Finanzierung eines Wachstumsunternehmen

Best Practice: Kartenmachen.de

kartenmachen_logoDas im Frühjahr 2014 gestartete Unternehmen Kartenmachen.de produziert und druckt Einladungskarten. Kunden suchen sich online aus einer Vielzahl an Vorlagen die passende Karte aus, das junge Unternehmen passt diese dann individuell an und druckt sie in der gewünschten Anzahl. Kartenmachen.de konnte bereits im ersten Jahr ein positives Betriebsergebnis erzielen und verzeichnet seitdem kontinuierliches Wachstum.

Modell: Crowdinvesting (Venture Loan / Venture Dept)

Um weitere Wachstumsschritte zu finanzieren, hat sich Kartenmachen.de für ein Crowdinvesting entschieden. Dabei wurde ein „Venture Loan“ Modell (auch Venture Dept genannt) gewählt. Dieses Modell sieht einen festen Zins für Investoren vor und ist für Wachstumsunternehmen geeignet, die den „Proof-of-Concept“ erbracht haben und schon nennenswerte Umsätze erzielen.

Was die Crowd bekommt: 8% p.a. Rendite plus Bonuszins

Die Crowd investiert beim Crowdfunding von Kartenmachen.de zu einer festen Rendite von 8% p.a. Die Zinsen werden halbjährlich ausgeschüttet, die Tilgung des Darlehens erfolgt nach 4,5 Jahren endfällig. Zusätzlich wird den Investoren ein einmaliger und endfälliger, am Umsatz des Unternehmens bemessener Bonuszins in Aussicht gestellt.

Die Crowdinvestoren partzipieren also nicht – wie bei Startup-Crowdinvestments sonst meist üblich – über eine (virtuelle) Beteiligung am Unternehmenserfolg. Die Unternehmensbewertung spielt von daher beim Venture Loan eine untergeordnete Rolle. Für die Investoren sind die Risiken besser einzuschätzen, als bei einem Frühphasen-Startup-Investment , da das Unternehmen erste Erfolge am Markt vorweisen kann. Trotzdem handelt es sich auch hier um ein Risikoinvestment. Die Beteiligung läuft über ein nachrangiges Darlehen, es besteht das Risiko des Totalausfalls.

Ergebnis: 340.500 Euro von 353 Crowdinvestoren

Das Crowdinvesting lief über die Plattform Seedmatch und wurde im August 2016 erfolgreich abgeschlossen.

Interview mit Andreas Ritter, Geschäftsführer Kartenmachen.de

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Andreas Ritter

Mit dem Crowdfunding konnten Sie 340.000 Euro einsammeln. Wofür wird das Geld benötigt?

Wir wollen wachsen. Und dafür brauchen wir neue Mitarbeiter und neue Maschinen. Das sind die beiden größten Posten. Aufgrund des Vertrauens der Investoren, die über die Plattform Seedmatch zu uns kamen, konnten wir inzwischen eine Grafikerin, eine Spezialistin für Online-Marketing und einen Produktionsmitarbeiter einstellen. Weil wir die Produktion noch stärker zu uns verlagern wollen, haben wir auch neue Drucker und Weiterverarbeitungsmaschinen gekauft, mit denen wir schneller arbeiten und noch innovativere Einladungs- und Grußkarten anbieten können.

Ihnen hätten doch sicherlich auch andere Finanzierungswege offen gestanden, warum haben Sie sich für eine Finanzierung über die Crowd entschieden?

Ja, wir wurden häufig gefragt, warum wir angesichts der niedrigen Kreditzinsen nicht ganz „normal“ zur Bank gegangen sind. Wer privat einen Kredit aufnehmen möchte, der hat zurzeit gute Karten – das stimmt. Viele wissen allerdings nicht, dass gerade die Kreditzinsen für Wachstumsunternehmen relativ hoch sind. So viel günstiger wäre uns die Bankfinanzierung also nicht gekommen. Und eines konnte uns keine Bank der Welt bieten – die Öffentlichkeit, die mit einer Crowdinvesting-Kampagne kommt. Wer auf einer Plattform wie Seedmatch um Investoren wirbt, profitiert von vielfältigen Social-Media-Aktivitäten, vom persönlichen Kontakt mit der Crowd, von der Auseinandersetzung mit den Investoren und vom Interesse, das Journalisten an dieser neuen Art des Wirtschaftens haben. Wir beide würden heute nicht miteinander reden, wenn wir uns für das Modell Bankfinanzierung entschieden hätten.

