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Eine Bestandsaufnahme

Crowdfunding und Banken

Wir sind der Frage nachgegangen, inwieweit sich die deutschen Banken mittlerweile dem Thema Crowdfunding geöffnet haben.
Von Michel Harms am 18. April 2015

„Bald wird jedes Geldinstitut der Welt Crowdfunding anbieten“. Diese Aussage von Slava Rubin – dem Gründer der US Crowdfunding Plattform Indiegogo – stammt aus dem Januar 2014.

Wie ist der Status jetzt, über ein Jahr später? Gehört Crowdfunding so selbstverständlich wie Kreditkarten zum Angebot einer Bank in Deutschland? Und wenn ja, welche Crowdfunding Formen werden von den Banken angeboten?

Wir sind der Frage nachgegangen, inwieweit sich die deutschen Banken mittlerweile dem Thema Crowdfunding geöffnet haben. Dabei haben wir uns Beispiele von genossenschaftlichen Banken, öffentlich-rechtlichen Banken und Privatbanken angeschaut. In diese drei Sektoren ist das deutsche Bankenwesen nach dem 3-Säulen-Prinzip unterteilt.

Genossenschaftliche Banken

Volksbanken Raiffeisenbanken: Regionale Crowdfunding Plattformen für gemeinnützige Projekte

„Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele“, so lautet das Credo der genossenschaftlich organisierten Volksbanken Raiffeisenbanken (VR Banken). Die Grundidee der Genossenschaftsbanken liegt damit ziemlich nah am Crowdfunding Gedanken.

Von daher ist es nur konsequent, dass sich die VR Banken 2013 als erste deutsche Bankengruppe entschieden haben, mit einem eigenen Crowdfunding Angebot aktiv zu werden. Die Seite viele-schaffen-mehr.de dient dabei als Dachportal. Jede der 1.047 regionalen Kreditgenossenschaften hat die Möglichkeit, aus einem vorgegebenen Baukasten eine eigene Crowdfunding-Plattform mit individueller Domain einzurichten. Bislang haben sich 40 Banken für eine eigene lokale Plattform entschieden.

Laut Mathias Kortenhaus, der das Projekt bei der VR-NetWorld GmbH betreut, geht es den Banken nicht darum, mit der Initiative Gewinne zu erzielen. Vielmehr wollen sie das genossenschaftliche Prinzip mit Leben füllen und vor Ort „Hilfe zur Selbsthilfe“ leisten. Deshalb beteiligen sich die Banken in Form eines „Co-Fundings“ an der Finanzierung der Projekte der sozialen und gemeinnützigen Projekte.

Das Konzept scheint zu aufzugehen. So kommt die Volksbank Bühl, die vor 2 Jahren mit ihrer Crowdfunding Plattform als Erstes live ging, auf eine Projekt-Erfolgsquote von 84% (Stand 02/2015). Insgesamt konnten die  Volksbanken Raiffeisenbanken bis jetzt über 600.000 Euro per Crowdfunding sammeln und ermöglichten damit die Umsetzung von über 200 gemeinnützigen Projekten. Welches Potential hier noch besteht, wird deutlich, wenn man bedenkt, dass die Crowd der Genossenschaftlichen Finanzgruppe aus 18 Mio. Mitgliedern besteht.

Öffentliche-Rechtliche Banken

Sparkasse: Am Thema dran, aber kein organisierter öffentlicher Angang

Dem Gemeinwohl verpflichtet sehen sich auch die öffentlich-rechtlichen Sparkassen, deren Träger meist Städte, Gemeinden oder Landkreise sind. „Wir glauben an Crowdfunding“ lautet eine Aussage von Georg Fahrenschon, dem Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, von Anfang 2014.

Einen koordinierten flächendeckenden Crowdfunding Ansatz, wie bei den VR Banken, gibt es bei den Sparkassen allerdings noch nicht. Auch wenn die Sparkasse Gummersbach schon im Jahr 2011 ein Spenden Crowdfunding Projekt initiiert hat, bei dem insgesamt 300.000 Euro für den Erhalt des örtlichen Freibads eingesammelt wurden.

Intern werden die Prinzipien Crowdfunding und Crowdinnovation seit knapp zwei Jahren für interne Innovationsprozesse bei der Sparkasse genutzt. Auch inhaltlich engagieren sich die Sparkassen beim Thema Crowdfunding. So hat der deutsche Sparkassen- und Giroverband 2014 die lesenswerte Studie „Zukunftsperspektiven des Crowdinvesting“ gefördert.

 

Landesbanken: Gemeinnützige Crowdfunding Plattformen auf Länderebene

Die BW Bank, eine Tochtergesellschaft der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), präsentiert seit Februar 2014 die Plattform „BW Crowd“. Die Seite mit dem Motto „Frag nicht, was dein Ländle für dich tun kann. Frag, was du für dein Ländle tun kannst“, fokussiert sich  auf soziale und gemeinnützige Projekte in Baden-Württemberg. Betrieben wird Plattform aber nicht von der Bank selbst, sondern von der Sport Crowdfunding Plattform „fairplaid“.

