die Weiterentwicklung? Gibt es neue Ideen? Wird dies richtig umgesetzt, werden sie zu Kunden oder Fans, die eine wesentlich engere Bindung zu dem Produkt/Projekt aufbauen, als Andere. Diese Bindung lässt sich vielfältig nutzen. Sei es für eine neue Crowdfunding-Kampagne, das Marketing neuer Produkte oder auch es werden langjährige und treue Kunden.

It´s not all about the money

Über Crowdfunding generiert man nicht allein Geld, um sein Projekt oder seine Idee umsetzen zu können. Es dient viel mehr auch einem „proof of concept“. Schnell wird klar, ob die Idee oder das Produkt die eigene Zielgruppe anspricht oder nicht. Desweiteren eignet sich Crowdfunding als Marktingtool. Produkte, Ideen, Leistungen lassen sich wunderbar vermarkten und können durch die Eigendynamik der Verbreitung der Kampagne in kurzer Zeit eine breite Masse erreichen. Demnach ergibt sich hier eine Art der eigenständigen Öffentlichkeitsarbeit, es werden zukünftige Kunden gewonnen und das bestehende Netzwerk gebunden.

Zur Autorin Anja Thonig

Anja ThonigAnja Thonig, Beraterin bei Crowdfunding Campus
Anja Thonig berät seit zwei Jahren Crowdfunding-Projekte: von der Auswahl der Plattform, über geeignete Gegenleistungen bis hin zur Aufbereitung einer erfolgten Kampagne. In dieser Zeit hat sie mehr als 300 Projekte aktiv betreut. Beim Crowdfunding Campus ist sie als Referentin und Leiterin der Kundenbetreuung tätig. www.crowdfunding-campus.de