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Gastbeitrag

Crowdlending als neuer Weg der Kommunalfinanzierung

Ein Gastbeitrag von Franziska Brill – Projektmanagerin bei der Crowdlending Plattform LeihDeinerStadtGeld.
Von Franziska Brill am 04. Februar 2015

Mit Crowdlending erhalten Städte und Kommunen Zugang zu bankenunabhängiger Finanzierung. Als bundesweit erste Kommune hat sich die Stadt Oestrich-Winkel bereits 2012 für die Durchführung eines Crowdlendings entschieden. Auf diesem Wege wurden 83.200 Euro für Investitionen in die städtische Feuerwehr direkt bei den Bürgerinnen und Bürgern geliehen, statt wie üblich von einer Bank. Mit dem Crowdlending wurde die Umrüstung von analogem Funk auf Digitalfunk finanziert, sodass die freiwillige Feuerwehr zukünftig einfacher mit anderen Rettungs- und Sicherheitskräften zusammenarbeiten kann.

In Zeiten defizitärer Haushalte und drohender Kreditklemmen müssen Kommunen stetig nach neuen Finanzierungsquellen Ausschau halten. Die LeihDeinerStadtGeld GmbH setzt das Modell des Crowdlending für Kommunen um und übernahm im Auftrag der Stadt Oestrich-Winkel die Abwicklung der Investition in die Freiwillige Feuerwehr. Das junge Unternehmen ermöglicht die Aufnahme von Geldern bei Bürgern über eine Online-Plattform und eröffnet so Gebietskörperschaften und kommunalen Unternehmen eine innovative und zinsgünstige Finanzierungsform regionaler Investitionsprojekte.
Für die Investition in die Freiwillige Feuerwehr konnte die Stadt Oestrich-Winkel folgende Konditionen anbieten: Eine Beteiligung am Projekt war bereits ab 100 Euro möglich, mit einem Zinssatz von 0,76 % und einer Darlehenslaufzeit von sechs Jahren. Die Tilgung erfolgt in jährlichen Raten. Bereits vor Ablauf der Finanzierungszeit wurde das Fundingziel erreicht.

Die Vorteile des Crowdlendings liegen auf der Hand: Die Kommune erhält ein zeitlich beschränktes Darlehen, das zinsgünstiger ist als Kommunalkredite konventioneller Banken. Gleichzeitig werden Bürger auf wichtige gemeinschaftliche Projekte aufmerksam gemacht. So kann deren Interesse, die Kommune aktiv zu unterstützen, gezielt gesteigert werden. Zudem profitieren Bürger von Zinsen und den Nutzungsmöglichkeiten der umgesetzten Projekte.

Crowdlending stellt somit auch für Kommunen ein attraktives Finanzierungsinstrument dar. Aufgrund des Vorbildcharakters für andere Kommunen, begleitete der Hessischen Städte- und Gemeindebund (HSGB) den Bürgerkredit der Stadt Oestrich-Winkel. „Im Hinblick auf die aktuellen und zukünftigen Veränderung auf dem Kapitalmarkt, ist es sicher ein kluger Schritt der Stadt, ihre Bürgerinnen und Bürger als Gläubiger zu gewinnen!“, erklärt Karl-Christian Schelzke das Interesse des HSGB.

Das Potential für Kommunen und kommunale Unternehmen ist groß. Einerseits können Kommunen via Crowdlending ihre Bürger schnell und einfach bei regionalen Projekten einbinden und schaffen Transparenz und Sensibilität für die Kosten. Andererseits wollen sich die Bürger regional engagieren und ihr Geld einem sinnvollen Zweck zuführen. Mithilfe des Crowdlending wird ein starkes Band zwischen der Gemeinde und den partizipierenden Bürgern geknüpft.

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Datum
04. Februar 2015

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