In Schleswig-Holstein wurde im April 2015 von der landeseigenen Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) eine Spendenplattform für gemeinnützige Projekte gegründet. Der Auftrag für die Plattform „WIR BEWEGEN.SH“ kam vom Land Schleswig-Holstein, das für die Erstellung und den Betrieb der Seite für drei Jahre insgesamt 365.000 Euro zur Verfügung stellt.

Die Privat Banken

Statement des Bankenverbands

Der Bankenverband – „die Stimme der privaten Banken“ – nimmt in einer Mitteilung vom 19.03.2015 Stellung zum Thema Crowdfunding.

„Crowdfunding ist ein neues Finanzierungsinstrument, das andere traditionelle Finanzierungsformen ergänzen kann. Die privaten Banken stehen dieser Finanzierungsform daher aufgeschlossen gegenüber, insbesondere bei Frühphasenfinanzierungen für Startups…“

Auszug aus dem Statement vom Bankenverband zu Crowdfunding vom 19. März 2015 LINK

Großbanken: Die Deutsche Bank investiert in Wissen

Auch das größte deutsche Kreditinstitut, die Deutsche Bank, beschäftigt sich mit dem Thema Crowdfunding. In mehreren Studien hat sich die Forschungsabteilung „Deutsche Bank Research“ mittlerweile mit der Thematik auseinandergesetzt und Crowdfunding als relevante Finanzierungsform erkannt. Geschäftlich aktiv geworden ist die Deutsche Bank im Bereich Crowdfunding aber noch nicht.

„Aus der Perspektive traditioneller Banken befindet sich die Bewegung volumenmäßig heute noch auf überschaubarem Niveau, aber von einem vorübergehenden Hype kann längst keine Rede mehr sein. Banken sollten die Entwicklungen dieser alternativen Finanzierungsquellen zwingend auf dem Radar behalten und sich überlegen, welche Möglichkeiten ihnen zur Verfügung stehen…“

Aus der Studie „Fintech – Die digitale (R)evolution im Finanzsektor“, Thomas F. Dapp, Deutsche Bank Research 23.11.2014, LINK

Direktbanken: Kunden werden Crowdfunding-Investitionsmöglichkeiten aufgezeigt

Die Direktbanken weisen ihre Kunden teilweise schon pro-aktiv auf die Möglichkeit des Crowdfunding hin.

Die Consors Bank zeigt zum Beispiel in ihrer Rubrik „Sparen & Anlegen“ Startup-Projekte bei Seedmatch als Investitionsmöglichkeiten auf. Die Projekte scheinen aber nicht in das System der Bank integriert zu sein, interessierte Crowdinvestoren werden auf die Seedmatch Seite weitergeleitet.

Die Fidor Bank geht da noch einen Schritt weiter. Über das Fidor Smart Girokonto, nach eigenen Angaben „das Konto für den Digitalen Lebensstil“, können die Kunden direkt Crowdfunding Projekte ausgewählter Partner Plattformen unterstützen. Aktuell sind 5 Plattformen aus den Bereichen klassisches Crowdfunding, Crowdinvestment und Crowdlending angebunden. Man muss hinzufügen, dass die Fidor Bank die deutsche Crowdfunding Branche schon seit längerem begleitet und mehreren Plattformen als Zahlungsdienstleister dient.

Dass es sich bei Fidor um eine progressive Bank handelt, die die Zeichen der Zeichen erkannt hat, wird auch durch die Aussage vom Fidor Chef Matthias Kröner deutlich, in der er die aktuelle Situation der Banken-Branche mit der der Medienindustrie vor 10-15 Jahren vergleicht. Allein der Name, der für das Crowdfunding Angebot gewählt wurde – „Crowd Finance“ – macht deutlich, dass die Fidor Bank ihre Wurzeln in der Finanzindustrie hat.

Zusammenfassung

Crowdfunding ist eindeutig bei den deutschen Banken angekommen. Crowdfinanzierungen werden als ernstzunehmende Finanzierungsalternative anerkannt. Die Annäherung an das Thema Crowdfunding ist je nach Bank unterschiedlich: über Research-Projekte, Kooperationen oder eine eigene Plattform. Auch die Motive wie z.B. Marketingaspekte oder Gemeinnützigkeit mögen sich unterscheiden. Ein wirklich profitables Business stellt Crowdfunding für die meisten Banken bestimmt noch nicht dar. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich das Thema zukünftig weiter entwickeln wird.

Weitere Interessante Infos zum Thema Zukunft der Banken

Studie: „Banken im Schweizer Crowdfunding Markt: Chancen, Herausforderungen und Erfolgsfaktoren“ von Michael Beier und Kerstin Wagner, HTW Chur 2015 LINK

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Blogs: Finance Zweinull   |  Social Banking 2.0

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Michel Harms

Herausgeber
crowdfunding.de
Michel Harms ist der Herausgeber von crowdfunding.de. Mit der Seite möchte er eine unabhängige Plattform bieten, die umfassend zum Thema informiert und den Crowdfunding Gedanken weiter trägt. Er glaubt an die potentialsentfaltende Wirkung von Crowdfunding und den positiven Einfluss auf die Gesellschaft und Wirtschaft.
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Autor
Michel Harms
Datum
18. April 2015
Themen
Banken

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