Welche Marketingeffekte haben sich konkret für Ihr Unternehmen bemerkbar gemacht?

Über die Kampagne haben wir einen neuen Geschäftspartner gewonnen, mit dem wir in das Thema B2B eingestiegen sind – das hatten wir zuvor gar nicht auf dem Schirm. Die ProSiebenSat.1-Gruppe wurde auf uns aufmerksam: Man möchte, dass wir uns für das Accelerator-Programm für Startups bewerben. Der Gewinner erhält individuelles Coaching und ein TV-Werbebudget von 500 000 Euro. Darüber hinaus sind wir häufig in den Medien, wodurch uns potenzielle neue Kunden kennenlernen können, und unsere Facebook-Fans haben sich verdoppelt.

Waren die Konditionen für das Venture Debt (8% p.a. + erfolgsabhängiger Bonus, 4,5 Jahre Laufzeit) von der Plattform fest vorgegeben oder wurden diese individuell festgelegt?

Diese Zahlen wurden von Seedmatch vorgegeben und gelten – Stand heute – für alle Venture-Debt-Cases auf der Plattform.

Wie ist es Ihnen gelungen die Crowdinvestoren zu gewinnen? Kamen diese über die Crowdfunding-Plattform oder aus Ihrem Netzwerk bzw. eigene Öffentlichkeitsarbeit?

Ich denke, der erste wichtige Schritt ist die Selbstdarstellung des Unternehmens auf der Plattform. Das Geschäftsmodell muss für potenzielle Investoren eindeutig nachvollziehbar sein. Man muss schnell erkennen können, wie das Startup Gewinne realisieren will. Und natürlich müssen die Informationen stimmen. Letztlich geht es darum, Vertrauen aufzubauen. Und zwar über alle Kommunikationskanäle hinweg – von der Investoren-Kommunikation bis hin zu Social Media. Das eigene Netzwerk spielt natürlich eine Rolle; große Summen kommen aber nur dann zustande, wenn auch Menschen an das Startup glauben, die es gerade erst kennenlernen. Wer konkret über unsere Öffentlichkeitsarbeit bzw. über Seedmatch kam, das lässt sich nicht nachvollziehen.

Wie arbeitsaufwändig ist die Betreuung der 353 Crowdinvestoren, jetzt nach Abschluss des Fundings?

kartenmachen-kartenDas kommt darauf an, wie eng man den Kontakt mit den Investoren gestalten will. Verpflichtet sind wir zu einem Quartals-Reporting. Da werden die aktuellen Zahlen offengelegt und interpretiert. Und dann erhalten die Investoren natürlich eine Jahresabrechnung und eine Zinsauszahlung. Das ist alles nicht so aufwändig, denn das lässt sich ja automatisieren. Wer möchte, kann noch mehr machen – z.B. auf der Plattform weiterhin Updates zum aktuellen Geschehen im Unternehmen anbieten oder einen Investoren-Newsletter aufsetzen.

Ist eine Crowdfinanzierung Ihrer Meinung nach für alle Unternehmen geeignet?

Ich frage mich eher, ob es für jeden Unternehmer geeignet ist. Denn eines ist klar: Crowdfunding macht eine Menge Arbeit und die muss man neben dem Tagesgeschäft erst mal schaffen. Wer nicht gerne aus dem Nähkästchen plaudert, für den dürften Crowd-Finanzierungen auch nicht das Richtige sein. Denn, hier geht es um Offenheit und um zugewandte Kommunikation. Nur wenn man bereit ist, sich darauf einzustellen, kann man die positiven Effekte von Crowdfunding nutzen.

Welche Tipps können Sie Unternehmen geben, die eine Crowdfinanzierung anstreben?

Ich habe es ja gerade schon angesprochen: Crowdfunding ist arbeitsintensiv. Man sollte da sehr strukturiert rangehen. Und zwar schon im Vorfeld: Eine Unternehmenspräsentation schreibt sich nicht in zwei Stunden, ein Video dreht man nicht an einem Nachmittag. Crowdfunding ist auch ein innerer Prozess: Man muss sich wieder mal im Detail damit auseinandersetzen, welches Produkt man wie warum und wem anbietet. Wer das nicht klar formuliert, kann auch niemanden überzeugen. Und: Die Welt wartet nicht auf das nächste neue Startup. Deshalb muss man wiederholt auf allen Kanälen kommunizieren, welchen Nutzen man anbietet. Wer das beherzigt, hat schon viel richtig gemacht.